Lungenentzündungs-Welle und drei Tote in Jülich

Von: Volker Uerlings
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Die Lungenentzündungs-Welle im St. Elisabeth-Krankenhaus gibt Rätsel auf. Foto: -vpu-

Jülich. Eine verhältnismäßig kleine, aber auffallende Lungenentzündungs-Welle in der Stadt Jülich gibt Rätsel auf. Über 40 vorwiegend ältere Menschen wurden mit identischen Symptomen der so genannten Pneumonie ins St. Elisabeth-Krankenhaus eingeliefert: Sie zeigten hohes Fieber, deutliche Veränderungen auf dem Röntgenbild und fühlten sich sehr schlapp.

Fast alle Betroffenen stammten aus dem Südosten der Stadt und dem Ortsteil Stetternich. Sie kamen von Mitte August bis Anfang September ins Krankenhaus, 25 allein an einem Wochenende. Das Kreisgesundheitsamt hatte diese Informationen bereits Ende voriger Woche gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Seit Mittwoch untersuchen die medizinischen Kontrolleure nun, ob drei Todesfälle mit der Infektwelle in Zusammenhang stehen.

Der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Norbert Schnitzler, will „nichts unter den Teppich kehren“. Fakt sei, dass drei Menschen gestorben seien, „und wir einen Zusammenhang nicht ausschließen können“. Bis Ende letzter Woche war nur von einem Todesfall die Rede: Es handelte sich um einen betagten Mensch mit vielfältigen Erkrankungen, darunter der in Rede stehenden Lungenentzündung.

„Am Mittwoch ist ein Patient verstorben, der eine ähnliche Symptomatik aufweist, aber sonst nicht ins Ausbruchsschema passt. Er ist 14 Tage vor allen anderen ins Krankenhaus eingeliefert worden.“ Bei genauer Prüfung aller Fallakten im Jülicher Krankenhaus stießen die Experten des Kreisgesundheitsamtes zudem auf einen dritten Menschen, der an der Lungenentzündung erkrankt war, allerdings zu einem Zeitpunkt gestorben ist, als noch niemand von einer Erkrankungswelle ausging – vor über zwei Wochen.

Das besondere Problem ist, dass der Erreger unbekannt ist – bis heute. Das Jülicher Krankenhaus hatte bereits breite Untersuchungen anstellen lassen, die Labore wurden aber nicht fündig. Norbert Schnitzler vom Gesundheitsamt sagte: „Es sind nicht die bekannten ,Verdächtigen‘, die bei der Routinediagnostik gesucht werden wie beispielsweise Pneumokokken. Die Labore suchen nun nach deutlich selteneren Erregern.“ Selbstverständlich wurden die Erkrankten auf Legionellen-Befall untersucht. „Die Mehrzahl der Befunde liegt vor – alle negativ“, informiert Schnitzler weiter.

Im Dürener Gesundheitsamt hat man eine „Arbeitshypothese“ aufgestellt: Demnach könnten sich alle Betroffenen eine Viruserkrankung eingehandelt haben, auf „die sich eine bakterielle Infektion draufgesetzt hat“. Andere Möglichkeiten seien nicht auszuschließen.

Es gibt auch gute Nachrichten: In den letzten Tagen hat es keine neuen Lungenentzündungs-Fälle gegeben, die ins Jülicher Krankenhaus eingeliefert worden wären. Und die Dunkelziffer? Das Gesundheitsamt hat Ende letzter Woche die niedergelassenen Ärzte in Jülich kontaktiert. Sie sprechen von einer für die Jahreszeit ungewöhnlichen Häufung an Erkältungskranken. Hier geht es aber eben nicht um Lungenentzündungen. Norbert Schnitzler: „Das sind die Leute, vornehmlich jüngere Menschen, die leichter erkrankt sind. Die anderen wurden ins Krankenhaus eingewiesen.“

Der Amtsleiter versucht auch eine Einordnung der Todesfälle: In Deutschland gebe es jährlich 230.000 Fälle an „ambulant erworbener Pneumonie“. „Auf den Kreis Düren heruntergebrochen wären das um die 800 Menschen, die so schwer erkrankt sind, dass sie stationär behandelt werden müssen. Die Sterblichkeit liegt statistisch bei 10 bis 30 Prozent.“

Insofern ist auch die Jülicher Infektionswelle an sich grundsätzlich keine Besonderheit. Ungewöhnlich sind der Zeitpunkt im Sommer und die örtliche Eingrenzung in einem Teil der Stadt Jülich. Deswegen wäre es den Kontrolleuren wichtig, die Ursache zu finden. Dr. Schnitzler: „Es ist unbefriedigend, dass wir den Erreger nicht kennen.“ Die Suche wird fortgesetzt.

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