Mailand oder doch Paris? Muss nicht sein.

Von: Lukas Weinberger
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Alles was das (Mode-)Herz begehrt: In sogenannten Pop-Up-Stores verkaufen die FAB-Designer – hier Clara Klein, Christian Vanwersch und Patricia Yasmine Graf (von links) – ihre selbstkreierten Stücke. Foto: Lukas Weinberger
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FAB. Fotos: Lukas Weinberger Foto: Lukas Weinberger

Aachen. Mode und Grenzen? Richtig, irgendwie passt da etwas nicht zusammen. Kreativität sollte schließlich grenzenlos sein. Immer. Und genau so grenzenlos ist auch „fashion across borders“ (FAB), der Zusammenschluss der Modenetzwerke Designmetropole Aachen, Fashionclash Maastricht und Modemuseum Hasselt. Seit knapp drei Jahren arbeiten die Institutionen aus der Euregio eng zusammen, Mode über die Grenzen hinweg.

Die Geschichte von FAB beginnt 2011. Das Modemuseum Hasselt erstellte ein großes Modemapping, Fragebögen wurden an zahlreiche Kreative in der ganzen Euregio verschickt, auch nach Aachen und Maastricht. „Warum seid ihr in der Region?“, „Seid ihr bewusst hier?“, „Was schätzt ihr?“, „An was mangelt es?“ Eine große Karte entstand, „superspannend“ sei das gewesen, sagt Patricia Yasmine Graf, selbst Designerin und FAB-Mitglied. „Aber wir wussten damals nicht genau, worauf das hinauslaufen wird.“ Eines war den Beteiligten aber schnell klar: Die Kräfte müssen gebündelt werden.

Die Zahl an kreativen Köpfen war groß, mit dem Modemuseum selbst, Fashionclash und der Designmetropole gab es ohnehin drei Institutionen, nur die Kommunikation untereinander passte noch nicht wirklich. Verknüpfungen zwischen Aachen, Maastricht und Hasselt hätten zwar bestanden, „es war aber nicht so, dass man sagen konnte, wir hätten zusammengearbeitet“, sagt Graf.

Ein Brainstorming änderte das. „Wir haben schnell gemerkt, dass jeder der Partner ein riesiges Netzwerk hat“, blickt Graf zurück. Jeder mit einem Schwerpunkt in seinem Land, Überschneidungen inklusive. Die Idee, Modemacher aus der Euregio unter einem Dach zusammenzufassen, wurde festgezurrt. Nur ein Name musste noch her. Und der war schnell gefunden. „Wir alle sind halt ‚Über-die-Grenze-Geher‘“, sagt Graf. Für die meisten Mitglieder sei es Normalität gewesen, an ein und demselben Tag Station in Deutschland, Belgien und den Niederlanden zu machen. Sei es beruflich, sei es privat. Welcher Name liegt da näher als „fashion across borders“ – Mode über die Grenzen hinweg?

Pop-Up-Stores

Das Netzwerk war geboren. Sieben Partner gründeten einen Verein: Patricia Yasmine Graf und Fabian Seibert sind für die Aachener, Kenneth Ramaekers und Romy Cockx für Hasselt dabei, dazu kommen die Maastrichter Nawie Kuiper, Laurens Hamacher und Branko Popovic. Seitdem sind die Sieben sozusagen die Leiter des Netzwerks, in dem zahlreiche Modemacher aus der Grenzregion zusammengefasst sind. Finanziert werden die FAB-Projekte durch Fördergelder.

Aber welche Ziele verfolgt FAB eigentlich? Eines wird ganz groß geschrieben: Mehr Sichtbarkeit in der Euregio. Erreichen will das Netzwerk das durch unterschiedlichste Aktivitäten – beispielsweise mit Pop-Up-Stores, den bisher größten FAB-Projekten. In diesen temporär geöffneten Geschäften können die Kreativen ihre eigenen Stücke verkaufen: ausgefallene Mode, Schals, Mützen, Accessoires oder Maßgeschneidertes. Und das mitten im Kern der einzelnen Städte. 2011 hat es den ersten dieser Läden in Hasselt gegeben, 2012 in Maastricht, Ende vergangenen Jahres war Aachen an der Reihe. Erfolge seien alle drei gewesen, FAB sei in der Öffentlichkeit präsentiert worden, auch der Umsatz habe gestimmt, sagt Graf. Sichtbarkeit heißt eben auch, sich auf dem Markt zu positionieren, den „Großen“ im Modebereich irgendwo die Stirn zu bieten. „Der Trend geht dahin, dass Leute wieder etwas Handgemachtes wollen“, hat Graf festgestellt. Viele würden sich dazu einen regionalen Bezug wünschen. FAB bietet beides.

Und das Netzwerk versucht, Mode aus der Euregio immer besser zu machen. Bei gemeinsamen Workshops geben erfahrene Designer Tipps, Make-Up-Artists führen vor, wie man ein Model schminken muss, um selbstkreierte Kleidung richtig in Szene zu setzen. Auch der unternehmerische Bereich spielt eine wichtige Rolle: Wie komme ich in Kontakt mit Ladenbesitzern? Wie produziere ich richtig? Und was soll das alles eigentlich kosten? „Viele Designer haben schöne Mode, aber keine Erfahrung in Bereichen wie Preiskalkulation“, sagt Graf. Nicht immer hätten sie alle Größen in einer Produktion, nicht immer könnten sie pünktlich nachliefern. FAB schafft Abhilfe.

Die Zusammenarbeit ist eng: Treffen in regelmäßigen Abständen, gegenseitige Unterstützung. Grenzen gibt’s auch da nicht. Konkurrenzdenken sei den Mitgliedern ohnehin fremd, sagt Graf. „Sätze wie, ‚Ich sag‘ dir meinen Lieferanten nicht!‘ , fallen bei uns nicht.“ Warum? Die Designerin nennt ein Beispiel: Wenn alle der Auftrag ereilen würde, ein T-Shirt zu entwerfen, dann würden dabei komplett unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. „Wir wollen uns schließlich ausdrücken, nicht irgendjemanden kopieren.“

Und sich als Modemacher entfalten könne man auch in der Euregio, sagt Graf. Die Partner hätten gemerkt, dass man etwas bewegen kann – wenn man anpackt. „Es macht viel größeren Spaß, in der Euregio zu arbeiten.“ Mailand, Paris, New York? Muss nicht sein. „Die Grenznähe ist doch super“, sagt Graf. Ein großes Publikum, unterschiedliche Geschmäcker – und Schluss soll noch lange nicht sein: FAB hat weitere Projekte geplant, soll weiter wachsen, Türen aufstoßen. Ganz ohne Grenzen, wie sollte es auch anders sein.

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