Aachen - Marie Ludwig ist die neue Regionsschreiberin

Marie Ludwig ist die neue Regionsschreiberin

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Marie Ludwig

Aachen. Durch die Region streifen, Geschichten sammeln, sie aufschreiben, ins Netz stellen – und dafür auch noch bezahlt werden? Was kann es Schöneres geben für einen engagierten Journalisten? Den Job hätte mancher gerne.

Sie hat ihn bekommen: Marie Ludwig, 24 Jahre alt, ist die neue und damit dritte Geschichtenschreiberin der Region; genauer, die aktuelle Stipendiatin des journalistisch-literarischen Projekts „stadt.land.text“ , das der Zweckverband-Region Aachen ins Leben gerufen hat.

Seit 1. Juli ist Marie Ludwig im „Amt“, sie wird es vier Monate lang bekleiden. In dieser Zeit wird sie wohl ständig unterwegs sein, denn erstens ist die Politikwissenschaftlerin aus Mettmann, die in Aachen studiert hat, eine abenteuerlustige Person, und zweitens ist das ihre Aufgabe.

Die Region, das sind in diesem Fall die Städteregion Aachen und die Kreise Düren, Heinsberg und Euskirchen, möchte Marie Ludwig ihren Lesern im Stil eines Magazins nahebringen. Jeden Monat wird sie unter ein bestimmtes Motto stellen. Aktuell heißt das „Auf Reisen“, weshalb die Schreiberin – ganz professionell – mit einem alten Lederkoffer vom Flohmarkt zu ihren Terminen fährt. Jeder Mensch, der in ihren Geschichten vorkommt, darf ein Andenken in diesen Koffer legen. Was das ist, wird nicht verraten. Erst am Ende des Monats gibt‘s die Auflösung.

Der erste Teil ihrer Reise führte Marie Ludwig nach Herzogenrath in die Wildnis, wo sie einen Tag zwischen den Bushaltestellen „Wildnis Anfang“ und „Wildnis Ende“ verbrachte. Der Text heißt „In der Wildnis“ und ist online zu lesen, auf Facebook explodierten die „Likes“ wegen der lustigen Namen.

Zwei Geschichten pro Woche sollen entstehen, das ist der Plan. Veröffentlicht werden sie online und zum Teil auch samstags auf der „Wir hier“-Seite unserer Zeitung.

Die zweite Reise von Marie Ludwig war eine Zeitreise, in der es um den ehemals roten Faden der Region geht. „Eigentlich war es eine Handelsreise“, meint sie, denn inhaltlich nimmt sie die alte Tuchindustrie in den Fokus. Geschrieben werden muss diese Geschichte noch, aber im Koffer befindet sich schon ein wolliges Andenken.

Überall, wo Marie Ludwig auftaucht, sind die Leute begeistert von dem, was sie tut, obwohl natürlich niemand je von einem Regionsschreiber gehört hat. Für sie, die ihr journalistisches Handwerkszeug unter anderem in der Lokalredaktion der Aachener Zeitung gelernt hat, ist der Job ein Traum, „ich wollte den unbedingt haben“, erzählt sie. Das hat geklappt, Marie Ludwig hat sich gegen zehn Mitbewerber durchgesetzt.

Dass man die Leute so für die Idee von „stadt.land.text“ erwärmen kann, freut die Schreiberin. Ein Leser aus der „Wildnis“ hat ihr geschrieben, dass ihm ihre Geschichte „ein heimatliches Gefühl“ gegeben habe. Mission erfüllt.

Und so geht Marie Ludwig ihrer Spürnase für Geschichten nach und freut sich über die Freiheit, die ihr das neue Amt gewährt. Inhalt, Layout, Veröffentlichung – über alles kann sie alleine bestimmen. „Das macht unheimlich viel Spaß, aber das ist auch eine große Verantwortung“, sagt sie. Sie trägt sie mit Fassung.

Zwei weitere Geschichten sind für den Juli geplant: Zunächst gönnt Marie Ludwig sich eine kleine „Erholungsreise“ zum Thema Wasser, indem sie sich auf die Suche nach den Aachener Quellen begibt und nachforscht, warum die eigentlich touristisch so gar keine Rolle spielt. Zum Schluss wird‘s dann noch mal anstrengend: Die Schreiberin folgt dem alten Pfad des Jakob-Wanderwegs aus der Eifel nach Aachen.

Monat zwei steht unter dem Motto „Sprachen“: Jeden Tag wird ein bestimmtes Dialektwort veröffentlicht – mit allem, was dazugehört. Im dritten Monat wird sich Ludwig ganz auf „Menschen aus der Region“ konzentrieren – und Porträts vom Bauer bis zur Politesse schreiben.

Zum Schluss wird es emotional: „Verloren und gefunden“ lautet das Motto des Monats Oktober. Marie Ludwig stellt soziale Projekte vor und will jeweils einen Tag in verschiedenen Einrichtenden verbringen: im Hospiz, im Tierheim, im Fundbüro.

Danach ist für Marie Ludwig ist Schluss mit „stadt.land.text“, und es geht nach Leipzig zum Masterstudium. Was könnte es anderes sein als Journalismus?

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