„Loverboy-Affäre“: 16-Jährige hatte Sex mit bis zu 80 Männern

Von: Christopher Gerards
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Valkenburg: Hier wurde die 16-Jährige aufgefunden. Foto: Archiv

Valkenburg/Aachen. Als die Polizei das vermisste Mädchen fand, war ein Freier bei ihr, erneut. Im Papierkorb lagen Kondome, zehn bis zwanzig Stück, und auf der Toilette des Hotelzimmers in Valkenburg saß ein 21 Jahre alter Mann; nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat er das damals 16-jährige Mädchen als Prostituierte ausgebeutet. Es heißt, das Mädchen sei verliebt in ihn gewesen.

Die sogenannte „Loverboy-Affäre“ sorgt zurzeit für gewaltiges Aufsehen in den Niederlanden. Sie ist erst jetzt publik geworden, nach einem Gerichtstermin am Freitag, doch die Ereignisse sollen sich schon Ende September und Anfang Oktober 2014 in einem Hotelzimmer in Valkenburg zugetragen haben. Bis zu 80 Männer könnten nach Medienberichten mit der Minderjährigen Sex gehabt haben, illegal. Dass es überhaupt so weit kam, soll an dem 21 Jahre alten Mann gelegen haben. Er sitzt im Gefängnis, am Freitag wurde seine Untersuchungshaft verlängert.

Wie das „Dagblad de Limburger“ unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtet, lernte das Mädchen den Mann im vergangenen Sommer kennen. Sie habe sich verliebt, der Mann sei nett gewesen. Plötzlich aber habe er den Kontakt abgebrochen, das Mädchen habe fortan für Treffen bezahlen müssen. Als das Geld nicht reichte, soll der Mann Prostitution als Lösung vorgeschlagen haben. Kontakte und ein Hotelzimmer habe er selbst organisiert.

Der Anwalt des Mannes hatte Anfang der Woche dazu erklärt, dass das Mädchen „freiwillig und auf eigene Initiative“ Sex mit den Männern hatte. Sein Mandat habe ihr allenfalls geholfen, sagte er am Mittwoch unserer Zeitung. Dieser Darstellung widerspricht der Vater des Mädchens. Der 21-Jährige habe seine Tochter einer Gehirnwäsche unterzogen, sagte er dem Sender „L1“. Bevor sie den Mann kennenlernte, habe das Mädchen kaum sexuelle Erfahrungen gemacht.

Der Vater hatte seine Tochter im Oktober als vermisst gemeldet. Weil die Polizei ihm nicht helfen konnte, schaltete er eine Detektei ein. Diese ortete ein Handy, von dem das Mädchen den Vater angerufen hatte, die Suche blieb zunächst aber ohne Erfolg. Dann sprach ein Bekannter den Vater an; auf einer einschlägigen Internetseite habe er ein Bild der Tochter gefunden, dazu eine Telefonnummer und die Ortsangabe „Umgebung Valkenburg“.

Der Vater ging erneut zur Polizei, und am 14. Oktober fanden die Ermittler das Mädchen in dem Hotelzimmer. Der Anwalt der Hotel-Besitzer sagte unserer Zeitung am Mittwoch, dass seine Klienten nichts gewusst und schlichtweg „Pech gehabt“ hätten. Das Zimmer befinde sich in einem anderen Gebäude als die Rezeption und besitze einen eigenen Eingang.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt nicht nur gegen den 21-Jährigen, sie ermittelt auch gegen die Freier, die Sex mit einer Minderjährigen hatten. „Die Kunden sind selbst verantwortlich, herauszufinden, ob eine Prostituierte 18 oder älter ist“, sagte am Mittwoch die Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Maastricht, Cindy Reijnders. Auf dem Handy des 21-Jährigen fanden die Ermittler auch Nummern aus Deutschland. Wie viele genau, teilte Reijnders nicht mit. Ob die Inhaber der Nummern Sex mit der Minderjährigen hatten, sei unklar.

Das Mädchen wird derzeit in einer Klinik betreut.

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