Maastricht-Aachen Airport: Neue Luftwege nach England und Äthiopien

Von: Thorsten Karbach
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Maastricht. Pünktlich war Peter O’Mara in Maastricht gelandet – die gute Botschaft im Gepäck. Der Vertriebsleiter der irischen Fluglinie Stobart Air verkündete am Donnerstag, dass er ab dem 10. Juli montags bis freitags sowie sonntags ein Turboprop-Flugzeug von London nach Maastricht und wieder zurück auf die Reise schickt.

Stobart Air? Die Linie hieß bis vor kurzem – kaum bekannter – noch Aer Arann, ihre Maschinen laufen unabhängig von diesem Namen schon länger in bekannterem Design: Die Stobart-Maschinen fliegen als Franchisenehmer in den Farben von Flybe, Europas größter Regionalfluggesellschaft mit 179 Routen in 15 Ländern. „Die größte Regionalfluggesellschaft Europas als neuen Partner auf dem Flughafen begrüßen zu können, stellt einen wichtigen Schritt dar“, sagt Flughafenchef Sander Heijmans.

Damit rückt das niederländische Maastricht wieder näher an die englische Metropole heran, nachdem die ebenfalls irische Ryanair ihre Verbindung zwischen dem Maastricht-Aachen Airport (MAA) und dem Flughafen London-Stansted eingestellt hatte (und die Zahl der Flüge deutlich reduzierte).

Und das ist nicht die einzige gute Nachricht, die der MAA in diesen Tagen verbreiten darf: Mit Ethiopian Airlines wurde gerade erst eine neue Luftfrachtlinie Richtung Addis Abeba aufgebaut, und hinter den Kulissen gilt als sicher, dass die Provinz Limburg den Maastricht-Aachener Flughafen am 1. Juli übernehmen wird. Die entscheidende Sitzung des Limburger Parlaments ist am 16. Mai, eine Mehrheit hat sich im Vorfeld aber wohl schon gebildet.

Auch wenn die Zahl der Fluggäste im vergangenen Jahr von 345.000 auf 465.000 stieg, und mit 79.000 Tonnen Gütern 4000 Tonnen mehr als 2012 umgeschlagen wurden, kämpft der Flughafen weiter um seine Zukunft. Regionale Flughäfen haben es überall in Europa schwer. Diese Woche wurde das Insolvenzverfahren über den städtischen Airport Lübeck-Blankensee eröffnet.

Die Provinz Limburg will Ähnliches in Maastricht verhindern. Schon im vergangenen Jahr hatte sie den MAA mit 4,5 Millionen Euro bezuschusst, nun wird sie ihn wohl für den symbolischen Betrag von einem Euro kaufen. Besitzer sind noch die britische Flughafenbetreiber-Gesellschaft Omniport und der niederländische Baukonzern Dura Vermeer. Die Provinz wird deren Regie übernehmen. Neue Investoren wie auch weitere Fluglinien sind aber weiterhin willkommen.

Die Zukunft für den MAA liegt auch nach einem Ende der Omniport-Zeit in Großbritannien. Denn Stobart Air sieht die Verbindung nach London – in diesem Fall zum Flughafen London-Southend – als Einstieg. Die ersten Ziele sind konservativ gesetzt: Binnen drei Jahren sollen 80.000 Fluggäste die London-Route nehmen. Im ersten Jahr werden 25.000 erwartet. Angesichts von zwölf Flügen pro Woche müssten dafür pro Flug 40 von 72 Plätzen der Turboprop-Maschinen besetzt werden – bei einem Flugpreis ab 34,99 Euro inklusive Steuern und Gebühren.

Zumindest zur Hälfte müssten also alle Flieger gefüllt sein. Ein ambitioniertes Ziel? „Das ist realistisch. Und wenn der Markt da ist, wollen wir hier wachsen“, sagt Peter O’Mara. Zum Vergleich: Ryanair hatte von Anfang an mit der doppelten Passagierzahl gerechnet. Und sich damit verkalkuliert. Wie viele es tatsächlich waren, die dann von Maastricht nach London flogen, wurde nie bekannt, die Verbindung aber eingestellt.

O’Maras Stobart Air will gleichermaßen Geschäftsreisende wie Urlauber ansprechen. Die Flugzeiten – in London startet die Maschine um 8.10 Uhr, sonntags um 8.30 Uhr, in Maastricht um 10.50 Uhr, sonntags um 11.10 Uhr – seien ein Kompromiss, um beide Zielgruppen anzusprechen. Und das Ziel ist bewusst gewählt. London-Southend, etwa 60 Kilometer östlich der City, ist Europas schnellst wachsender Flughafen. Im Vorjahr stieg die Passagierzahl um bemerkenswerte 57,1 Prozent, es wurde und wird in die Verlängerung der Start- und Landebahn und den Terminal investiert.

Genau genommen feiert ein fast vergessener Flughafen damit seine Renaissance. In den 60er Jahren war Southend nach Heathrow der zweitmeist frequentierte Flughafen Londons, wurde dann aber von Stanstead, Gatwick, City und Luton abgehangen.

Wer Southend anfliegt, muss natürlich wissen, dass es von dort noch einmal 53 Minuten per Zug bis zur Liverpool Street Station in die Londoner Innenstadt sind. Für Geschäftskunden ist der Bahnhof Stratford Station in 40 Minuten das Ziel – er liegt mitten im Finanzdistrikt im Osten der Stadt. „Das passt in unsere Strategie, neben Angeboten für Privatreisende auch solche für Geschäftsreisende im Portfolio zu haben“, erklärt Sander Heijmans.

Das Ziel London landet damit – neben Porto, Faro, Teneriffa, Alicante, Girona, Palma de Mallorca, Bari, Trapani (Sizilien), Heraklion und Antalya – zurück auf dem Flugplan. Pünktlich, finden die Verantwortlichen. Zumindest, bevor es für den MAA zu spät ist.

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