Limburg will die Milliarden-Röhre: Gigantisches Observatorium geplant

Von: Thorsten Karbach
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So soll das Einstein-Teleskop aussehen: Ein gleichschenkliges Dreieck 100 bis 200 Meter unter der Oberfläche. Die Provinz Limburg bewirbt sich als Standort. Foto: M. J. Kraan/ National Institute for Nuclear Physics and High Energy Physics Amsterdam

Maastricht. Die Provinz Limburg bewirbt sich um ein revolutionäres neues Observatorium, in dem bisher verborgene Bereiche des Universums wie der Ursprung von Gravitationswellen erkundet werden sollen – und das etwa 100 bis 200 Meter unter dem Boden.

Das Ganze hat die Dimension des berühmten Cern nahe Genf – und soll ähnlich bahnbrechende Erkenntnisse liefern. Bereits seit 2008 laufen die Planungen des sogenannten Einstein-Teleskops, einer gigantischen unterirdischen Forschungsstätte in Form eines Dreiecks mit Kantenlängen von zehn Kilometern. Drei Bewerber wollen dem sogenannten Gravitationswellen-Detektor buchstäblich den Boden bereiten: Neben der Provinz Limburg (mit Südlimburg) sind es die italienische Insel Sardinien und Ungarn.

Noch ist nicht klar, wann die Entscheidung der Europäischen Kommission fällt, die bereits für drei Millionen Euro die Entwurfsstudie zum Einstein-Teleskop finanzierte. In einem ersten Schritt werden Geologen den Boden in 200 Metern Tiefe untersuchen müssen. Dieser soll in Südlimburg für ein solches Projekt durchaus günstig sein, betonen die Verantwortlichen um den Amsterdamer Physiker Jo van den Brand. Baubeginn könnte Ende 2018 sein, frühestens 2024 soll die Arbeit am Ende aufgenommen werden.

Rückenwind haben die Pläne für das Einstein-Teleskop – das Investment soll bei einer Milliarde Euro liegen – durch die jüngste, nach Expertenmeinung Nobelpreis-verdächtige Entdeckung von Gravitationswellen aus dem All erfahren. Astrophysiker hatten Anfang Februar im sogenannten Ligo-Observatorium in den USA diese von Albert Einstein vorhergesagten Gravitationswellen erstmals direkt nachgewiesen. „Wir öffnen eine neue Ära“, hatte Ligo-Direktor David Reitze anschließend gesagt.

Das geplante Einstein-Teleskop soll weit präzisere Entdeckungen möglich machen. Die beiden Schenkel des Ligo-Observatoriums messen gerade einmal vier Kilometer, beim vergleichbaren Virgo-Observatorium gar nur drei Kilometer. Die zehn Kilometer Schenkellänge des Dreiecks des neuen Einstein-Teleskops schaffen den Forschern Raum für deutlich empfindlichere Messungen mit Hilfe von Laserstrahlen und am Ende drei verschachtelten Detektoren. Die Messungen sollen am Ende 100-fach empfindlicher sein als bei älteren Detektoren.

Der Bau des Teleskops würde für die drei Bewerber am Ende nicht nur enormes Prestige bringen: Rund 1000 Arbeitsplätze sollen damit verbunden sein.

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