Loverboy-Prozess: Angeklagte bleiben frei

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:

Maastricht. Die Strafen gegen die Männer im sogenannten Loverboy-Verfahren in der niederländischen Provinz Limburg sind in zweiter Instanz bestätigt worden.

Die Freier, die mit einer Minderjährigen Geschlechtsverkehr gehabt hatten, waren in erster Instanz mehrheitlich zu Sozialstunden und einem (symbolischen) Tag Gefängnis verurteilt worden. Die Ermittlungen nach dem Missbrauch der damals 16-Jährigen Kimberley in Valkenburg hatten schon früh für Aufsehen gesorgt, weil die Staatsanwaltschaft von Beginn an eine harte Gangart eingelegt hatte. Sie hat auch jetzt wieder angekündigt, in Berufung zu gehen.

Ein fünf Jahre älterer Mann hatte die 16-Jährige, die von Zuhause weggelaufen war, 2014 dazu gebracht, mit Dutzenden von Männern bezahlten Sex zu haben. Der 21-Jährige war vom Gericht in Maastricht zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen 27 Freier Anklage erhoben und in den meisten Fällen Haftstrafen gefordert. Das Gericht hatte jedoch mildere Strafen gegen 23 Verdächtige verhängt, weil den Männern nicht bewusst gewesen sei, dass es sich um eine Minderjährige handelte. Kimberley hatte sich als älter ausgegeben. Vier Angeklagte wurden sogar freigesprochen.

Ähnlich fiel die Entscheidung der Richter in der zweiten Instanz aus. Die Richter in Den Bosch folgten ihren Kollegen aus Maastricht und sprachen sich ebenfalls für einen Tag Haft plus Sozialstunden aus. Zwei der rund 50 Verdächtigen, deren Kontaktdaten auf dem Smartphone des Zuhälters gefunden worden waren, hatten sich nach ersten Verhören selbst getötet. Daraufhin hatte es Kritik am offensiven Vorgehen der Staatsanwaltschaft gegeben.

Diese will jetzt in sechs Fällen erneut Rechtsmittel einlegen, da sexueller Missbrauch von Minderjährigen nach dem Gesetz mit längeren Freiheitsstrafen geahndet werden müsse. In einem Fall hatte sie sogar 18 Monate Gefängnis gefordert, weil ein Mann gezielt nach minderjährigen Prostituierten gesucht hatte.

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