Mehr Austritte aus katholischer Kirche

Von: Robert Esser
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Aachen. Die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche wirken sich offenbar auf die Zahlen der Kirchenaustritte im Bistum Aachen aus. Mit 1626 Austritten meldete der Amtsgerichtsbezirk Aachen bereits 2009 ein Rekordjahr.

Im ersten Quartal 2010 kehrten nunmehr 471 Katholiken der Kirche den Rücken, erklärte Richterin Anne Lätermann. Dies sind im Jahresvergleich zwar 45 Gläubige weniger, aber die Austrittswelle rollt - im Gegensatz zum Vorjahr im Zuge des Disputs um die Pius-Bruderschaft - auf hohem Niveau weiter.

Allein in den ersten Apriltagen registrierte Aachen Dutzende weitere Kirchenaustritte. Das Amtsgericht Düren zählte im Quartalsvergleich mit 197 Austritten 2010 genau fünf Abmeldungen weniger als 2009. Allerdings verdoppelte sich hier die Austrittszahl im März nahezu: von 64 auf 120. Im vergangenen Monat spitzten sich die medialen Veröffentlichungen über Priester dramatisch zu, die Kinder sexuell missbraucht hatten.

Das Amtsgericht Jülich verzeichnet ebenfalls einen überproportionalen Anstieg - nach Gerichtsangaben um 44 Prozent: „Im kompletten Jahr 2009 sind an unserem Amtsgericht 235 Gläubige ausgetreten”, sagte Amtsgerichtsdirektor Rainer Harnacke. „Aber im ersten Quartal 2010 sind es jetzt schon 85 Fälle.”

Dem Bistum Aachen liegen nach eigenen Angaben noch keine Erkenntnisse über die jüngsten Austrittszahlen der kompletten Diözese vor. Auch die Gesamtbilanz für das Jahr 2009 sei noch nicht abgeschlossen. Schon von 2007 auf 2008 war die Ausstrittszahl am Amtsgericht Aachen von 1232 auf 1616 um 31 Prozent gestiegen.

In Köln hat sich die Zahl von Februar bis März mehr als verdoppelt und auch in Münster wurde ein „deutlicher Anstieg” registriert. Im Ruhrbistum Essen blieb der Mitgliederschwund auf gewohntem Niveau, in Paderborn ging er sogar zurück.

Die Austritte werden von Amtsgerichten und Bistümern aber nicht nur auf die aktuelle Missbrauchsdebatte zurückgeführt. Christen, die aus der Kirche austreten, müssen vor den Amtsgerichten keine Gründe angeben. Dennoch heißt es, dass wirtschaftliche Gründe vielfach ausschlaggebend seien.
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