Mekka der Kunst: Einzigartige Ausstellung über Florenz

Von: Eckhard Hoog
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Wunderschöne Ansicht des Florentiner Naturkundemuseums vom Boboli-Garten aus, geschaffen von Antonio Donati und Aniello Lamberti Ende des 18. Jahrhunderts. Florenz war eben immer schon eine Reise wert... Foto: Biblioteca Nazionale Centrale, Florenz

Bonn. Hunderttausende Besucher aus aller Herren Länder strömen alljährlich in die Hauptstadt der Toskana – im Sommer flanieren bisweilen mehr Touristen als Einheimische durch Florenz. Ein unvergleichlicher Mythos umrankt dieses Mekka der Kunst und des Weins – eine der meistbesuchten Städte der Welt. Unsterbliche Genies fanden hier eine Heimat und schufen ihre bedeutendsten Werke.

Leonardo da Vinci, Michelangelo, Boccaccio, Botticelli, Dante und wie sie alle heißen. Allein mit dem Namen der Medici-Dynastie verbindet sich ein goldenes Zeitalter. Kaum eine andere Stadt beherbergt Kunstschätze in dieser Dichte und Vielfalt. Die Bundeskunsthalle Bonn spürt ab dem 22. November dieser Faszination mit einer einzigartigen Ausstellung nach: „Florenz!“

Während einzelnen Aspekten dieser Ikone der Kulturgeschichte immer mal wieder Präsentationen gewidmet werden – seien es die Medici, die Florentiner Künstler oder das Zeitalter der Renaissance –, wird diesmal die Stadt in ihrer ganzen Komplexität, mit ihrer Geschichte vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert in den Blick genommen. Ermöglicht wird ein Rundgang durch eine Zeitspanne von 600 Jahren. Neben 45 Florentiner Leihgebern waren 25 Museen und Einrichtungen aus Italien, Großbritannien, Tschechien, Deutschland und den USA mit kostbaren Objekten an den Vorbereitungen der Schau beteiligt.

300 Exponate – darunter Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Textilien und Archivalien – entführen den Besucher in die zauberhafte florentinische Welt, in ein Zentrum nicht nur der Kunst, Architektur und Religion, sondern auch der Wissenschaft, der Politik und des Handels. Und schließlich auch des stetigen Wandels, gespeist aus einer wechselvollen Geschichte, die unzählige Kirchen, Kapellen, Museen und Paläste hinterlassen hat. Die Stadt als Gesamtkunstwerk.

Der „Rundgang“ ist durchaus wörtlich zu nehmen: Ein Parcours führt über sechs Sektionen chronologisch durch einzelne Epochen der Stadt – der Wandel über die Jahrhunderte bildet dabei den roten Faden. Die Zeit des 13. bis 15. Jahrhunderts ist geprägt von der aufblühenden Florentiner Wirtschaft – entsprechend ist diese erste Sektion vor allem dem Handel gewidmet. Bereits im 14. Jahrhundert hat Florenz fast alle europäischen Städte an Prosperität überflügelt – auf dieser Grundlage gedeihen vorzüglich Malerei und Literatur mit ganz neuen Perspektiven. Giotto revolutioniert die Darstellung des Menschen mit seiner plastisch-realistischen Modellierung von Individuen – ganz anders als die bis dato gültige byzantinische Norm von zweidimensional abgebildeten symbolisch aufgefassten Figuren.

Große Neuerungen prägen die Stadt der Renaissance vom Ende des 14. Jahrhunderts bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts – die zweite Sektion der Ausstellung. Der Florentiner Handel steht in voller Blüte, zumal mit der Eroberung Pisas ein Zugang zum Meer erlangt werden kann. Donatello, Andrea del Castagno und Sandro Boticelli gehören zu den Künstlerstars der Stunde, und die Medici betreten die Weltbühne als finanzkräftigste Auftraggeber für die Kunst in dieser Zeit. Leonardo da Vinci und Michelangelo setzen die Schlusspunkte unter diese Epoche.

Der bedeutenden Rolle von Florenz als „Stadt der Kunst des Zeichnens“ im 16. Jahrhundert ist in der dritten Abteilung ein eigenes Kabinett gewidmet, ehe die 4. Sektion in die Ära der Medici führt. Vorgestellt wird die großherzogliche Herrscherfamilie in Porträts; zu den Exponaten gehört eine Auswahl aus den reichen Sammlungen der Medici: römische und etruskische Antiken, islamisches Elfenbein und Artefakte aus der Neuen Welt. Der Geschmack dieser Epoche wird repräsentiert durch Steinlegearbeiten, Tapisserien, Holzintarsien, Kleinbronzen und Möbel.

Im 18. Jahrhundert erfolgt der Übergang vom toskanischen Großherzogtum der Medici zum modernen Staat der österreichischen Dynastie der Habsburger-Lothringer. Die letzte Medici, Anna Maria Luisa, Witwe des Johann Wilhelm von der Pfalz, übereignet die mediceischen Sammlungen den neuen Großherzögen. Die Lothringer lancierten in der Toskana eine aufgeklärte Territorialpolitik, richteten vorindustrielle Produktionsstätten ein und förderten Bauvorhaben, die neben dem repräsentativen Aspekt auch den der Funktionalität berücksichtigten. Im Zentrum dieser Ausstellungssektion steht die Entstehungsgeschichte der Florentiner Museen, die mit Hilfe von Dokumenten, Kunstwerken und Kuriositäten präsentiert wird, von der Eröffnung der Uffizien für ein breites Publikum bis zur Gründung der Florentiner Wissenschaftsmuseen.

Der Ruhm der Uffizien, die Bewunderung für das historische und zeitgenössische Florenz und die europäische Ausrichtung der Lothringer-Dynastie machen Florenz am Ende des 18. Jahrhunderts zu einem kosmopolitischen Zentrum, das auch im darauffolgenden Jahrhundert Bestand hat.

Mythos trifft auf Modernität – gegen Ende des 19. Jahrhunderts beschwören die florentinischen Maler noch einmal die glorreiche Vergangenheit, das erblühende bürgerliche Leben des Mittelalters. Die sechste und letzte Sektion führt gleichzeitig die prägende Entwicklung dieser Epoche vor Augen – die Stadt der Kunsthändler und Sammler mit neu entstehenden Museen. Internationale Künstler, Schriftsteller und Gelehrte wählen um die Wende zum 20. Jahrhundert Florenz als Domizil, inspiriert von der Kunst und Kultur der Renaissance.

Heute finden sich in Florenz bildungshungrige Reisende aus aller Welt ein, denen der französische Schriftsteller Stendhal Anfang des 19. Jahrhunderts sicherlich bei seinem Besuch der Stadt aus der Seele gesprochen hat: „Ich befand mich (...) in einer Art Ekstase. Als ich Santa Croce verließ, hatte ich starkes Herzklopfen; in Berlin nennt man das einen Nervenanfall; ich war bis zum Äußersten erschöpft und fürchtete umzufallen.“ In der 1294 erbauten Franziskanerkirche Santa Croce befinden sich die Grabmäler von Michelangelo, Machiavelli, Gioachino Rossini, Guglielmo Marconi und Galileo Galilei

Goethe dagegen war „eiligst durch Florenz durchgelaufen“. Irgendwie hat ihm die Stadt am Arno nicht besonders gut gefallen.

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