Messerstiche vor Festzelt: Angeklagter schweigt

Von: Thorsten Pracht
Letzte Aktualisierung:
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Bei einer Kirmes in Wegberg-Harbeck eskalierte der Streit unter Jugendlichen. Foto: Claudia Krocker

Mönchengladbach. Hellblaues Hemd, Jeans, kurze, dunkle Haare – fast schüchtern hat der Angeklagte Cedric H. aus Wegberg am Freitagmorgen den Sitzungssaal A 100 des Landgerichtes Mönchengladbach betreten. Dem 19-Jährigen wird vorgeworfen, am 13. Juli 2014 Maurice J. mit einem Taschenmesser tödlich und dessen Bruder Dominik J. schwer verletzt zu haben.

Gegen 0.45 Uhr soll es, so die bisherige Erkenntnis, vor dem Festzelt der Kirmes im Wegberger Ortsteil Harbeck zu einem Streit unter mehreren Jugendlichen gekommen sein. „Aus nichtigem Anlass“, wie Staatsanwältin Jane Wolf am Freitag bei der Verlesung der Anklage betonte. Es entwickelte sich eine Schlägerei, in deren Verlauf der Angeklagte verletzt wurde. Laut Anklageschrift begab Cedric H. sich daraufhin ins Festzelt, um seine Wunde zu versorgen.

Als er zu den Streitenden zurückkehrte, hatte er ein Schweizer Taschenmesser in der Hand. Es muss ein Angriff mit großer Wucht gewesen sein, denn er hinterließ eine zehn Zentimeter lange und einen Zentimeter tiefe Wunde quer über die Stirn von Dominik J, der im Prozess als Nebenkläger auftritt. Er werde, so die Staatsanwältin, für immer von der Attacke gezeichnet sein.

Der Angeklagte soll sich anschließend dem Bruder von Dominik J., dem 17-jährigen Maurice J., zugewandt haben. Cedric H. verletzte sein Opfer im Bereich von Hals und Schulterblatt. Maurice J. verstarb kurz darauf in einem Mönchengladbacher Krankenhaus. Zum Tatzeitpunkt hatte Cedric H. einen Blutalkoholspiegel von maximal 1,2 Promille. Der damals 18-jährige Abiturient war vor der Tat strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, er absolvierte gerade eine Ausbildung zum Elektroniker.

Richter Lothar Beckers von der Ersten Großen Jugendkammer verfügte am Freitag mit Blick auf das Alter des Angeklagten, dass dieser weder gefilmt noch fotografiert werden dürfe. Beckers beendete den ersten Sitzungstag nach der Anklageverlesung – nach gerade mal neun Minuten. Denn das Angebot, sich zur Tat zu äußern, lehnte Verteidiger Reiner Jobs aus Eschweiler ab. Auch ein Wort der Reue in Richtung der Familie des Opfers gab es nicht. „Wir werden uns gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt äußern“, erklärte der Rechtsanwalt.

Bruder des Opfers sagt aus

Nach Einschätzung von Prozessbeobachtern könnte dies bereits beim zweiten Verhandlungstag am kommenden Montag der Fall sein. Dann steht auch die Aussage von Dominik J., dem Bruder des Getöteten, auf der Tagesordnung. Seine Anwältin Sabine Appel zeigte sich am Freitag enttäuscht vom ersten Prozesstag: „Wir hatten die Hoffnung, dass wir heute schon einen Schritt weiter kommen und erfahren, warum diese Tat geschehen ist.“ Der Familie gehe es weiterhin schlecht: „Ein Sohn ist tot, der zweite wird für immer entstellt bleiben.“ Insgesamt sind zehn Verhandlungstage angesetzt, 35 Zeugen und mehrere Sachverständige sollen vernommen werden. Urteilt das Gericht nach Jugendstrafrecht, drohen Cedric H. bis zu zehn Jahre Gefängnis. Sollte die Kammer das Erwachsenenstrafrecht zugrunde legen, könnten es sogar maximal 15 Jahre Haft werden.

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