Licht und Wärme für die Droge: Cannabis-Plantagen stehlen Strom

Von: Leon Scherfig, dpa
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Cannabis-Pflanze
Cannabis schadet nicht nur der Gesundheit seiner Konsumenten. Professionell betriebene Hanf-Plantagen reißen auch Löcher in die Bücher der Energieunternehmen, die zwar große Mengen Strom für den Drogenanbau liefern, diesen aber nicht abrechnen können.

Düsseldorf. Cannabis schadet nicht nur der Gesundheit seiner Konsumenten. Professionell betriebene Hanf-Plantagen reißen auch Löcher in die Bücher der Energieunternehmen, die zwar große Mengen Strom für den Drogenanbau liefern, diesen aber nicht abrechnen können.

„Der Strom wird im Regelfall illegal abgezapft”, sagt der Sprecher des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes, Frank Scheulen. Die stromfressenden Wärmelampen auf den Plantagen sorgen bei den Energielieferanten für einen großen wirtschaftlichen Schaden.

Spektakulär zeigt das ein aktueller Fall in Düsseldorf. In einem früheren Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckte die Polizei im März eine Cannabis-Plantage in Rekordgröße. Fünf Monate lang war dort Strom gestohlen worden - insgesamt mehrere hunderttausend Kilowattstunden. In der fünften und sechsten Etage des Bunkers wurden fast 3200 Cannabispflanzen und eine hochprofessionelle Zuchtanlage entdeckt. 166 Wärmelampen mit 600 Watt, ein halbes Dutzend Halogen-Röhren, ein ausgetüfteltes Bewässerungs- und Belüftungssystem sowie zahlreiche Kanister mit Wachstumsbeschleuniger förderten die Beamten damals zu Tage.

„In diesem Ausmaß ist ein Stromdiebstahl noch nicht in der Geschichte unseres Unternehmens vorgekommen”, sagt Michael Pützhofen von den Stadtwerken in Düsseldorf. Er stellt eine Rechnung auf, bei der unterm Strich eine große rote Zahl steht: „Die benutzten Lampen haben eine Tagesleistung von 1700 Kilowattstunden, für den Zeitraum der Aufzucht entspräche das 216 000 Kilowattstunden.” Auf der Stromrechnung bedeutet das einen nicht bezahlten Betrag von: 47 000 Euro - allein für den Verbrauch der Wärmelampen.

„Problematisch ist, dass es keinerlei Hinweise auf den Diebstahl gegeben hat”, sagt Pützhofen. In einem Familienhaus etwa wären Nachbarn vielleicht verdächtige Stromkabel aufgefallen. „Wir werden natürlich versuchen, zivilrechtliche Forderungen geltend zu machen.” Offen bleibt vorerst, gegen wen. Die Drahtzieher der Plantage sind unbekannt. Ende August verurteilte das Landgericht Düsseldorf lediglich drei vietnamesische Erntehelfer zu Bewährungsstrafen. Sie hatten sich in dem Bunker unter sklavenähnlichen Bedingungen um die Pflanzen gekümmert. Den Bunker hatten sie dabei monatelang nicht verlassen dürfen.

Sogenannte Indoor-Plantagen sind ein Problem, mit dem Polizei und Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen immer häufiger zu kämpfen haben. „Nahezu explodiert ist die Zahl im Vergleich zum Jahr 2002: Damals entdeckten wir in NRW noch insgesamt sechs solcher Plantagen, im Jahr 2011 waren es 100 Plantagen”, berichtet Scheulen. NRW biete sich für Cannabis-Bauern an, weil es viele Industriebrachen und verlassene Gehöfte gebe. Erst Ende August spürte die Polizei in einer alten Lagerhalle in Emsdetten eine riesige Plantage mit 1800 Pflanzen auf.

Bundesweit sind 2010 nach Angaben des Bundeskriminalamts 348 energieintensive Indoor-Plantagen entdeckt worden, ein Anstieg von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Indoor-Plantagen wurden in Baden-Württemberg und Niedersachsen aufgedeckt. Während der Fokus in den Vorjahren auf Nordrhein-Westfalen lag, verzeichneten im Jahr 2010 gleich mehrere Bundesländer eine höhere Fallzahl, allen voran Niedersachsen.

Anfang des Monats hob die Kriminalpolizei eine Plantage im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid aus: 500 Cannabispflanzen mit einem Schwarzmarktwert von geschätzten 125 000 Euro sicherten die Beamten im Keller eines Firmengebäudes. Auf die Spur brachte sie: ein auffällig hoher Stromverbrauch.
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