Lieder, die das Kirchenvolk jetzt singt

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
Gebetsbuch Bistum Aachen
Ein Blick in das Probeexemplar des neuen Gotteslobes, das den Gemeinden im Vorfeld zur Verfügung stand. Foto: Bistum Aachen/Jürgen Damen

Aachen/Düren/Heinsberg. Am 1. Advent halten Kirchgänger im Bistum Aachen zum ersten Mal das neue Gotteslob in der Hand. Das Druckwerk, dem Vorarbeiten von mehr als zehn Jahren vorausgegangen waren, hat allerdings innerhalb der Kirche für viel Stress gesorgt.

Denn kaum war das Gotteslob Anfang September in den Handel gekommen, hagelte es jede Menge Kritik aus den Gemeinden. Das neue Kirchenbuch enthalte zu viele Lieder, zu wenige Lieder, zu viele alte, zu viele neue... Auch andere Fragen kamen auf: Ist ein Buch überhaupt noch zeitgemäß, warum gibt es die Lieder nicht auf CD?

Die Diskussion nahm kein Ende. Unermüdlich zogen die Liturgie-Verantwortlichen des Bistums seit Anfang September durch die Gemeinden und stellten das neue Gotteslob all denen vor, die nun damit arbeiten werden: Priestern, pastoralen Mitarbeiter, Organisten und Chorleitern. Und jedes Mal gelang Domorganist Michael Hoppe ein kleines Wunder: Indem er es schaffte, die aufmüpfige Stimmung zu drehen.

„Wenn wir schon ein neues Gotteslob haben, dann sollten wir nicht darüber reden, was alles darin fehlt“, sagte er und setzte sich ans Klavier. Mit leichter Hand intonierte er Teile des neuen Liedguts, und siehe da, es wurde zugehört, es wurde applaudiert, es wurde mitgesungen. Am Ende der Veranstaltungen waren dann meistens alle begeistert. Gleichwohl wird die Arbeit mit dem neuen Gotteslob eine pastorale Herausforderung darstellen. Vor allem in einem heterogen Bistum wie dem Aachener, wo viele unterschiedliche Stile in den Gemeinden existieren und unzählige eigene Liedsammlungen kursieren.

Bewusst habe man dem etwas entgegensetzen wollen, sagt Rolf-Peter Cremer, Leiter der Hauptabteilung Pastoral/Schule/Bildung. Deshalb sollten jetzt „keine Ideologiestreitigkeiten“ mehr geführt, sondern das Buch erstmal gebraucht werden. Auch Michael Hoppe rief die versammelten Gemeindevertreter jedes Mal dazu auf, „nicht die alten Eigenteile fortzuführen, sondern das Neue im Gotteslob zu entdecken: Wir sollten die Schätze darin heben“. Die Schätze, das sind vor allem die Lieder: 2900 Lieder wurden im Vorfeld gesichtet, 280 finden sich im Stammteil wieder, 136 ganz neue, und auch 20 Taizé-Lieder sind jetzt im offiziellen Gesangbuch. Es wurden auch Wünsche aus den Gemeinden erfüllt: zehn neue Lieder wie „Von guten Mächten“, „Wenn das Brot, das wir teilen“ oder „Wo Menschen sich vergessen“ wurden integriert. Bei manch älterem Lied wurde die Melodie der Kehrverse nur leicht Richtung Dur und Moll abgesenkt. „Das kann man spätestens nach dem zweiten Vers mitsingen“, versichert Michael Hoppe.

Es gibt Lieder mit zwei Melodien, weil sich dies so eingebürgert hat: zum Beispiel „Von guten Mächten“ und „Maria, breit den Mantel aus“. Es gibt Lieder, zu denen lediglich eine neue Melodie komponiert wurde: wie beim Tauflied „Segne dieses Kind (Nr. 490 neu), von dem Michael Hoppe überzeugt ist, dass es „ein Renner“ wird. Es gibt Lieder wie „Sei eine Note“ (Nr. 817 neu), die sich in Familienmessen längst durchgesetzt haben. Es gibt aber auch ganz neue Kompositionen geistlichen Liedguts wie „Komme, geheimnisvoller Atem“ (Nr. 817). Insgesamt eine „große Bandbreite von unterschiedlichen Stilen“, sagt Michael Hoppe. Allerdings wird man sich auch umgewöhnen müssen, vor allem was die neue Nummerierung der Lieder angeht: Wurde früher die Nr. 258 angezeigt, wusste man, jetzt kommt „Lobe den Herrn“.

Doch alle Lieder wurden neu durchnummeriert, und „Lobe den Herrn“ hat jetzt die Nummer 392. Das dürfte nicht nur Gemeindemitglieder verwirren. Auch die, die mit dem neuen Buch arbeiten müssen, befürchten „ein heilloses Durcheinander“. Wie gesagt: Es ist eine große Herausforderung. Doch das Bistum hat vorgesorgt – mit einer ganzen Reihe von Arbeitshilfen im Internet zum Herunterladen. Dieser Gratis-Service für alle Gemeinden beinhaltet zum Beispiel auch Liedvorschläge für alle Sonn- und Feiertage des nächsten Jahres. Das ist Kirche: Niemand wird allein gelassen.

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