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Limburg: „Wietpas” lässt illegalen Drogenhandel ansteigen

Von: Anne Grein
Letzte Aktualisierung:
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„Neue Regeln - keine Drogen”: Die niederländische Regierung warnt Touristen aus Deutschland und Belgien in der Nähe der Grenze, dass Coffeeshops ab 1. Mai keine Drogen an Ausländer mehr verkaufen dürfen. Das Bild entstand an einer Landstraße bei Maastricht. Foto: dpa

Maastricht. Kein guter Start für den „Wietpas”: Seit der Verschärfung der niederländischen Drogenpolitik am 1. Mai hat der illegale Drogenhandel auf Limburgs Straßen deutlich zugenommen - das berichten mehrere niederländische Medien. In Maastricht, wo die meisten Coffeeshops aus Protest gegen die neue Regelung geschlossen haben, ist die Zahl der Beschwerden explosionsartig gestiegen.

„Letzte Woche bekamen wir durchschnittlich fünf drogenbedingte Meldungen pro Stunde”, sagte ein Polizeisprecher. Auch in Sittard-Geleen, Kerkrade, Roermond und Venlo wurde ein Anstieg des illegalen Drogenhandels auf der Straße beobachtet; genaue Zahlen sind bislang nicht bekannt. In Maastricht und Kerkrade beobachten Polizisten, dass die Drogenhändler auf Rollern immer aggressiver versuchen, ihre Drogen vornehmlich an Niederländer zu verkaufen.

In Maastricht wurden alleine in der letzten Woche 20 Drogendealer verhaftet. Sie dürfen bestimmte Gebiete der Stadt jetzt nicht mehr betreten. Bei der Maastrichter Drogenmeldestelle sind in den letzten drei Wochen über 170 Anrufe eingegangen. Bürgermeister Onno Hoes sieht das positiv: „Das bedeutet, dass die Aufforderung an die Bürger, Drogenmissbrauch zu melden, Wirkung zeigt.” Wie viele der 170 Meldungen vor der Einführung des „Wietpas” eingegangen sind, konnte Hoes zunächst nicht sagen. Der Bürgermeister erklärte außerdem, dass die Zahl der ausländischen Drogentouristen erheblich gesunken sei.

In Venlo hat die Polizei seit dem 1. Mai zwei Straßenhändler verhaftet. Auch dort haben die Bürger mehr Drogendelikte bei der Polizei angezeigt, genaue Zahlen konnte die Polizei nicht geben. In Venlo-Süd seien Drogendealer vor allem in der Nähe des Coffeeshops „Nobodys Place” anzutreffen. Dort sollen jetzt vor allem Beamte in Zivil eingesetzt werden.

In Roermond gibt es bereits ein solches Undercoverteam. In der vergangenen Woche wurden drei Dealer und acht deutsche Kunden verhaftet. Auch dort bestätigen Polizei und die Stadt, dass der Drogenhandel auf den Straßen zugenommen hat, können aber keine Zahlen liefern. Das gleiche gilt für Sittard-Geleen. Hier kommen für den illegalen Drogenhandel drei Orte in Frage. Wie in Roermond geht es um Orte in der Nähe eines Coffeeshops.

Coffeeshops in denjenigen Regionen, in denen der sogenannte Hasch-Pass noch nicht eingeführt worden ist, verzeichnen einen Zustrom von Drogentouristen - auch aus dem eigenen Land. Viele Niederländer scheuen sich nämlich, sich für den „Wietpas” zu registrieren.

Gegner des neuen Gesetzes wittern nach dem jüngsten Scheitern der niederländischen Regierung ihre Chance. Der „Wietpas” solle vorübergehend „in den Kühlschrank” - so lange, bis sich eine neue Regierung mit klarem Kopf des Themas annehmen könne, fordern sie.

Es ist in den Niederlanden üblich, dass nach dem Fall einer Regierung bestimmte, umstrittene Gesetze erst einmal „eingefroren” werden. Das sei in diesem Fall aber nicht möglich, erklärte ein Sprecher des Justizministeriums: Beim „Wietpas” handele es sich nicht um ein neues Gesetz, sondern lediglich um einen Zusatz für das bereits bestehende Opium-Gesetz. Die neue Regierung könnte sich allerdings dafür entscheiden, den „Wietpas” abzuschaffen oder zu verändern.

Jeder, der in einem niederländischen Coffeeshop Cannabis kaufen möchte, muss seit dem 1. Mai einen Hasch-Pass besitzen. Beantragen können einen solchen Pass allerdings nur Menschen mit Wohnsitz in den Niederlanden. Auf diese Weise will die Regierung den Drogentourismus besonders in den Grenzregionen eindämmen. Der „Wietpas” gilt bislang nur in drei niederländischen Grenzregionen, unter anderem in Limburg.
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