Martin-Buber-Plakette für Ehepaar Tempelman

Von: Anja Klingbeil
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Ein inniger Moment, der sich in einer herzlichen Umarmung ausdrückt: Euriade-Intendant Professor Werner Janssen (l.) überreicht Hugo und Liesje Tempelman die Martin-Buber-Plakette. Foto: Markus Schuldt

Kerkrade. Verantwortung und Respekt. Hugo und Liesje Tempelman haben beides bewiesen. Für sich und gegenüber anderen Menschen. Der Arzt und seine Frau haben hingesehen. Nicht weggeschaut. Für ihr Engagement wurden die beiden Niederländer am Sonntag in der Kerkrader Abtei Rolduc von Euriade-Intendant Professor Werner Janssen mit der Martin-Buber-Plakette ausgezeichnet.

Seit 2002 ehrt die Stichting Euriade mit dem Preis Menschen, die sich in der Welt für mehr Menschlichkeit einsetzen. Der Wirkungskreis der Tempelmans ist in Südafrika. In Elandsdoorn, einem Dorf 200 Kilometer entfernt von Johannesburg, machten sie vor knapp 20 Jahren zunächst nur ihre Hochzeitsreise.

„Dann haben wir einfach vergessen, wieder abzureisen”, sagt Liesje Tempelman. Überall begegnete ihnen Not, Armut und Elend. Hugo und Liesje Tempelman haben gehandelt. Medizinische Versorgung, Ausbildung von Ärzten, Aufklärungsarbeit, Freizeit- sowie Sportangebote für Kinder und Hilfe zur Selbsthilfe.

Ein Engagement, das für sie selbstverständlich war und ist, ohne groß darüber zu reden. Bei der feierlichen Verleihung der Buber-Plakette in der Aula Major der Abtei Rolduc reden andere darüber.

Hugo und Liesje Tempelman ist so viel Aufmerksamkeit und öffentliches Lob schon fast ein wenig zu viel. Bescheiden und beinahe verlegen hören sie die Reden der Laudatoren. „Sie ließen sich aufrütteln, aus der eigentlich geplanten Bahn werfen, und: sie handelten. Viele andere hätten dasselbe sehen können wie Sie, ohne sich genauso angesprochen zu fühlen”, sagt Laudator Wolfgang Schmitz, Direktor des WDR-Hörfunks Köln.

Im Dialog Tabus brechen

Auch Femke Halsema, Fraktionschefin von „Groen Links” lobt, dass Hugo und Liesje Tempelman es geschafft haben, im Dialog - ganz im Sinne des Philosophen Martin Buber - Tabus zu brechen: „Mit Mut und Energie kämpften sie gegen HIV und Aids, während diese Phänomene im Grunde vor Ort einfach ignoriert wurden. Man wollte es nicht wahrhaben, übersah die Patienten und Opfer.”

Am Tag zuvor stellten sich die Preisträger den Fragen der Jugendlichen, die am Euriade-Projekt „Jugend im Dialog” teilnahmen. Eine Begegnung, die den beiden Niederländern fast lieber war, als im Rampenlicht zu stehen, wie bei der Verleihung am Sonntag.

Im Saal von Burg Rode in Herzogenrath fragten die Jugendlichen nach ihrer Arbeit, ihren Hilfsprojekten in Südafrika. Aber es ging auch um ganz Persönliches. Der Papst würde ihn wohl nicht sonderlich mögen, meinte einer der Schüler. Da musste auch Hugo Tempelman kurz auflachen. „Wir sind Christen. Ich lebe meinen Glauben, in dem, was ich tue.” Es gehe aber an der Realität vorbei, dass die katholische Kirche den Gebrauch von Kondomen verbiete.

Tempelman erzählt von einem irischen Priester aus den Townships. Dieser hat 5000 Kondome gesammelt für eine Party. „Das ist ein sehr praktischer Katholik.” Am Samstagabend besuchen die Tempelmans gemeinsam mit den Jugendlichen die Benefizgala mit dem Orchester „Concerto Málaga”.

Als Werner Janssen sie Sonntagabend schließlich auf die Bühne holt, verschwinden Hugo und Liesje Tempelman im Blitzlichtgewitter der Fotografen. „Diese Auszeichnung ist eine große Ehre besonders für die Leute, die in unserer Klinik und bei den Projekten mitarbeiten”, hebt Hugo Tempelman wieder sein Team hervor.

Ihre Arbeit geht weiter: „Wir sollten verstehen, dass diese junge Nation zu vergleichen ist mit einem jungen Menschen in der Pubertät. Wenn wir dieses Land jetzt allein- lassen, weil schöne und gute Dinge passieren, dann können wir wieder alles verlieren”, fügt er hinzu.

Er, seine Frau und alle Helfer werden auch weiterhin Verantwortung übernehmen. Und sie machen mit ihrem Beispiel deutlich, wie es geht. Eben ganz einfach über den Dialog, wie es Herman van Veen - musikalisch begleitet von Edith Leerkes - zum Abschluss auf den Punkt brachte.

Neue Hilfsprojekte sind bereits in Planung. Viele HIV-Positive oder Tuberkulose-Patienten haben noch immer nicht die Möglichkeit, einen Arzt aufzusuchen. Ihnen fehlen selbst die umgerechnet 25 Cent für den Bus. Deshalb will die Tempelman-Stiftung unter anderem mobile Arztpraxen aufbauen.

Damit die Arbeit von Hugo und Liesje Tempelman weitergehen kann, ist auch finanzielle Hilfe notwendig. Spenden können überwiesen werden auf das Konto der Hugo-Tempelman-Stiftung: Kontonummer 7777006, Weberbank Actiengesellschaft, BLZ 10120100.

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