LVR-Zentrum in Köln: Aachener Sieg im Rennen um Megaprojekt

Von: Stephan Mohne
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145-Millionen-Projekt: Das LVR-Haus am Ottoplatz in Köln-Deutz soll abgerissen und durch ein deutlich größeres ersetzt werden. Den Architektenwettbewerb hat jetzt das Aachener Büro „kadawittfeld“ mit seinem Entwurf gewonnen. Foto: „kadawittfeld“
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145-Millionen-Projekt: Das LVR-Haus am Ottoplatz in Köln-Deutz soll abgerissen und durch ein deutlich größeres ersetzt werden. Den Architektenwettbewerb hat jetzt das Aachener Büro „kadawittfeld“ mit seinem Entwurf gewonnen. Foto: imago
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Innenansicht: Der Neubau soll rund 1000 Mitarbeitern auf insgesamt 38 000 Quadratmetern Platz bieten. Doch diese Dimension ist es, wegen der es seit geraumer Zeit Anwohnerproteste gibt. Entwurf: „kadawittfeld“

Aachen. Wenn es in Köln hoch hinaus geht, dann wird gestritten. Das war diesmal auch nicht anders – und dabei muss es keineswegs immer um Sichtachsen für das Weltkulturdenkmal Dom gehen. In diesem Fall richtete sich der Protest vor allem von Anwohnern vielmehr unter anderem gegen die Dimensionen des Projekts.

Die sind in der Tat nicht gerade klein. Denn am Ottoplatz im Kölner Stadtteil Deutz soll ein neues Verwaltungszentrum für den Landschaftsverband Rheinland entstehen. Auf 38.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche sollen rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LVR – insgesamt arbeiten dort rund 18.000 Menschen – demnächst ihre Arbeitsplätze haben. Das sind rund doppelt so viele wie bisher an dieser Stelle. Besagte 38 000 Quadratmeter halten Anwohner für überdimensioniert.

So oder so wurde im Herbst ein großer Architektenwettbewerb für den Neubau gestartet. 21 national und international renommierte Büros nahmen teil. Am Montag nun kam die Jury – bestehend aus 31 Personen, teils „vom Fach“, teils aus der Politik sowie vom LVR und der Stadt Köln – zusammen, um die nicht namentlich gekennzeichneten Entwürfe unter die Lupe zu nehmen.

Rund zwölf Stunden dauerte das Prozedere, bevor dann die Umschläge mit den in den Augen der Juroren besten drei geöffnet wurden. Und der Sieger kommt aus Aachen: Das Büro „kadawittfeld“ machte mit seinen Plänen für das neue LVR-Zentrum am Ende das Rennen und darf sich zunächst einmal über ein Preisgeld von 95.000 Euro freuen. Wenn der Entwurf tatsächlich in die Realität umgesetzt wird, kommt da natürlich noch ein nettes Sümmchen obendrauf.

Das neue Ensemble soll an der Stelle entstehen, an der heute noch ein 1966 fertiggestellter „Altbau“ steht. Der wurde ursprünglich vom Autobauer Ford genutzt. 1986 zog der Landschaftsverband ein. Doch das Gebäude ist marode, insbesondere beim Brandschutz hapert es. Die Diskussionen, ob saniert oder neu gebaut werden sollte, waren äußerst intensiv. Die Entscheidung fiel schließlich in der Landschaftsversammlung mit den Stimmen der seit dieser Wahlperiode amtierenden Mehrheit von CDU und SPD.

„Wir hätten 70 Millionen Euro investieren müssen und dafür immer noch einen Altbau gehabt“, sagt Rolf Einmahl aus Aachen, Vorsitzender der CDU-Fraktion. Umso erfreuter zeigte er sich, dass man nun einen „hervorragenden Entwurf“ habe – dass der Sieger aus seiner Heimatstadt kommt, passt Einmahl natürlich prima. Wenn das Gebäude steht, könnten viele über die Stadt verstreute Abteilungen endlich zusammengeführt werden.

Der Neubau soll deutlich größer als das jetzige Bauwerk werden und besteht aus einem langgezogenen flacheren Bau sowie einem maximal 73 Meter hohen Hochhaus – bisher 54 Meter – und einer Tiefgarage. Überzeugt hat die Jury unter dem Vorsitz von Professor Jörg Aldinger (Stuttgart) unter anderem ein langgestreckter rund 75 Meter langer Platz vor dem neuen LVR-Gebäude. Auch die Fassadengestaltung kam bestens an. Insgesamt werden sich die Baukosten mit allem Drum und Dran wohl auf rund 145 Millionen Euro – davon knapp 90 Millionen Euro reine Baukosten – belaufen.

Am Dienstag präsentierte LVR-Direktorin Ulrike Lubek die Siegerentwürfe. Sie betonte, dass der Architekturwettbewerb „für dieses große innerstädtische Bauprojekt zu einem frühen Zeitpunkt ein großes Maß an Transparenz – für die Bürgerinnen und Bürger genauso wie für die LVR-Mitarbeitenden, die dort arbeiten werden“ ermögliche. Das ist vor dem Hintergrund des Protestes im Vorfeld des Wettbewerbs wohl auch nötig.

Jetzt sollen Gespräche mit den drei Siegern – hinter den Aachenern „kadawittfeld“ folgten SAA Schweger Architekten (Hamburg) und Barkow Leibinger Architekten (Berlin) – geführt werden. Dabei soll ausgelotet werden, welcher Entwurf am Ende tatsächlich umgesetzt wird.

Bis das neue LVR-Zentrum auf dem rund 8000 Quadratmeter großen Baugrund steht, wird allerdings noch einiges Wasser den Rhein hinunter geflossen sein. Es muss ein Bebauungsplanverfahren geben, dann muss der bisherige Bau dem Erdboden gleichgemacht werden. Mit einem Baubeginn rechnet der LVR im Jahr 2021, mit der Fertigstellung 2024. Während der Bauphase wird man die Belegschaft – vor allem die IT-Abteilungen sind dort untergebracht – natürlich ausquartieren müssen.

Dass es – völlig unabhängig vom Siegerentwurf – über das Hochhausprojekt in Deutz weiterhin viele Diskussionen geben wird, dürfte indes ebenfalls sicher sein.

Bei Architekt und Sieger Gerhard Wittfeld herrschte am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung naturgemäß beste Stimmung: „Wir freuen uns sehr, dass wir uns in dem Architekturwettbewerb mit unserem Konzept durchsetzten konnten.“ Man hoffe, sich im nun anschließenden Vergabeverfahren ebenfalls zu behaupten und letztendlich auch den Bauauftrag zu bekommen. Wittfeld: „Erstmal überwiegt die große Freude, so ein attraktives und stadträumlich bedeutendes Projekt für uns entschieden zu haben!“

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