Maastricht setzt erneut Zeichen für Europa

Von: Rebecca Brockmeier
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Hamada Aljarrah (18, l.) aus Syrien schildert Niklas Elbenbruck die Flucht aus seiner Heimat. Foto: Steindl
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Rik (21) aus Maastricht sieht die EU eher als ökonomische Gemeinschaft. Die einzelnen Mitgliedsstaaten seien kulturell sehr unterschiedlich. Er studiert Arabisch und findet, dass die Menschen mehr über Europa wissen müssten. Foto: Steindl
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Cornelia Kliem (20) studiert European Studies und baute mit an der Free Expression Wall. Foto: Steindl
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Der „analoge Postbote“ Peter Soudant (l.) motivierte die jungen Besucher zu Kommunikation in Form von Postkarten. Die konnten sie kostenlos in alle Welt verschicken. Grüße aus Maastricht gingen unter anderem nach Italien und China. Foto: Steindl
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Frank van Hertrooij (17) kennt keine Europa-Skepsis. Er sagt: „Die Demokratie ist die beste Regierungsform. Es ist wichtig, dass viele junge Menschen wählen gehen.“ Die Jugend könne mit ihrer Denkweise den Populisten die Stirn bieten. Foto: Steindl
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Sieht Europa zum Ende seiner Amtszeit am Scheideweg: Bundespräsident Joachim Gauck (l.) hier im Bild mit Prinzessin Beatrix der Niederlande (M.) und dem Präsidenten der Universität, Martin Paul im Theater aan het Vrijthof in Maastricht. Foto: dpa

Maastricht. Die Frage war: Geld oder Leben? So erzählt es Hamada Aljarrah aus Syrien. Der 18-Jährige sitzt an einem kleinen runden Tisch der „Human Libary“, der menschlichen Bibliothek. Er ist „das Buch“, die Geschichte ist seine Flucht aus Syrien, für die er seine letzten Ersparnisse zusammenkratzte und die ihn am Ende nach Maastricht geführt hat.

Dort sitzt er an diesem verregneten Nachmittag Niklas Elbenbruck gegenüber – seinem Leser, wenn man im Bild bleiben will. Der 21-Jährige kommt aus Mönchengladbach und studiert in der niederländischen Stadt. Er stellt Hamada Aljarrah die Frage, die an diesem Tag an diesem Ort von zentraler Bedeutung ist: „Was wünschst du dir von Europa?“ Er stellt die Frage genau 25 Jahre nachdem in dieser Stadt der Vertrag von Maastricht unterzeichnet wurde – einer der drei Gründungsverträge der Europäischen Union.

Die Aufbruchstimmung, die am 7. Februar 1992 herrschte, ist ein Vierteljahrhundert später Ernüchterung gewichen. Europa steckt in der Krise: Die Briten wollen die Gemeinschaft verlassen, Populisten in Frankreich und den Niederlanden wollen den Briten folgen und gleichzeitig dem Euro ein Ende bereiten, die Themen Flucht und Schulden spalten die Mitgliedsstaaten, und der neue US-Präsident Donald Trump greift ebenfalls die EU an.

In dieser dunklen Stunde geht in Maastricht der Blick nach vorne: „Europe calling, Europa ruft“ – und zwar in diesem Fall die Jugend. Rund 2500 junge Männer und Frauen haben die Organisatoren – das European Youth Forum, die Stadt Maastricht und die Provinz Limburg – unter diesem Titel nach Maastricht eingeladen, um über europäische Gemeinschaft zu diskutieren und sie trotz aller Miseren zu feiern.

Wie denken junge Menschen über die EU, die Grenzzäune und Passkontrollen nur aus Erzählungen kennen? Darum geht es an diesem grau-verhangenen Tag, der irgendwie zur Stimmung in Europa zu passen scheint. Doch von Pessivismus ist bei Rik zum Beispiel keine Spur: Er hält die EU für eine gute Sache, sieht sie aber eher als ökonomische und weniger als politische Union.

„Die Kulturen sind einfach zu unterschiedlich“, sagt der 21-jährige, der in Maastricht Arabisch studiert. Er hat gerade zusammen mit Linda eine Postkarte beim „analogen Postboten“ Peter Soudant eingeworfen. Er sammelt mit angeklebtem Schauzbart und altmodischer Uniform die Karten ein, auf denen die Teilnehmer im Muziekgieterij – eine Konzerthalle – kostenlose Botschaften in die ganze Welt verschicken können. Maastricht steht an diesem Tag für Zusammenhalt und Optimismus.

Denn auch das ist Teil des Konzepts: „Das Fest soll der Jugend eine Stimme geben“, sagt Cornelia Kliem. Die 20-Jährige kommt aus Trier, spricht fließend Englisch, studiert in Maastricht European Studies und hilft an diesem Tag freiwillig bei der Organisation mit – eine waschechte Europäerin.

Als solchen kann man auch Frank van Hertrooij bezeichnen. Der 17-Jährige steht voll hinter der europäischen Idee. Er schätzt die Reisefreiheit in der EU und sieht sie auch als Wertegemeinschaft – eine Einschätzung, die dieser Tage angesichts ökonomisch geprägter Debatten häufig in den Hintergrund tritt: „Wir als reiche Länder haben eine Verantwortung, den ärmeren zu helfen.“ Es sei wichtig, dass junge Leute wählten und Populismus bekämpften.

Ein positives Fazit

Wie vor 25 Jahren soll ein positives Signal von Maastricht ausgehen. Einer, der viel Positives zu berichten hat, ist Hamada Aljarrah aus der „Human Liberay“. Nachdem er bei seiner Flucht aus Syrien über Umwege nach Maastricht gekommen ist, habe er viel Gastfreundschaft erfahren, erzählt er Niklas Elbenbruck, der nach dem Gespräch ein positives Fazit zieht.

„Es ist spannend, nicht einfach über Menschen zu sprechen, sondern mit ihnen.“ Und was wünscht sich Hamada Aljarrah nun von Europa? „Wenn Europa mein Land heilt, wäre ich sehr dankbar.“

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