Düsseldorf - LKA-Bericht: Vier Mal mehr Rocker in NRW als 2010

LKA-Bericht: Vier Mal mehr Rocker in NRW als 2010

Von: Ekkehard Rüger und Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
Rocker
Ein interner LKA-Bericht nennt mehr als 2100 Mitgliedern in neun Gruppierungen. Foto: Ingo Wagner/dpa

Düsseldorf. Die Zahl der polizeibekannten Rocker in NRW hat sich von 2010 bis heute vervierfacht. Nach einem internen Bericht des Landeskriminalamts (LKA), der unserer Zeitung vorliegt, lag die Zahl der Mitglieder Ende September bei 2113.

Dazu kommen noch einmal 199 Mitglieder rockerähnlicher Gruppierungen, die Hälfte davon bei den in NRW erst seit Anfang des Jahres aktiven „Osmanen Germania“.

Auch in Aachen spricht die Polizei im Vergleich zu 2010 von „wesentlich mehr“ Rockern. Die Szene sei stark in Bewegung. Nach dem Verbot des örtlichen Bandidos-Chapters durch den NRW-Innenminister im April 2012 sei ein Vakuum entstanden, das verschiedene „Streetgangs“ für sich zu nutzen versucht hätten, erklärt Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei.

Nachdem sich 2013 dann ein Ableger vor allem in den Niederlanden aktiven Rockergruppierung Satudarah in Aachen gründete, habe sich die Situation zugespitzt und sei Mitte 2015 eskaliert bis hin zu massiven Auftritten der einzelnen Gruppierungen inklusive öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen mit Schusswechseln. Durch ein massives Auftreten der Polizei und der Staatsanwälte, die 134 Ermittlungsverfahren führten und 27 Haftbefehle erwirkten, habe man die Szene in den Griff bekommen, so Kemen.

„Aber es wird nie ruhig in dieser Szene.“ Deswegen denke auch niemand daran, die seit Jahren bestehende Ermittlungskommission im Polizeipräsidium Aachen aufzulösen.

Der Leitende Kriminaldirektor Thomas Jungbluth, beim LKA Leiter der Abteilung zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, sieht zwei Hauptgründe für den Anstieg: „Einerseits gibt es junge Männer, die sich von der Szene sehr stark angezogen fühlen. Die glauben, dass sie ihre persönlichen oder auch kriminellen Interessen mit einer Kutte besser durchsetzen können. Zum anderen führen die verstärkten polizeilichen Überwachungen, Kontrollen und Razzien auch dazu, dass uns mehr Mitglieder bekannt werden.“

Zur Bekämpfung illegaler Rockeraktivitäten vom Drogenhandel und Schutzgelderpressung über Prostitution bis zu Gewalttaten setzt das LKA laut Jungbluth auf vier Säulen: „Wir betreiben Aufklärung, indem wir die Charter und Chapter aufsuchen. Wir kontrollieren anlässlich großer Veranstaltungen in Abstimmung mit den Behörden vor Ort und stellen dabei oft Stich- und Schlagwaffen sicher. Wir schöpfen alle rechtlichen Möglichkeiten aus und wir wenden uns mit unserer Öffentlichkeitsarbeit an die zum Teil besorgte Bevölkerung.“

Erst vor zwei Wochen habe das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig das im Februar 2015 erlassene Verbot des Clubs Satudarah bestätigt. Entscheidende Ermittlungsergebnisse seien dabei von den Polizeibehörden in Duisburg und Aachen beigesteuert worden. Auch das Kuttenverbot auf dem Weihnachtsmarkt in Aachen ist inzwischen verwaltungsgerichtlich bestätigt.

Insgesamt sind dem LKA neun Gruppierungen im gesamten Land bekannt, die sich in 102 Chapter oder Charter unterteilen, wie die örtlichen Untergruppen der Rockerclubs genannt werden. Der personenstärkste Club sind die Bandidos (778 Mitglieder), gefolgt von Gremium (414) und den Hells Angels (364).

Zum Vergleich: 2010 waren vier Organisationen mit 37 Untergruppen und zusammen 520 Mitgliedern bekannt. Die aktuellsten Zahlen aus der Region Aachen, Düren und Heinsberg sind genau ein Jahr alt. Damals teilte das NRW-Innenministerium auf eine Kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Hendrik Schmitz aus Baesweiler mit, dass es in unserer Region 62 ihnen bekannte Rocker gebe; 21 Bandidos, 20 Hells Angels, 13 Outlaws Heinsberg und acht Gremium Heinsberg.

Die Bekämpfung der Rockerkriminalität gilt in NRW als ein Schwerpunkt der Sicherheitsstrategie von Innenminister Ralf Jäger (SPD). Für die CDU ist die Entwicklung der Szene gleichwohl ein Beweis politischen Versagens. „Minister Jäger bekommt die Rockerszene nicht in den Griff. Während der Minister schönredet, beschreiben seine Beamten die traurige Realität“, kritisiert Theo Kruse, innenpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

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