LVR-Dokumentation zum einstigen Lepra-Haus in Aachen-Melaten

Von: Sabine Rother
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Dokumentation über Aachener Lepra-Haus

Aachen. Ihr strahlendes Lächeln hat Evelyne Leandro nicht verloren. Für die 35-jährige Brasilianerin, die mit ihrer Familie in Berlin lebt und als Projektmanagerin arbeitet, war das nicht immer so. 2012 erhielt sie eine schockierende Diagnose: Lepra. „Ich hatte sofort all die bekannten Schreckensbilder im Kopf“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Weg zur Heilung war mühsam und schmerzhaft. Aber Verdrängung ist nicht ihre Sache. „Lepra ist eine der ältesten Infektionskrankheiten, und es gibt sie noch heute, unter anderem in meiner Heimat“, sagt sie.

Sie lernt permanent dazu – auch in Aachen, wo am Donnerstag mit Band 73 der „Rheinischen Ausgrabungen“ das Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) 30 Jahre Forschung unter dem Titel „Aachen, Melaten. Der Friedhof des mittelalterlichen Leprosiums an der Via Regia“ vorgestellt wurden. Professor Andreas Prescher, Leiter des Instituts für Molekulare und Zelluläre Anatomie an der Uniklinik Aachen, und der Archäologe Paul Wagner, ehemaliger Außenstellenleiter des LVR-Amtes, präsentieren auf beachtlichen 446 Seiten weitreichende Analysen.

Das besondere an der Anlage in Aachen-Melaten, die aus dem 12. Jahrhundert stammt und Mitte des 16. Jahrhunderts geschlossen wurde: Originale Bausubstanz und ein zugehöriger Friedhof boten optimale Bedingungen für die wissenschaftliche Erforschung der Lepra sowie der Lebenssituation jener Menschen, die dort – außerhalb der Stadtmauern – lebten, recht gut versorgt wurden und starben. 138 Skelette hat man gefunden und untersucht, rund 300 Personen wurden auf dem Friedhof begraben. Die Forscher haben genau hingesehen. War es wirklich Lepra? „Wir haben typische Knochenveränderungen festgestellt, auch Knochenveränderungen und Lochdefekte“, berichtet Prescher.

Wenn Evelyne Leandro die mittelalterlichen Krankenberichte liest, schaudert sie. „Zum Glück gibt es heute Medikamente, mit denen man Lepra heilen kann“, spricht sie aus eigener Erfahrung. Doch auch das war nicht leicht. „Es gab Zeiten, da musste ich 30 Tabletten am Tag schlucken“, seufzt sie. Eine Dreifach-Antibiotika-Kombination sowie der Wirkstoff Thalidomid (bekannt geworden als „Contergan“) haben ihr geholfen, das „Mycobakterium Leprae“, 1873 entdeckt vom Norweger G. A. Hansen, zu besiegen.

In Brasilien ist der Begriff „Lepra“ verboten – man darf nur von der „Hansen-Krankheit“ sprechen. Ein Tagebuch, das Evelyne Leandro während der Therapie geführt hat, ist unter dem Titel „Ausgesetzt“ als Buch erschienen. „Es hat mir geholfen, das alles seelisch zu verarbeiten“, sagt sie. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Leprakunde, die nach der Buch-Präsentation des LVR in Aachen einen Workshop veranstaltet hat, will sie Aufklärungsarbeit leisten. Ralf Klötzer, Vorsitzender der Gesellschaft aus Münster, ist froh über diese Unterstützung unter dem Motto „Lepra gestern und heute“.

„Die Krankheit wurde als Strafe Gottes angesehen“, wirft er einen Blick ins Mittelalter. „Andererseits waren Fürbitten der Betroffenen sehr begehrt. Man glaubte ja, sie hätten das Fegefeuer schon hinter sich.“ Evelyne Leandro nickt. Ja, auch sie hat in dunklen Stunden an eine „Strafe“ gedacht und sich gefragt: „Warum ich?“ Aber das ist lange vorbei. Jetzt ist sie glücklich.

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