Medienstreit in Polen wegen Karlspreis für Tusk

Von: dpa
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Der polnische Regierungschefs Donald Tusk. Foto: ddp

Warschau/Aachen. Die Auszeichnung des polnischen Regierungschefs Donald Tusk mit dem Karlspreis hat einen Streit zwischen zwei führenden Tageszeitungen des Landes ausgelöst.

Als „Gemeinheit des Jahres” bezeichnete die linksliberale „Gazeta Wyborcza” am Donnerstag die scharfe Kritik der Entscheidung seitens des konservativen Konkurrenz-Blattes „Rzeczpospolita”.

Das Karlspreis-Direktorium hatte Tusk bei der Bekanntgabe am vergangenen Samstag als polnischen Patrioten und großen Europäer gewürdigt. „Tusk steht als Symbolfigur dafür, die nationalistischen Tendenzen, die vor allem in Osteuropa wieder aufkeimen, zu überwinden”, sagte damals der Sprecher des Direktoriums, Jürgen Linden.

„Bislang haben sich unsere deutschen Nachbarn damit begnügt, zu bestimmen, wer polnischer Nationalist, Populist oder Antisemit ist”, schrieb Zdzislaw Krasnodebski in der „Rzeczpospolita” am Mittwoch. Nun wollten sie auch bestimmen, „ohne auf den Kampf gegen den Nationalismus zu verzichten”, wer als Patriot bezeichnet werden könne, kritisierte der Soziologe, ein Vordenker der polnischen Nationalkonservativen.

Wie Krasnodebski weiter bemängelte, werde Tusk den Karlspreis am 13. Mai - „wenn der Wahlkampf vor der Präsidentenwahl auf Hochtouren läuft” - in Empfang nehmen. Bei der Wahl im Herbst werden sich vermutlich Tusk und das amtierende Staatsoberhaupt Lech Kaczynski um das höchste Staatsamt bewerben.

Laut „Gazeta Wyborcza” erhebt Krasnodebski mit seiner Kritik den Anspruch, Moralzeugnisse zu verteilen, „wer in Polen ein Patriot ist und wer vom Ausland (vermutlich vom Deutschland) gesteuert wird”. Das Blatt erinnerte an das 2005 von den Nationalkonservativen verbreitete Gerücht, Tusks Großvater sei freiwillig in die deutsche Wehrmacht eingetreten. Eine Unterstellung, der amtierende Regierungschef vertrete fremde Interessen, sei niederträchtig, schrieb „Gazeta Wyborcza”. „Krasnodebski hat einen Preis für die Gemeinheit des Jahres verdient”, hieß es im Blatt.

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