Aachen - Lob und Trauer: 10.000 Besucher im Centre Charlemagne

Lob und Trauer: 10.000 Besucher im Centre Charlemagne

Von: Sabine Rother
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Die Ausstellung zu Verbrechen an Kranken und Behinderten hat viele berührt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Mit 5000 Besuchern hatte man gerechnet, über 10.000 sind gekommen: Die dokumentarische Wanderausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ im Aachener Stadtmuseum Centre Charlemagne, die noch bis zum kommenden Sonntag, 25. Oktober, zu sehen ist, hat ein großes Publikum erreicht.

„Darunter waren über 70 Schulklassen, auch aus Belgien und den Niederlanden, Teilnehmer von 34 Berufskollegs für das Gesundheitswesen und zahlreiche Gruppen von Förderschulen“, berichtet Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs der Stadt Aachen. Vielfach genutzt wurde begleitende Technik – starke Lupen, Audiogeräte zum Zuhören und elektronischen Hilfen, die Erklärungen in Gebärdensprache liefern.

Die Kommentare in den beiden schlicht schwarzen Gästebüchern sind international, darunter Sätze wie „Gott sei Dank wurde mein Sohn erst nach diesem Horror geboren“ oder „Ganz traurig“ oder „Eine mutige, hervorragende Ausstellung“. Besucher kamen nicht nur aus Deutschland und den Beneluxländern, sondern sogar aus den USA, aus Israel, Italien, Spanien, England, Neuseeland und Skandinavien.

Die Betroffenheit ist ehrlich, das Entsetzen über die bisher noch nie so klar aufgezeigten Folgen des 1933 von den Nationalsozialisten erlassenen „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ sowie die Tatsache von mehr als 400.000 Zwangssterilisationen und 200.000 Morden an Menschen mit Behinderung in den Jahren 1933 bis 1945 zieht sich durch alle Äußerungen.

„Manche Besucher haben sich zunächst einen Teil der Ausstellung angesehen und waren so erschüttert, dass sie erstmal eine Pause brauchten“, erzählt Kuratorin Carmen Roebers. „Viele haben sich im Café ausgeruht und über das Gesehene gesprochen, um danach wieder zurückzugehen.“ Sie hat dafür gesorgt, dass auf den 80 Tafeln auch regionale Bezüge aufgezeigt werden.

Intensiv genutzt wurde das umfangreiche Rahmenprogramm. „Im Vortrag über die damalige Aachener Situation wurde klar: Hier war die Zahl der Zwangssterilisationen deutlich höher als im übrigen Deutschen Reich“, sagt Olaf Müller. „Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stiegen die Fallzahlen nochmals.“

Für ihn ist das große Interesse an dieser Ausstellung unter anderem ein Zeichen dafür, dass „ein entscheidendes geschichtliches Kapitel der deutschen Geschichte noch längst nicht abgeschlossen“ sei. „Das mündet ja nicht zuletzt in die Diskussion um Sterbehilfe und den Wert des Lebens.“ Nächste Station der Ausstellung ist das Saale-Unstrut-Klinikum in Aachens Partnerstadt Naumburg.

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