Lokführer mit über 2 Promille: Fahrgäste rufen Polizei

Von: se
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Zwei Fahrgäste hatten die Polizei verständigt, weil ihnen das merkwürdige Verhalten des Lokführers aufgefallen war (Archivfoto). Foto: J. Lange

Stolberg. Glasige Augen, erweiterte Pupillen und einen Alkoholwert von mehr als zwei Promille: Die Polizei hat am Sonntagabend einen Lokführer am Stolberger Hauptbahnhof aus dem Verkehr gezogen. Ob und wann er das nächste Mal einen Zug fahren darf, ist derzeit noch unklar. Was war geschehen?

Der 30-Jährige war mit der Euregiobahn von Aachen nach Stolberg unterwegs und machte mit abrupten Bremsungen die Fahrgäste auf sich aufmerksam.

Am Mühlener Bahnhof wurde er schließlich von zwei Fahrgästen angesprochen. Sie stellten glasige Augen und erweiterte Pupillen fest und verständigten gegen 21 Uhr die Polizei, die den Zug am Stolberger Hauptbahnhof stoppte. Ein Alkoholtest ergab bei dem Lokführer einen Wert von über zwei Promille, ein Drogentest blieb negativ. Die Beamten entzogen dem 30-Jährigen die Fahrerlaubnis für Schienenfahrzeuge. Die Ermittlungen wegen Gefährdung des Bahnverkehrs laufen, bestätigte ein Sprecher der Aachener Polizei.

Und wie ist der Fall einzuordnen? Gehören alkoholisierte Lokführer zu den Ausnahmen, oder ist das ein alltägliches Problem? Sven Schmitte, Vorsitzender des Bezirks Nordrhein-Westfalen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), beschreibt den Vorfall als „ganz, ganz seltenen Einzelfall“. Schließlich gelte eine 0,0-Promille-Grenze für das gesamte Zugpersonal. Schmitte betont, dass die Kollegen sehr verantwortungsbewusst seien. Die Anzahl von Fällen wie in Stolberg sei „prozentual fast null“, sagt Schmitte, der selbst seit 18 Jahren als Lokführer arbeitet. „In dieser Zeit habe ich das noch nicht ein Mal selbst erlebt.“

Ein Grund dafür sei die gute Prävention. Bereits beim Vorstellungsgespräch spiele das Thema Alkohol sowie das Antreffen eines betrunkenen Kollegen eine Rolle. Auch in Schulungen würde das Personal darüber aufgeklärt. In regelmäßigen Untersuchungen, denen sich die Lokführer unterziehen müssen, würde zudem das Blut untersucht. Suchterkrankungen würden also nicht geheim bleiben, meint Schmitte.

Persönlicher Kontakt zu den Kollegen sei jedoch im Laufe einer Schicht nicht immer der Fall. „Wenn man ein Fahrzeug übernimmt, trifft man auf einen Kollegen. Das ist aber nicht der Fall, wenn man einen Zug morgens aus dem Depot holt“, sagt er. Auch wenn Fälle wie dieser äußerst selten vorkommen, so sei „jeder Fall einer zu viel“, sagt Schmitte.

Bei der Polizei habe man Fälle wie diesen noch nicht erlebt, sagt Polizeisprecher Andreas Müller. „Ich erinnere mich an keinen einzigen Fall. So etwas gehört eher zu den Ausnahmen und ist nichts Alltägliches.”

Das bestätigt auch Roland Keller. Er kennt sich in Stolbergs Bahnhistorie bestens aus und meint: „Ein solcher Fall gehört zu den Ausnahmen.“

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