„Mikado“: Ein kleiner Schatz mit großer Bedeutung

Von: Rolf Hohl
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Gibt einen Einblick in „Mikado“: Michael Drummen, Leiter der Missio-Bibliothek. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wer in Richtung Südwesten aus der Stadt Aachen herausfährt, trifft an der Goethestraße auf einen der zahlreichen kleinen großen Schätze, die die Stadt zu bieten hat. Klein, weil die Missionsbibliothek „Mikado“ im Haus Missio noch immer vielen Bürgern unbekannt ist.

Und dennoch groß, weil ihre Bedeutung in Deutschland einzigartig ist und mit der Mission ein kontroverses Thema der Kirchengeschichte umfassend behandelt. Zum 100-jährigen Bestehen wird darum ab dem kommenden Mittwoch eine Ausstellung mit Schätzen aus dem Fundus der Bibliothek zu sehen sein.

Es ist beachtlich, welche Sammlung zeitgenössischer und aktueller Dokumente das Internationale Katholische Missionswerk Missio im Laufe der Zeit zusammengetragen hat. Insgesamt finden sich dort mehr als 170,000 Bücher und andere Medien in mehr als 250 Sprachen von 1540 bis heute. Dabei sei die Vielfalt der Weltanschauungen, die dort zusammengetragen werden, stetig gewachsen, sagt Bibliotheksleiter Michael Drummen. „Es ist charakteristisch für uns, dass man hier das Christentum nicht nur aus europäischer Sicht betrachten kann, sondern auch, wie etwa ein afrikanischer Christ den Glauben erlebt.“

„Ungefilterte Einschätzungen“

Rund 700 laufende Zeitschriften aus aller Welt bieten so einen umfassenden und vor allem authentischen Einblick in das Glaubensverständnis und die Lebensrealität anderer Menschen. In dieser Aufgabe, so Drummen, spiegle sich der Wandel des Missionsverständnisses exemplarisch wider. Statt den europäischen Duktus in andere Regionen der Erde zu tragen, sammle man heute die unterschiedlichen Anschauungen und Lehren im Rahmen der „kontextuellen Theologie“.

In diesen Schriften geht es denn auch nicht nur um theologische Fragen oder den interreligiösen Dialog vor Ort. „Etwa von den koptischen Christen in Ägypten bekommen wir ungefilterte Einschätzungen zur Bedrohungslage, so erhält man ein viel differenzierteres Bild, als wenn man das nur aus der Ferne betrachtet“, sagt Drummen. Im vergangenen Jahr haben in der Bibliothek rund 1300 Studenten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt zur Missionsgeschichte geforscht. Parallel zu den theologischen Betrachtungen gibt es auch historische Quellen wie Alltagsfotografien, Schilderungen über Kinderarbeit oder über die Lage von christlichen Gemeinden in anderen Teilen der Welt.

Mitunter finden sich auch wahre Schätze zwischen den zahllosen Dokumenten, wie eine Luther-Bibel aus dem 18. Jahrhundert oder ein Buch aus Kokosblättern – ein sogenannter Lontar – mit liturgischen Texten aus Bali. Auch persönliche Briefe des Missio-Gründers Heinrich Hahn gehören zum gewaltigen Umfang der Bibliothek. „Diese Mischung aus alten und neuen Schriften macht es erst möglich, die historischen Entwicklungen nachzuvollziehen“, sagt Drummen.

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