Mangel an Kinderärzten droht

Von: Elisa Zander
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Kinder benötigen im Krankheitsfall Spezialisten. Davon könnte es bald zu wenig geben. Foto: ddp

Aachen. In Zukunft werden junge Patienten in Deutschland nicht mehr flächendeckend von Kinderärzten betreut werden können. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesundheitsversicherung CSS der Schweiz.

Tatsächlich ist die Zahl der Kinderärzte gering: Weniger als drei Prozent der Krankenhausärzte in Deutschland sind Kinder- und Jugendmediziner.

Von Engpässen kann aber noch nicht überall die Rede sein. So kann beispielsweise der ärztliche Direktor und Chefarzt der Kinderklinik des St.-Marien-Hospitals in Düren, Karl-Josef Eßer, diesen Trend für seine Klinik nicht bestätigen. „Wir haben viele Bewerber, die wir abweisen müssen”, sagt er. Norbert Wagner, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Aachener Uniklinikum, gibt zu bedenken, dass der Ärztemangel ein grundsätzliches Problem sei und sich weder auf den Bereich der Kindermedizin, noch auf den stationären Bereich beschränken lasse.

Bei 580 Kinderkliniken und 22 speziellen Kinderkrankenhäusern in Deutschland sei noch eine flächendeckende Versorgung gegeben: „Jeder kann innerhalb von 30 Kilometern eine Kinderklinik erreichen”, sagt Wagner.

Engpässe in wenigen Jahren

Allerdings müssen beide Chefärzte einräumen, dass sich ein Kinderarztmangel bei den niedergelassenen Ärzten anbahnt. Und der macht auch vor Aachen nicht halt. Gabriele Trost-Brinkhues, Obfrau des Berufsverbandes für Stadt und Kreis Aachen der Kinder- und Jugendärzte e.V. und Leiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes der Stadt Aachen stellt fest, dass „es in Aachen in vier bis fünf Jahren einen Mangel an Kinderärzten geben kann”.

Das liegt laut Trost-Brinkhues unter anderem an den Ausbildungsbedingungen und einer zu hohen Zulassungsbeschränkung zum Medizinstudium. Dabei steht der Beruf des Arztes bei Kindern und Jugendlichen in der Hitliste der Traumjobs ganz weit oben. Aber die Zahl derjenigen, die ein Medizinstudium aufnehmen, ist zurückgegangen.

Auch Heiner Kentrup, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Stolberger Bethlehem-Krankenhaus, weiß um dieses Problem. Er vermutet als Grund die schwindende Wirtschaftlichkeit der Fachrichtung, vor allem bei Ärzten mit eigener Praxis. Denn im Gegensatz zu vielen Fachgebieten, die sich an gewinnbringenden Prozeduren orientieren, versuchten Kinderärzte das so weit möglich zu vermeiden, erklärt Norbert Wagner.

Sei einmal eine weitere Untersuchung oder auch eine Überweisung in ein Krankenhaus notwendig, sollten die Eltern darauf achten, dass das Kind immer in eine Klinik mit einer Kinder- und Jugendmedizinabteilung kommt. Dennoch gebe es Krankenhäuser, die Kinder ohne eine entsprechende Station aufnehmen. Eine großes Problem, darin sind sich Kinderärzte einig. Wagner plädiert sogar für eingesetzliches Verbot solcher Maßnahmen. „Ein Kind hat spezielle Bedürfnisse und muss während der gesamten Krankheitsphase im Mittelpunkt stehen. Das ist auf einer Erwachsenenstation gar nicht möglich.”

Die Kinderärzte und -Pfleger hätten schließlich eine besondere Ausbildung absolviert. Auf Erwachsenenstationen fehle den Betreuern dieses spezielle Wissen, sagt Heiner Kentrup. Abgesehen davon schreite der Gesundungsprozess in kindgerechter Umgebung wesentlich schneller voran, sagt Karl-Josef Eßer. Gerade in der Region gebe es genügend Möglichkeiten, jegliche Erkrankung im Kinder- und Jugendalter entsprechend zu behandeln.
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