Maastricht - Maastricht Airlines: Insolvenzverwalter verhandelt mit möglichen Investoren

Maastricht Airlines: Insolvenzverwalter verhandelt mit möglichen Investoren

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:
5793590.jpg
Will dafür sorgen, dass die Fluggesellschaft ihren Betrieb endlich aufnehmen kann: Insolvenzverwalter John Huppertz aus Maastricht.
5793588.jpg
Will dafür sorgen, dass die Fluggesellschaft ihren Betrieb endlich aufnehmen kann: Insolvenzverwalter John Huppertz aus Maastricht.

Maastricht. Kommt sie hoch? Oder muss sie endgültig am Boden bleiben? Die ehrgeizige Geschichte um die neue Fluggesellschaft Maastricht Airlines hatte sich nicht so entwickelt, wie es der Hauptgesellschafter Hamid Kerboua erhofft und optimistisch angekündigt hatte.

Mehrfach musste der vorgesehene offizielle Startzeitpunkt verschoben werden, weil die beiden gebrauchten Fokker-50-Propellermaschinen bis dahin die intensive Inspektion in einer italienischen Flugzeugwerft nicht rechtzeitig überstanden hatten. Die bittere Folge für die hochfliegenden Pläne: Maastricht Airlines mussten Insolvenz anmelden. Mittlerweile habe er auch die letzten der einst 60 Mitarbeiter entlassen müssen, weil das Geld fehle, erklärt John Huppertz.

Jurist am Steuerknüppel

Der Maastrichter Rechtsanwalt hat mittlerweile den Steuerknüppel bei den Maastricht Airlines übernommen, neben einem ausgewiesenen Luftfahrtexperten als Berater. Der Jurist nahm zunächst das junge Unternehmen intensiv unter die Lupe. Für ihn steht seitdem fest: „Die Fluggesellschaft hat eine klare Überlebenschance“, ist Huppertz überzeugt.

Der Markt in der gesamten Euregio biete ein ausreichend großes Potenzial an Fluggästen, womit die niederländische Airline gut ausgelastet werden könne, versicherte er in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Dazu verwies Huppertz auf zahlreiche Gespräche mit Verantwortlichen aus der Wirtschaft und aus Verbänden in der Euregio, beispielsweise mit dem Hauptgeschäftsführer der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK), Michael F. Bayer, und potenziellen Kunden auf belgischer Seite, etwa aus Hasselt. Sie alle hätten ihn ermutigt – was Bayer gestern auf Nachfrage bestätigte: „Wenn die Strecken gut beworben werden, sind sie auch für Aachen interessant“, zeigt sich Bayer optimistisch.

Anwalt Huppertz hat nachgeprüft: Von den rund 4000 Tickets, die Maastricht Airlines vor dem ursprünglichen Starttermin verkauft hatten, seien etwa ein Viertel von deutschen Geschäftsreisenden und Touristen gebucht worden. Als die Insolvenz unvermeidlich war, seien die Kosten komplett erstattet worden.

Jetzt rührt Huppertz kräftig die Werbetrommel für den möglichst „endgültigen“ Start unter dem plakativen Motto: „Wir glauben, dass wir fliegen können.“ Dies sei eine „Crowdfundung“-Aktion – die Finanzierung eines Projekts durch eine Gemeinschaft –, die durch eine Initiative der bisherigen Maastricht-Airlines-Beschäftigten entstanden sei. „Die Situation geht ihnen ans Herz. Sie sind fest überzeugt von einer Zukunft für die Gesellschaft.“ Wer jetzt schon Tickets reserviere, um den Start anzuschieben, gehe kein Risiko ein, falls es doch nicht klappen sollte, versichert der Insolvenzverwalter. Details dazu sind unter www.maastricht-airlines.com auf Englisch und Niederländisch zu finden.

Welcher Starttermin jetzt angepeilt wird, lässt Huppertz noch offen. Der Anwalt hält es aber nicht für unwahrscheinlich, dass spätestens zum Winterflugplan ab Montag, 28. Oktober, der Flugbetrieb aufgenommen werden könnte. Besonders attraktiv für die Fluggäste sei der angestrebte Linienbetrieb, der es ermögliche, morgens etwa nach Berlin zu fliegen und Termine zu absolvieren und abends wieder zu Hause sein zu können. Zudem verweist Insolvenzverwalter auf die geringe Entfernung von Aachen zum Flughafen, die nahen Parkplätze und die kurzen Eincheckzeiten.

Von Vorteil für die erhoffte Wirtschaftlichkeit sei insbesondere, dass Maastricht Airlines mit den beiden Fokker-Flugzeugen, die nun im August ausgeliefert werden sollen, über relativ kleine Maschinen verfügen werde, die etwa 50 Sitzplätze böten. Damit sei neben der besseren Auslastung auch gewährleistet, dass die Kosten deutlich günstiger seien als etwa zu den Zeiten, als Germanwings mit wesentlich größeren Flugzeugen und etwa 100 Passagieren nach Berlin geflogen sei, so Huppertz: „Wir brauchen nur etwa 25 bis 30 Fluggäste, um auf unsere Kosten zu kommen.“

Neben der deutschen Hauptstadt bleiben auch die anderen beiden bisher genannten Flugziele auf der Anzeigetafel: nach München und in die niederländische Hauptstadt Amsterdam, sichert Huppertz zu. Und nach Marktbefragungen habe sich ein weiteres lukratives Ziel herauskristallisiert, das angesteuert werden soll, fügt er an: die Schweizer Bankenmetropole Zürich.

Voraussetzung zur Realisierung dieses Konzepts sei es, so der Insolvenzverwalter, einen interessierten neuen Investor zu finden. (siehe Infobox). Auch der bisherige Mehrheitsgesellschafter Kerboua sei derzeit fast weltweit unterwegs, um entsprechende Akteure zu akquirieren.

„Durchstarten“

Der gebürtige Tunesier Kerboua selbst wolle möglicherweise mit einem Millionenbetrag in eine Nachfolgegesellschaft beim angestrebten „Durchstarten“ einsteigen, zeigte sich Huppertz für dieses Engagement des Unternehmers durchaus offen. Schließlich habe nicht Kerboua die finanzielle Misere verursacht, sondern die für die verspätete Lieferung der Flugzeuge verantwortliche Leasinggesellschaft aus Italien. Nur deswegen hätten die erwarteten Einnahmen nicht erzielt werden können.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert