Maastricht/Valkenburg - „Loverboy-Affäre“: Freispruch nach Zusammenbruch

„Loverboy-Affäre“: Freispruch nach Zusammenbruch

Von: Leah Hautermans
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In Maastricht steht derzeit eine Reihe von Männern vor Gericht, denen Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen vorgeworfen wird. Symbolfoto: dpa Foto: dpa

Maastricht/Valkenburg. In der Valkenburger „Loverboy-Affäre“ ist ein 55-jähriger Angeklagter freigesprochen worden. Auch er stand unter Verdacht, sexuelle Handlungen mit einem minderjährigen Mädchen verübt zu haben. Die Beweislast war jedoch nicht ausreichend, urteilte das Gericht. Dass er nicht wie alle anderen Angeklagten zwei Wochen auf das Urteil warten musste, lag an seinem geistigen Zustand.

Der soll so schwach gewesen sein, dass das Gericht es als „unmenschlich“ befand, ihn längere Zeit in Ungewissheit zu lassen. Der 55-Jährige war am Donnerstag freiwillig im Gerichtssaal erschienen und brach dort mehrere Male in Tränen aus, seine Beine zitterten. Er sagte aus, bei dem 16-jährigen Mädchen gewesen zu sein, doch keinen Sex mit ihr gehabt zu haben. Seinem Anwalt zufolge habe er keine sexuelle Erregung beim Anblick des Mädchens verspürt.

Der Anwalt bat deshalb um Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor ein Jahr Gefängnis mit vier Monaten auf Bewährung gefordert. Seinem vorzeitigen Freispruch folgten weitere Tränen.

Mittlerweile wurden in fünf Tagen 26 Verdächtige vor dem Gericht in Maastricht behandelt. Sie kommen aus den verschiedensten familiären und beruflichen Umgebungen, gemein haben sie alle aber den Verdacht auf sexuellen Kontakt mit einer Minderjährigen und ein bisher leeres Strafregister.

Die Staatsanwaltschaft unterscheidet zwischen zwei Kategorien in ihrem geforderten Strafmaß. Die Männer der ersten Kategorie - die keinen direkten Sex mit dem Mädchen hatten - sollten eine Strafe von einem bis sechs Monate Gefängnis erwarten. In der zweiten Kategorie solle die Sexkunden sechs bis fünfzehn Monate erwarten. Aber auch die Lebensweisheit, das Verhalten im Prozess und Reue gelten als Faktoren in der Bestimmung des Strafmaßes. Die schwerste Forderung gilt einem Mitarbeiter der Jugendhilfe, dem ein Jahr Gefängnis ohne Bewährung und ein Berufsverbot drohen könnte.

Ein Teil der Angeklagten bekommt am 23. Juli das Urteil verkündet, die zweite Gruppe eine Woche später.

Der Härte, mit der die Staatsanwaltschaft vorgeht, liegt die Hoffnung auf Abschreckung zugrunde. Um weiteren Fällen von sexuellem Missbrauch von Jugendlichen vorzubeugen, reiche eine Bestrafung mit „Arbeitsstrafen“ nicht aus. Freier müssten absolut sicher gehen, dass es sich nicht um eine Minderjährige handelt, und müssten dazu mindestens ihren Ausweis überprüfen. Das hatte keiner der Angeklagten getan.

Die verbleibenden drei Verdächtigen sind erst im Herbst an der Reihe.  

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