Würselen - Merzbrück für Großevents aus dem Rennen

Merzbrück für Großevents aus dem Rennen

Von: Claudia Schweda
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„Olé“-Veranstalter Markus Krampe schließt eine Rückkehr in die Aachener Soers nicht aus: „An mir soll’s nicht scheitern.“ Foto: Jaspers
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„Die haben da in Merzbrück Flächen – das ist aus Sicherheitssicht das Paradies“: Der Konzertveranstalter Markus Krampe versteht nicht, warum Würselens Bürgermeister Arno Nelles (SPD) nicht an eine sichere Veranstaltung auf diesem Gelände glauben wollte. Foto: Kistermann

Würselen. Es gibt nicht viele Orte in der Region, an denen große Musikveranstaltungen mit über Zehntausend Zuschauern möglich sind. Der Annakirmesplatz in Düren ist schon beim Grönemeyer-Konzert 2008 ausgeschieden und am Dürener Badesee ist bei 10.000 Schluss.

Die Aachener Soers ginge, wird aber auch anderweitig genutzt. Der Flugplatz Merzbrück in Würselen ist eine Alternative – aber seit dem Gerangel um „Aachen Olé“ ist dieser Ort für Großveranstaltungen wohl aus dem Rennen. Und die Verantwortlichen der Flugplatz Aachen-Merzbrück GmbH verfolgen nicht vorrangig das Ziel, das zu ändern.

In der Veranstalter-Szene hat sich die Absage von „Aachen Olé“ noch während des laufenden Genehmigungsverfahrens schnell herumgesprochen. Diese Szene ist nicht groß. „Es gibt in Deutschland nur eine Hand voll Veranstalter, die wie Markus Krampe das Geld in die Hand nehmen, um ein Sicherheits-, Brandschutz- und Verkehrskonzept für einen in dieser Art noch nicht bespielten Ort zu entwickeln“, sagt der Sicherheitsmanager Fadi Fattouh aus Nideggen. Er hat für Krampe mehrere Genehmigungsverfahren der Olé-Reihe koordiniert und die Konzepte für Sicherheit und Verkehr entwickelt, darunter auch für Merzbrück. Ohne Konzert in Würselen bleibt Krampe nun auf diesen Kosten sitzen. Das Risiko wird kein Veranstalter mehr eingehen, „einschließlich mir“, sagt Krampe.

Der Würselener Bürgermeister und gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Flugplatzgesellschaft wusste, dass das Scheitern von „Aachen Olé“ diese Konsequenz haben würde: „Mir war klar, dass Herr Krampe seinen Eindruck in der Szene weitergeben wird“, sagt Arno Nelles (SPD). Und er bestätigt das, was bislang nur als Vermutung geäußert wurde: „‚Aachen Olé‘ ist aufgrund des fehlenden Vertrauensverhältnisses zu Herrn Krampe gescheitert.“ Seit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg wolle sich eben jeder bei Großveranstaltungen absichern, dass nichts passieren könne, sagt Nelles. Und er habe irgendwann nicht mehr daran glauben können, dass diese Veranstaltung am Ende sicher über die Bühne gehe. Krampe dagegen kann diese Ängste nicht verstehen: „Die haben da in Merzbrück Flächen – das ist aus Sicherheitssicht das Paradies. Da träumen andere von!“

Mit städtischen Behörden der Größe Würselens und national agierenden Künstleragenturen treffen offensichtlich zwei sehr verschiedene Welten aufeinander. Der Sicherheitsmanager Fattouh klagt, dass Würselen Ende 2014 der branchenüblichen Bitte um ein Vorgespräch mit allen beteiligten Ämtern eine Absage erteilt habe. Begründung: Da kein Antrag vorliege, erübrige sich ein Treffen. „Eine Frechheit“, sagt Fattouh, „man gibt nicht einfach mal so einen Antrag ab, ohne vorher miteinander gesprochen zu haben.“

Die Stadt wiederum klagt, dass nach einem Sondierungsgespräch im kleinen Kreis auf höchster Ebene zum Jahreswechsel zuerst monatelang kein Antrag gekommen sei – und dann der Vorverkauf eröffnet wurde, ohne das mit der Stadt abzustimmen. „Das halte ich für unseriös – auch wenn es branchenüblich ist“, sagt Nelles. Was folgte, war die Pressemitteilung der Stadt, in der explizit darauf hingewiesen wurde, dass „Aachen Olé“ die Genehmigung fehle. Damit war das Kind schon halb in den Brunnen gefallen.

Die städtische Mitteilung dürfte für den Vorverkaufsstart fatal gewesen sein. „Die Stadt hat mit der Öffentlichmachung Einfluss auf die Veranstaltung genommen“, sagt Fattouh. Der Bürgermeister sagt dagegen: „Es war uns wichtig, diesen klaren Umstand, dass es noch keine Genehmigung gibt, bekanntzugeben.“ Zum Vergleich: Beim Elektro-Festival „Seltsames Verhalten“ auf Merzbrück hat die Stadt keine solche Mitteilung zum Vorverkaufsstart herausgegeben, obwohl laut Fattouh auch in diesem Fall die Genehmigung „wie üblich“ erst wenige Tage vor dem Festivalstart erteilt wurde.

Nach Informationen unserer Zeitung hat Bürgermeister Nelles mehrfach im Rathaus geäußert, dass er „Aachen Olé“ lieber nicht in der Stadt haben möchte. Er, der auch dem Aufsichtsrat der Flughafen GmbH vorsteht, sagt heute: dass „die Mehrheit der Mitglieder“ im Aufsichtsrat „nicht begeistert“ gewesen wäre, „Aachen Olé“ durchzuführen und Krampe einen Mietvertrag zu geben. Auch ihm selbst wäre die Zustimmung dazu schwergefallen.

Nun fehlt anderen Veranstaltern der Beweis, dass in Merzbrück eine große Veranstaltung möglich ist. Um den Ort wieder ins Spiel zu bringen, gibt es nach Ansicht Fattouhs nur eine Möglichkeit: Stadt oder Flughafen GmbH müssten ein Sicherheits- und Verkehrskonzept für eine Großveranstaltung auf eigene Kosten durchplanen. Doch dieser Idee kann Nelles wenig abgewinnen. „Das wird sich für uns nicht rechnen.“ Er begrüße Musikveranstaltungen auf dem Gelände, aber sie könnten „nicht der Zweck des Gebietes Merzbrück schlechthin sein“, sagt er.

Für den Aufsichtsratschef steht die wirtschaftliche Entwicklung im Vordergrund. Mit einer Veranstaltung wie „Aachen Olé“ könne man vor Ort aber kein Geld verdienen. Krampe bringe seine Vertragsunternehmer mit. „Betriebswirtschaftlich ist das ein Zuschussgeschäft“, sagt Nelles, „und der Marketingeffekt für die Region ist nur schwer messbar.“

Olé-Fans können dennoch hoffen: „Von mir aus“, sagt Krampe, „kann „Aachen Olé“ im nächsten Jahr wieder in der Soers stattfinden. An mir soll‘s nicht scheitern.“

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