Lütticher Stahlkrise: Straßenschlachten bei Demonstration

Von: Marc Heckert
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Straßenschlacht zwischen Stahlarbeitern und Polizei
Heftige Proteste von Stahlarbeitern gegen die angekündigten Entlassungen im Lütticher Becken eskalierten am Dienstag zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizei in Namur. Foto: dpa
Straßenschlacht zwischen Stahlarbeitern und Polizei
Heftige Proteste von Stahlarbeitern gegen die angekündigten Entlassungen im Lütticher Becken eskalierten am Dienstag zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizei in Namur. Foto: dpa

Lüttich/Namur. Steine auf Polizisten, Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten: In der belgischen Stahlkrise ist die Lage am Dienstag eskaliert. Mitarbeiter der von umfangreichen Schließungen bedrohten Stahlwerke im Lütticher Becken lieferten sich am Sitz der wallonischen Regionalregierung in Namur heftige Straßenschlachten mit der Polizei.

Mehrere verletzte Polizisten und Demonstranten, eingeschlagene Schaufensterscheiben, Trümmer und Wut: So sieht die Bilanz der Proteste aus. Zwischen 1200 und 2000 Beschäftigte des weltgrößten Stahlherstellers ArcelorMittal hatten in der Nähe des Regierungsgebäudes der Region Wallonien gegen die angekündigten Werksschließungen im Raum Lüttich protestiert.

Einige der teilweise vermummten Demonstranten hatten die Polizeikräfte unter anderem mit Steinwürfen angegriffen und Straßensperren errichtet. Die Polizisten antworteten mit Wasserwerfern und Tränengas; auf beiden Seiten gab es mehrere Verletzte. Die Lage geriet schließlich wieder unter Kontrolle.

Die Gewalttäter seien ohne Verzögerung und ohne Diskussionmit Baseballschlägern, Eisenstangen und Bolzen auf die Ordnungskräfte losgegangen, zitierte das belgische Nachrichtenportal Sudpresse.be den zuständigen Polizeichef Pascal Ligot. Es habe keine Provokationen durch die Sicherheitskräfte gegeben. Namurs Bürgermeister Maxime Prévot nannte die Ausschreitungen bei allem Verständnis für die betroffenen Metaller „völlig unverhältnismäßig“.

In einer Presseerklärung drückte ArcelorMittal Bedauern über die Folgen der Entlassungswelle aus und distanzierte sich von den gewalttägigen Protesten. Man sei bemüht, für die betroffenen Mitarbeiter „eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden“.

Rund um den traditionsreichen Stahlstandort Lüttich will ArcelorMittal mehr als die Hälfte seiner zwölf Produktionsstätten schließen und rund 1300 Mitarbeiter entlassen. Dies hatte der Konzern am vergangenen Donnerstag angekündigt. Hintergrund sei die um fast 30 Prozent eingebrochene Stahlnachfrage im Zuge der weltweiten Finanzkrise. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne kam es bereits zu ersten Protestaktionen auf dem Werksgelände, bei denen Reifen in Brand gesteckt wurden. Die Belegschaften traten in einen spontanen Streik.

Am Montag beschloss die Belegschaft schließlich nach erregter Debatte auf einer Mitarbeiterversammlung in Ougrée bei Lüttich, ab Mittwoch wieder an die Arbeitsplätze zurückzukehren. Bei der Versammlung kam es nach Zeugenangaben zu Handgreiflichkeiten zwischen einzelnen Arbeitern.

Die Gewerkschaften haben für die kommenden Tage weitere Protestaktionen angekündigt. Am Mittwoch war die Stahlkrise Thema einer Sitzung des wallonischen Parlamentes.

ArcelorMittal hatte erst Ende 2011 zwei Hochöfen in der Region geschlossen. Dabei hatten 800 Mitarbeiter ihre Stellen verloren.

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