Millionen Zigaretten gefälscht: Prozess gegen Eupener Bande beginnt

Von: Marc Heckert
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Zigarettenschmuggler Prozess Paderborn Eupen
Auf diesen uralten Maschinen hatten die Zigarettenfälscher Millionen von Glimmstängeln hergestellt. Foto: Zoll Essen

Eupen/Paderborn. Mehr als fünfeinhalb Millionen selbst hergestellter Zigaretten und rund 17 Tonnen Tabak: In großem Stil hatte eine internationale Zigarettenfälschermafia in illegalen Fabriken in Eupen und Verviers Rauchwaren hergestellt. Am Donnerstag begann in Eupen der Prozess gegen fast 40 Mitglieder der Bande, die ihre Ware auch nach NRW exportiert hatte.

Ein anoymer Hinweis hatte Mitte August die Ermittlungen ins Rollen gebracht: Deutsche Zollbeamte fischten am Kamener Kreuz einen Lastwagen aus dem Verkehr. An Bord: 25.000 Stangen illegal hergestellter Zigaretten.

Zwei Monate später ließen deutsche und belgische Ermittler in Eupen, Bielefeld und Hövelhof die Organisation hochgehen, die ihre Ware unter anderem nach Ostwestfalen geschmuggelt hatte. Die für den Schwarzmarkt bestimmten Zigaretten waren in Gewerbehallen in Delbrück und im Bielefelder Stadtteil Sennestadt gelagert worden. Die Bande machte gewaltigen Umsatz: Alleine ein Großkunde, ein 43-jähriger Bauunternehmer aus Holzwickede, nahm wöchentlich 5000 Stangen Zigaretten ab.

Insgesamt 18 Mitglieder der Bande wurden umgehend festgenommen, später noch etliche weitere Bandenmitglieder. Die größtenteils aus Osteuropa stammenden Männer waren zumeist für die Bedienung der uralten Produktionsmaschinen in Eupen zuständig, für den Transport per Lastwagen nach Deutschland und die Anmietung der Lagerhallen. Der angebliche Kopf der Bande, ein Belgier aus Brüssel - nur bekannt unter dem Spitznamen „der Dicke“ -  tauchte ab. Nach ihm wird nach wie vor gefahndet.

Einen ersten Prozess gegen Mitglieder der mafia-ähnlich strukturierten Organisation hatte es bereits vor knapp zwei Jahren in Deutschland gegeben. Im Juni 2015, acht Monate nach der Zerschlagung der Bande, verurteilte das Landgericht Paderborn fünf Bandenmitglieder im Alter zwischen 28 und 44 Jahren zu Gefängnisstrafen zwischen dreieinhalb und sechs Jahren. Der Hauptangeklagte, ein 39-jähriger Spediteur aus dem ostwestfälischen Hövelhof, bekam sogar siebeneinhalb Jahre aufgebrummt. Er hatte gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. Aussagen zu seinen Hintermännern - allen voran dem mysteriösen „Dicken“ - verweigerte er, er habe Angst um seine Familie.

Die Richter der Wirtschaftsstrafkammer schätzten den entstandenen Schaden für den deutschen Fiskus auf rund 8,5 Millionen Euro. Die Experten des Zolls gingen davon aus, dass 1,7 Millionen Stangen Zigaretten hergestellt wurden, was sogar einen Steuerschaden von 50 Millionen Euro bedeuten würde.

Unter den im Jahr 2014 festgenommenen und jetzt vor dem Strafgericht Eupen angeklagten Männern war auch in 54-jähriger Deutsch-Russe aus Leverkusen, der als „Chefmechaniker“ für die Wartung der Produktionsmaschinen zuständig war. Von den 39 nun angeklagten Personen erschienen am Donnerstag lediglich er und drei weitere Männer, wie er belgische Rundfunk BRF berichtet.
 

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