Meisner: „Wäre ich Papst, käme ich nicht nach Deutschland”

Von: kna
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Joachim Kardinal Meisner
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat Papst Benedikt XVI. vor Anfeindungen in Schutz genommen. Anlass war das fünfjährige Pontifikat Joseph Ratzingers. Foto: dpa

Köln. Kardinal Joachim Meisner würde anstelle von Papst Benedikt XVI. nicht erneut Deutschland besuchen. Als Grund nannte der Kölner Erzbischof am Mittwoch im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (kna) die kritischen und ablehnenden Töne im Heimatland des Kirchenoberhaupts.

„Ich schäme mich für uns deutsche Katholiken, wie wir den Papst behandeln. Wie gerade auch deutsche Theologieprofessoren und Medien, auch katholische, hierzulande mit dem Papst umgehen.” Aber der Papst denke vielleicht christlicher als der Erzbischof von Köln und sage sich: „Gerade weil sie mich so schlagen, komme ich.”

Der Kardinal äußerte sich zum fünften Jahrestag der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst. Meisner nannte es unredlich, dem Papst im aktuellen Missbrauchsskandal Versäumnisse oder inkonsequenten Umgang mit pädophilen Priestern anzuhängen. „Und man braucht dem Papst nicht ins Gewissen zu reden, damit ihm aufgeht, was für ein Unheil jungen Menschen da angetan wurde.”

Meisner zog eine positive Bilanz des bisherigen Pontifikats. Benedikt XVI. habe „die Kontinuität zum großen gesegneten Pontifikat seines Vorgängers” Johannes Paul II. gewahrt. So werde sein Besuch des Kölner Weltjugendtags in die Kirchengeschichte eingehen.

Auch als Gelehrtem sei es Benedikt XVI. gelungen, einen Draht zu den jungen Menschen zu finden und ihnen das Evangelium überzeugend zu vermitteln. Weiter hob der Kardinal das Jesus-Buch des Papstes hervor. Darin mache er deutlich, dass der historische Jesus und der Jesus des Glaubens identisch seien. „Das ist einer der wichtigsten Dienste, die dieser Papst der Kirche geschenkt hat”, so Meisner.

Der Erzbischof verteidigte auch den Umgang Benedikt XVI. mit der Piusbruderschaft. Schon als Kardinal sei ihm von Johannes Paul II. aufgetragen gewesen, mit den Piusbrüdern zu reden. Damals habe er die Spaltung nicht verhindern können. „Wenn er nun 30 Jahre später Hoffnungssignale gesendet bekommt, dass diese Gruppe in die Gemeinschaft der Kirche zurückzuholen ist, dann muss er dem als Papst nachgehen”, unterstrich Meisner. „Es ist seine Aufgabe, die Einheit der Kirche zu wahren.”

Der Kardinal wies auch die Ansicht zurück, der Papst sei mehr an der Einheit mit traditionalistischen Gruppierungen und weniger an der Ökumene mit den reformatorischen Kirchen interessiert. „Es ist nicht wahr, dass die Ökumene mit den reformatorischen Kirchen auf Sparflamme steht und hier - wie Frau Käßmann sagte - nichts zu erwarten ist.”

Was Benedikt XVI. als Theologe mit Hinblick auf die reformatorische Ökumene seit Jahrzehnten am Studiertisch oder bei vielen Begegnungen mit Fachleuten erarbeitet habe, das mache nicht immer Schlagzeilen, verfehle aber seine Wirkung nicht. „Bei ihm ist das ökumenische Anliegen in den besten Händen.”

Zum Verhältnis zur orthodoxen Kirche sagte der Kardinal, diese sei noch nie so glücklich über einen Papst gewesen wie jetzt. „Ihnen kommt Benedikt XVI. in seiner Theologie so nahe, dass eine Einigung zwischen orthodoxer und katholischer Kirche in absehbarer Zeit möglich erscheint.”
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