„Loverboy-Prozess“: Staatsanwalt bedauert scharfe Worte

Von: Leah Hautermans
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In der „Loverboy-Affäre“ standen 24 Männer vor Gericht, die Sex mit einem 16-jährigen Mädchen gehabt haben sollen. Symbolfoto: Fotolia/Sebastian Duda

Maastricht/Valkenburg. Nach 24 Verurteilungen in der Valkenburger „Loverboy-Affäre“ gibt es noch immer Diskussionsbedarf in den Niederlanden. Die niederländische Staatsanwaltschaft bedauert nun die Wortwahl des zuständigen Staatsanwalts bei der ersten Sitzung im Januar. Die Aussagen seien unpassend gewesen.

Das sagte Roger Bos, Leitender Staatsanwalt der Region Limburg, in einem Interview mit der Tageszeitung „Dagblad de Limburger". In der Sitzung am 23. Januar hatte der zuständige Staatsanwalt verkündet, dass Dutzende von Männern Besuch von der Polizei erwarten könnten: „Dass dies Folgen für ihre Ehe oder Beziehung haben kann, kann ich nicht vermeiden. Diese Männer hatten Sex mit einer Minderjährigen. Ich werde ihnen nicht helfen, indem ich das verschweige."

Oberstaatsanwalt Bos hat Verständnis für diese Aussage, wenn man sie im Kontext betrachte: Der zuständige Staatsanwalt habe damit unter anderem auf die Forderung des Anwalts des 21-jährigen Zuhälters, lediglich Sozialstunden zu verhängen, reagiert. Die Worte seien „in der Hitze des Gefechts" gesprochen worden. Die Wortwahl sei jedoch trotzdem unpassend für die Staatsanwaltschaft und eine Distanzierung davon hätte bereits früher stattfinden sollen.

Bos habe deshalb ein ernstes Gespräch mit dem Staatsanwalt geführt. Problematisch sei gewesen, dass die Worte noch lange in den Medien nachklangen. Die Anwälte der Angeklagten sprachen deswegen von einer „Hexenjagd". Als bekannt wurde, dass sich zwei Verdächtige das Leben genommen hatten, sahen insbesondere die Anwälte dies als eine Folge der harten Aussagen des Staatsanwaltes.

Bos betont jedoch, dass die Ankündigung, hart vorzugehen, in keinem Kausalzusammenhang mit den Selbsttötungen stehe: „Es ist schrecklich, was passiert ist. Aber dabei ging es um Schuld und Scham über das eigene Verhalten, nicht um Aussagen eines Staatsanwaltes."

Nachdem sich der erste Verdächtige das Leben genommen hatte, habe man außerdem den anderen Angeklagten psychologische Hilfe angeboten. Das sei eher ungewöhnlich. Auch die Privatsphäre der Angeklagten sei besonders geschützt worden.

Der Ausgang des Prozesses sei insgesamt ein Erfolg gewesen, findet Bos. Auch wenn der Großteil der Männer lediglich mit Sozialstunden und einem Tag Gefängnis davon gekommen waren, habe der Prozess eine Diskussion über den Missbrauch Minderjähriger ausgelöst.

Das sei für die Gesellschaft wünschenswert, und durch die große Aufmerksamkeit, die der Affäre zuteil wurde, sei auch abschreckende Wirkung erzielt worden. Insgesamt mussten sich 26 Männer vor dem Gericht verantworten, drei weiteren soll im Herbst der Prozess gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, gegen die bisherigen Urteile in Berufung zu gehen.

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