Macheten-Angriff vor Kino: Richter wüst beschimpft

Von: Wolfgang Schumacher
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Ein größeres Aufgebot an Justizbeamten und Polizisten sicherte den Saal des Aachener Schwurgerichtes während der Urteilsverkündung gegen den 27-Jährigen. Symbolfoto: dpa

Aachen. Der Krawall im Schwurgericht wurde erwartet. Ein größeres Aufgebot von Polizei und Wachbeamten der Justiz sicherte am Donnerstag den Saal der 2. Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht. Im so genannten Macheten-Fall wurde das Urteil gesprochen.

So sollte endlich ein Schlussstrich unter die Fehde zweier Aachener Familiengruppen, die eine türkischer, die andere albanischer Herkunft, gezogen werden. Das misslang freilich, da direkt nach der Urteilsverkündung Angehörige des Angeklagten Levent A. (27) und er selbst lautstark das Gericht beschimpften. Die Beamten griffen ein und setzten die Störer wegen Missachtung des Gerichtes vor die Türe. Der Angeklagte selbst verließ protestierend den Saal in Richtung Arrestzelle, zwei Wachtmeister machten die Eskorte.

Zuvor hatte der Vorsitzende, Richter Wolfgang Diewald, eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verkündet. Fünf Jahre muss A., der inzwischen das Abitur gemacht hat und studieren wollte, ins Gefängnis. Der Angeklagte war bereits 2010 zu vier Jahren Haft verurteilt worden, damals „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Sache ging auf Drängen der Gegenseite zum Bundesgerichtshof und wurde erst jetzt neu verhandelt, auch weil der Angeklagte sich für etwa ein Jahr in die Türkei abgesetzt hatte.

Das neue Strafmaß löste dann die lautstarken Beschimpfungen aus. Wohl zum Glück waren am letzten Tag des Prozesses die albanischen Brüder der Gegenseite nicht erscheinen. Ansonsten hätte dies möglicherweise neue Gerichtsverfahren verursachen können, denn schon zuvor war es während einiger Verhandlungstage zu heftigen gegenseitigen Drohungen gekommen.

Die Kammer sah es jetzt als erwiesen an, dass A. sein stattliches Schneidewerkzeug, eine Machete mit 30 bis 50 Zentimeter Klingenlänge, bereits im Hosenbund trug, als er und zwei Freunde gegen 23 Uhr im März 2009 eine Spätvorstellung des Aachener Cineplex besuchen wollten.

Dort kam es zum Streit zwischen den Gruppen. Die Fehde rührte von vergangenen Zusammentreffen im Drogenmilieu her. In diesem Streit skalpierte Levent A. den jüngsten der drei Brüder teilweise und sagte hinterher, die - übrigens niemals aufgefundene - Machete habe er seinen Gegnern zuvor abgerungen.

Das bewertete die Kammer als Schutzbehauptung und bejahte im aktuellen Verfahren einen zumindest bedingten Tötungsvorsatz des Angeklagten. „Er war der Aggressor und blieb es auch bis zum Schluss“, wertete das Gericht die Sache. Man müsse sicherstellen, dass auch durchaus vorbelastete Opfer gerecht behandelt würden, konstatierte Diewald nachdrücklich. Bei dem Angeklagten habe eine fatale Tendenz bestanden, die Gegenseite „mit Dreck zu beschmeißen“, ohne richtig auf die eigene Verantwortlichkeit zu schauen.

So sei die Kammer, hieß es weiter, der Schilderungen zweier Zeuginnen gefolgt, die angegeben hatten, dass A. die Waffe bei sich trug. „Grundsätzlich trauen wir es beiden Seiten zu“, sagte Diewald zur Klarstellung. Doch die Einlassung des Angeklagten sei widersprüchlich und nicht glaubhaft gewesen. Gegen dieses zweite Urteil ist erneut eine Revision zulässig.

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