Medienforum.nrw: Mit schwarzem Humor gegen schlechte Stimmung

Von: ddp/dpa
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Seit Montag in Aktion, der Newsdesk unserer Zeitung: Neueste Forschungs- erkenntnisse liegen dem zentralen Tisch in unserer Zentralredaktion zugrunde, an dem Vertreter aller Ressorts den aktuellen Onlineauftritt und die Zeitung von morgen planen und produzieren. Foto: Kistermann

Köln. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat die Bedeutung der gedruckten Zeitung hervorgehoben und zu einer neuen Wertschätzung von Qualitätsjournalismus aufgerufen.

„Auch in Deutschland gibt es Verleger, die unverhohlen die Zeitung zu Grabe tragen wollen”, sagte Rüttgers am Montag zur Eröffnung des Branchentreffs Medienforum NRW in Köln. „Da muss und will ich vehement widersprechen.” Man werde immer Journalisten brauchen, die in der Lage seien, Zusammenhänge kompetent zu erklären - bei der heutigen Informationsflut sogar mehr denn je: „Der Berufsstand braucht neue Wertschätzung.”

Unsere Zeitung hat am Montag eine Qualitätsoffensive gestartet. Der neue Newsdesk in der Aachener Zentralredaktion nahm seine Dienste auf. Vertreter aller Ressorts planen und produzieren ab sofort an einem großen Tisch sowohl den aktuellen Onlineauftritt als auch die Zeitung von morgen aus einem Guss. Angeschlossen an den nach neuesten Forschungserkenntnissen aufgebauten Newsdesk sind ein Recherche-Ressort, das die wichtigsten Themen des Tages vertieft, alle Lokalredaktionen sowie die Redaktionen Service und Magazin.

Eine repräsentative Umfrage zum Thema Zeitung stellte Ministerpräsident Rüttgers, der sich selbst als „exzessiven Zeitungsleser” bezeichnete, in Köln vor. Demnach ist die Tageszeitung für alle Bevölkerungsgruppen das glaubwürdigste Medium. „Nur eine Minderheit glaubt, dass man sich ausschließlich über das Internet informieren kann.” Das Interesse am Lokalen sei groß, und das gelte für Jüngere genauso wie für Ältere, für Hauptschüler wie für Gymnasiasten, für Arbeiter wie für Beamte.

Natürlich werde die Digitalisierung den Zeitungsmarkt verändern, sagte Rüttgers. Er sehe mit Sorge in die USA, wo „Journalisten entlassen, Korrespondenten eingespart, Redaktionen aufgelöst” würden. „Die Informationsrevolution frisst ihre Kinder.” So weit dürfe es in Deutschland nicht kommen. „Ein ungebremster Renditedruck schließt Qualität und Vielfalt aus”, sagte Rüttgers. „Wer guten Journalismus will, der darf ihn nicht ökonomisieren.” Eine Staatsfinanzierung von Zeitungen lehne er allerdings ab: „Journalismus muss unabhängig bleiben.”

Auch Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), wendete sich gegen Staatshilfen. Der Staat würde schon einen wichtigen Beitrag zum Überleben der Zeitung leisten, wenn er die Branche nicht noch weiter reguliere, etwa durch bestimmte Werbeverbote, sagte Heinen, Herausgeber der „Kölnischen Rundschau”. Verlage müssten sparen, betonte Heinen. „Aber sie würden einen großen Fehler machen, wenn sie bei der publizistischen Qualität sparen, an einer Stelle, wo das Produkt beeinträchtigt wird und die Leser eine schlechtere oder eine weniger umfassend berichtende Zeitung bekommen würden.” In Zeiten, in denen die Werbegelder knapp würden und Kunden Etats zurückhalten, müssten die Verlage den Märkten neue Ideen und neue Impulse geben. „Wir müssen unsere Märkte offensiv bearbeiten und neue Kreativität zeigen.”

Zur Eröffnung des medienforum.nrw hat RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel am Montag in Köln mit seiner persönlichen Erfahrung mit der Medienkrise überrascht.

Anhaltender Auflagenschwund habe ihm jetzt einen treuen Begleiter der Kindheit genommen, verriet der „RTL aktuell”-Moderator vor mehreren Hundert Teilnehmern des Internationalen Branchentreffens.

Der Verlag des Comic-Klassikers „Fix und Foxi” habe Insolvenz anmelden müssen, bedauerte der 50-Jährige: „Ich weiß nicht, ob es dafür Staatshilfe geben wird.”

Eigentlich stehe er für Moderationen außerhalb seines Senders nicht zur Verfügung, hatte Kloeppel angesichts der Debatte um die lukrativen Nebenjobs seines „Tagesthemen”-Kollegen Tom Buhrow und anderer betont.

Für die Veranstaltung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) machte der glänzend aufgelegte Nachrichten-Anchor eine Ausnahme. Bis Mittwoch (24. Juni) wird die weltweite Wirtschaftskrise ein beherrschendes Thema des medienforum.nrw sein. Neben der Krise an sich habe sich auch die Debatte darüber längst verselbstständigt, rügte LfM-Direktor Norbert Schneider als Gastgeber des Branchentreffs. Er bemühte zur Aufheiterung ein Zitat von Friedrich Engels (1820 - 1895): „Die Krise wird mir so gut tun wie ein Seebad”.

Eine Zeitung für alle neunten Klassen

Alle neunten Klassen in Nordrhein-Westfalen sollen für ein Jahr eine Zeitung in den Unterricht bekommen. Diese gemeinsame Initiative mit den Zeitungsverlagen kündigte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Montag beim Medienforum NRW in Köln an. Die Zeitungen könnten im Unterricht vielfältig genutzt werden, sagte er. Unter anderem könnten die Schüler damit lernen, wie demokratische Meinungsbildung funktioniere. Das Projekt „Zeitung in der Schule - Schule in der Zeitung” werde sich auf alle Schulformen erstrecken.
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