Herzogenrath/Kerkrade - Martin-Buber-Plakette für den „irischen Dickkopf“

Martin-Buber-Plakette für den „irischen Dickkopf“

Von: Alexander Barth und Kristina Toussaint
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Der Preisträger und einer seiner Laudatoren (vorne v. r.): Pater Shay Cullen und Abt Adrianus Lenglet am Freitag beim Empfang durch eine internationale Jugendgruppe auf Burg Rode. Foto: Andreas Hermann
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Am Abend erhielt Cullen die Martin-Buber-Plakette 2017 bei einer Feier in der Abtei Rolduc in Kerkrade. Foto: Andreas Hermann
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Zu den Laudatoren gehörte auch der Schauspieler Dietmar Bär. Foto: Andreas Hermann

Herzogenrath/Kerkrade. Die royale Erhabenheit einer Silvia von Schweden oder die staatsmännische Zurückhaltung von Rumäniens Präsident Klaus Johannis sind Pater Shay Cullens Sache jedenfalls nicht. Dennoch weiß der 74-jährige Ire wie seine Vorgänger als Preisträger der Martin-Buber-Plakette, wie man Gesprächspartner und Publikum über das normale Maß hinaus mit Erzählungen zu begeistern weiß.

Das wurde am Freitag vor allem beim Dialog mit Jugendlichen aus halb Europa deutlich, seit Jahren fester Bestandteil des deutsch-niederländischen Kulturfestivals Euriade. Am Nachmittag, einige Stunden vor der Verleihung der renommierten Auszeichnung, traf sich Cullen mit Jugendlichen aus mehreren europäischen Ländern auf Burg Rode in Herzogenrath – zu einem munteren und bisweilen lebensphilosophischen Frage-Antwort-Spiel.

Abends ging es festlicher zu. In der Aula der Abtei Rolduc in Kerkrade erhielt der Ire als 16. Persönlichkeit die Auszeichnung, die in Erinnerung an den jüdischen Philosophen Martin Buber für soziales Engagement von der Stiftung Euriade verliehen wird.

Cullen hatte den jungen Menschen am Nachmittag einiges zu erzählen. Seit 46 Jahren kämpft der 74-Jährige auf den Philippinen gegen Kinderprostitution, Sextourismus und willkürliche Verhaftungen von Minderjährigen. Als katholischer Missionar war er 1969 auf die Inseln gekommen, die damals bereits einige Jahre unter dem totalitären Regime des Machthabers Ferdinand Marcos standen. „Ich war noch keine Stunde an Land, da sah ich, wie auf offener Straße kleine Mädchen angeboten wurden“, sagte Cullen.

Seitdem habe er Tausenden Kindern „nicht nur eine Perspektive, sondern echte Hoffnung gegeben“, sagte Francis Bermido Jr., der mit Cullen von den Philippinen ins Dreiländereck gereist ist. Bermido ist Vorsitzender der Organisation, die wahrscheinlich eines Tages das sichtbare Vermächtnis des Katholiken Cullen ist, der „sich allerdings durch Konfessionen nie lange vom Helfen abhalten lässt“, sagte Bermido. Er leitet das Kinderschutzzentrum Preda, mit dessen Gründung Cullen seine Wut kanalisierte, die ihn ob der Zustände in der Hauptstadt Manila packte.

Cullen berichtete seiner jungen internationalen Zuhörerschaft offen und frei von der Arbeit, die ihn nicht selten an die Abgründe menschlichen Handelns und Denkens führen. „Ausbeutung, Gewalt, sexuelle Misshandlungen – dies alles passiert auf den Philippinen mit Menschen, die so alt sind wie ihr. Ich will euch nicht erschrecken, aber ihr müsst wissen, wie es zugeht.“

Bei der Preisverleihung standen dann am Abend gleich drei Laudatoren parat, um Cullen ihre Aufwartung zu machen. Dass TV-Star Dietmar Bär einer von ihnen war, hat eine lange Vorgeschichte: 1998 beriet Cullen das WDR-Team beim Dreh der „Tatort“-Folge „Manila“, in dem die Kommissare auf den Philippinen einen deutschen Kinderschänder zur Strecke bringen. Beeindruckt von den Dreharbeiten in den Slums gründeten sie den Verein „Tatort – Straßen der Welt“.

Er setzt sich gegen Kinderprostitution und für mehr Kinderrechte ein und holt bis heute zusammen mit Cullen Kinder aus Bordellen und Gefängnissen. „Dinge auf der Welt verändern zu wollen, erfordert Mut, Zivilcourage, Durchsetzungsvermögen, die Gabe, Dinge zu beobachten und zu durchschauen und immer weiter zu machen, trotz Rückschlägen“, sagte Bär. Pater Shay Cullen habe all diese Voraussetzungen und setze sie in der Arbeit mit Preda um.

Unicef-Vorstand Peter-Matthias Gaede nannte Cullen einen „stillen Helden unserer Zeit“. „Die Welt braucht Leute wie ihn. Er ist einer dieser großartigen Menschen, einer dieser Kämpfer, die das Licht am Ende des Tunnels nicht ausgehen lassen und die zeitgleich nicht aufhören, uns auf die Missstände in der Welt hinzuweisen.“

„Was Sie tun, ist der perfekte, greifbare, zeitgemäße Weg, sich nach dem Leben Jesu Christi zu richten“, sagte Abt Adrianus Lenglet vom Kloster Sankt Benediktusberg in Vaals. „Als Sie auf die Philippinen kamen, haben Sie ohne zu zögern ihr Leben dem Kampf gegen jede Form von Gewalt gegen Kinder gewidmet.“

Er nehme diesen Preis nicht für irgendetwas an, was er getan habe, sagte Pater Shay Cullen, der sich selbst schon mal den „irischen Dickkopf“ nennt. „Ich nehme ihn an im Namen der Kinder, für jene, die Leid ertragen müssen oder die Unwägbarkeiten des Lebens überstanden haben. Dieser Preis ehrt auch all die, die daran arbeiten, unsere Gesellschaft zu ändern. In den Mädchen- und Jungenheimen von Preda sehen wir die Kinder zum ersten Mal lächeln und spielen, in Freiheit von Angst und beschützt vor ihren Peinigern.“

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