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Lückenschluss der A46: Direkte Verbindung in die Niederlande

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Großbaustelle bei Heinsberg: Bald soll der Verkehr von der A46 über die B56n direkt in die Niederlande fließen. Derzeit wird am Ausbauende der Autobahn eine Umfahrung gebaut. Sie soll die Autos während der Bauarbeiten um die Kreuzung herumführen. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. Ein Blick auf die Landkarte macht das Problem deutlich: Die Autobahn 46 endet in Heinsberg, knapp 20 Kilometer vor der Grenze zu den Niederlanden. Weil sich Verkehrsströme aber mittlerweile längst nicht mehr an Staatsgrenzen orientieren, bremst diese Lücke Autofahrer auf ihrem Weg durch Europa aus. Dieser Bremsklotz wird bald nicht mehr packen.

Denn im kommenden Jahr soll die Bundesstraße 56n fertig sein. Die Straße verbindet die Autobahn 46 mit der niederländischen A2. So entsteht eine neue Verkehrsachse von Antwerpen bis ins Ruhrgebiet.

Am Ende der A46 nahe des Restaurants Janses Mattes wird dieses Vorhaben gerade in die Tat umgesetzt. Große Bagger bewegen dort eine Menge Erde, um die neue Straße an die Autobahn anzubinden. Derzeit würden die Vorarbeiten für eine neue Autobahnauffahrt geleistet, eine Umfahrung der Kreuzung werde gebaut, sagt Markus Reul, Projektleiter vom Landesbetrieb Straßenbau NRW.

Um Ostern herum wird das im europäischen Verkehrsfluss relevante Projekt erst einmal sehr lokale Auswirkungen haben. Berufspendler, die etwa zwischen Geilenkirchen und Heinsberg unterwegs sind, müssen sich auf der vielbefahrenen Strecke auf Verkehrsbehinderungen einstellen. Dann wird die Bundesstraße 221 abgesenkt und die Verbindung zwischen A46 und B56 n über eine Brücke geführt.

Begonnen wurde mit dem Bau der B56n schon im Jahr 2007. Auf dem Streckenabschnitt von der Grenze über die Gebiete der Gemeinden Selfkant und Gangelt rollt der Verkehr bereits. Insgesamt soll die Strecke laut Angaben des Landesbetriebs Straßenbau 18,1 Kilometer lang werden, die Kosten beziffert der Landesbetrieb auf 84 Millionen Euro. Entlang der Strecke sind insgesamt 25 Bauwerke nötig. Dabei handelt es sich um Brücken, Über- und Unterführungen und eine Querung über den Hastenrather Bach. Die neue Straße soll wechselweise zwei Fahrstreifen beziehungsweise eine Fahrspur pro Richtung bekommen.

Eigentlich könnte die B56n jetzt schon fertig sein. Aber eine Vergabebeschwerde zum Bau des Anschlusses an die Autobahn warf die Planer zurück. Jetzt geht Reul davon aus, dass die Bauarbeiten im kommenden Jahr abgeschlossen sein werden.

Die Verantwortlichen der Städte und Gemeinden im Kreis Heinsberg, die an der Autobahn und der neuen Bundesstraße liegen, rechnen damit, dass die neue Straße die Wirtschaft in Schwung bringt. Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder erwartet durch den Lückenschluss eine Belebung des Wirtschaftsstandortes Heinsberg. Es entstehe eine direkte Verbindung zu den Häfen in Antwerpen und Rotterdam. Bis zum Jahr 2020 erwarte man 20.000 Fahrzeuge, die täglich an Heinsberg vorbeirollen. „Dadurch hat Heinsberg in Sachen Verkehrsinfrastruktur noch mehr zu bieten“, sagt Dieder.

In der Gemeinde Selfkant erwartet man durch die neue Straße eine stärkere Nachfrage nach Gewerbefläche. Bürgermeister Herbert Corsten arbeitet derzeit daran, das einst geplante, aber nie realisierte Gewerbegebiet Herkenrather Höhe in Süsterseel voranzubringen. „Wir liegen dann an der direkten Verbindung zwischen Antwerpen und dem Ruhrgebiet“, sagt er.

Dieser Standortvorteil sei aber nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privatleute interessant. Corsten geht davon aus, dass wegen der schnelleren Verbindung nach Düsseldorf und Mönchengladbach mehr junge Menschen in der Gemeinde wohnen bleiben. Mindestens 15 Minuten sparen Autofahrer auf dem Weg nach Düsseldorf.

Auch in Hückelhoven sieht man den Bau der B56n sehr positiv. „Für uns ist das eine schnelle Verbindung in die Niederlande“, sagt Sprecher Holger Loogen. Die neue Straße könne den Standort Hückelhoven, an dem sich schon viele große Fachmärkte befinden, „noch interessanter“ machen. Denn bei der Entscheidung, wo ein großer Fachmarkt eine Niederlassung eröffnet, spielen Einzugsgebiete eine Rolle. Und das Einzugsgebiet von Hückelhoven werde durch den Lückenschluss in die Niederlande erweitert.

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