Mehr Umsatz, mehr Stellen, mehr Videos

Von: Lars Brepols
Letzte Aktualisierung:
video-bu
Welcher Film darf´s denn sein? Die „Volksinitiative Videosonntag” hätte gerne, dass den Videotheken auch sonntags das Öffnen gestattet wird - die Videothekenbetreiber sind begeistert. Foto: imago/David Heerde

Aachen. Die Videothekenbesitzer fordern es, viele Kunden wollen es und Bundestag sowie Bundesrat appellieren schon seit 1989 an die Länder, endlich die Öffnung von Videotheken auch an Sonn- und Feiertagen zu ermöglichen.

Bislang ohne Erfolg - zumindest in Nordrhein-Westfalen. Denn während in neun von 16 Bundesländern die Videotheken auch sonntags öffnen dürfen, wehrt sich der Düsseldorfer Landtag vehement gegen eine Aushöhlung des Sonn- und Feiertagsschutzes. „Hier in NRW werden wir wahrscheinlich bis zur nächsten Landtagswahl warten müssen, bis wir einen neuen Versuch starten können”, sagt Hans-Peter Lackhoff, Vorsitzender der „Volksinitiative Videosonntag”.

Vor gut drei Jahren hatte der Landtag das Bestreben der Initiative abgelehnt, den Videotheken einen zusätzlichen Öffnungstag zuzugestehen. Obwohl die Unterstützer der Volksinitiative 2005 mehr als 120.000 Unterschriften gesammelt und dem Landtag vorgelegt hatten, war ihr Bestreben nicht erfolgreich.

„Das ist nicht nachvollziehbar, denn das Feedback der Videothekeninhaber aus den Bundesländern, die sonntags öffnen dürfen, ist durchgängig positiv. Der Umsatz konnte deutlich gesteigert werden”, sagt Lackhoff. Neukunden würden sonntags häufiger in die Videotheken gehen - überwiegend Familien oder Gruppen, die gemeinsam einen spontanen Videoabend verbringen wollen, sagt Lackhoff.

Die Kirche fürchtet Konkurrenz

Die Betreiber haben die Hoffnung, durch die zusätzlichen Sonntagseinnahmen die allgemeine Branchenkrise besser kompensieren zu können. „Der zusätzliche Sonntag wäre traumhaft, denn unser Geschäft hat sich stark verändert. Gerade unter der Woche kommen deutlich weniger Kunden als früher”, sagt Manfred Holtz, Inhaber einer Videothek in der Aachener Innenstadt. Diese Erkenntnis hat auch Lackhoff gewonnen: „Die Inhaber melden uns vor allem höhere Kundenzahlen am Wochenende.”

Holtz sieht die Gründe für das veränderte Ausleihverhalten in der zunehmenden Konkurrenz durch das Internet und der insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Situation. „Außerdem haben Berufstätige in der Woche weniger Zeit”, glaubt Lackhoff. Holtz ist überzeugt, dass eine Öffnung an Sonntagen sein Geschäft spürbar beleben würde: „Der Umsatz kann dadurch um zehn bis 15 Prozent gesteigert werden, denn der Sonntag wird, ähnlich wie der Freitag und Samstag, zu den umsatzstärksten Tagen zählen. Wir könnten dann einen zusätzlichen Festangestellten einstellen.”

Sein Optimismus ist nicht unbegründet, denn bis vor ein paar Jahren hatten Kunden in seiner Videothek die Möglichkeit, auch sonntags DVDs auszuleihen. „Leider wurden wir damals angezeigt und mussten wieder schließen”, sagt Holtz. Ein weiterer Vorteil läge darin, dass Kunden die Filme auch sonntags zurückbringen könnten und nur für einen Ausleihtag Gebühren anfallen würden.

In Nordrhein-Westfalen votieren vor allem die Kirchen gegen den Wunsch der Videotheken. Zum einen wegen der grundsätzlichen Aushöhlung des Sonntagsschutzes, zum anderen aus Eigeninteresse, weil viele Kirchgänger der morgendlichen Messe fernbleiben könnten. „Als Kompromiss bieten wir an, nicht vor 13 Uhr zu öffnen”, sagt Lackhoff. Zudem würden die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Sonntagsöffnungszeiten nicht zu Lasten der Mitarbeiter gingen.

„In Videotheken sind überwiegend junge Arbeitnehmer beschäftigt wie beispielsweise Studenten, die neben ihrer Hauptbeschäftigung etwas dazuverdienen wollen und gerne auch sonntags arbeiten”, sagt Lackhoff.

Diese Erfahrung hat auch Hartmut Richter gemacht, Inhaber einer Videothek an einer Ausfallstraße Aachens: „Der freie Tag für unsere Mitarbeiter würde sich dadurch ja lediglich verschieben. Zudem könnten wir definitiv neue Arbeitsplätze schaffen.” Genau wie das Gros seiner Kollegen wartet auch Richter nur auf die Zustimmung der Landesregierung: „Ich kann mir absolut nicht erklären, was dagegen sprechen soll. Sowohl die Kunden als auch wir wünschen diese Regelung.”

Nach der Landtagswahl im Herbst werden die Videothekenbesitzer in NRW einen neuen Versuch starten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert