Lianne Zwanenberg: Die freundliche Staatsfeindin

Von: Marlon Gego
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Der Aachener Prozess gegen die vermeintliche Bankräuberin und Linksextremistin Lianne Zwanenberg ist fast zu Ende. Foto: Roeger

Aachen. Vor Gericht wird eigentlich nur Gutes über Lianne Zwanenberg gesagt, selbst die Beamten, die in dem Gefängnis arbeiten, in der Zwanenberg untergebracht ist, können kaum Schlechtes über sie berichten.

Neugierig sei sie, kontaktfreudig, quirlig, intelligent, aufgeschlossen und gesellig. Im Gefängnis hilft die 29 Jahre alte Niederländerin anderen Ausländerinnen beim Formulieren von Anträgen, Zwanenbergs Deutsch ist ausgezeichnet. Sie spricht auch Spanisch, Englisch, Französisch und Niederländisch, und damit sie den verurteilten Diebinnen im Gefängnis besser helfen kann, hat sie angefangen, Romanes zu lernen, eine Sprache der Roma.

Es ist also nur Gutes über Zwanenberg zu hören, abgesehen davon natürlich, dass die Aachener Staatsanwaltschaft ihr vorwirft, am 8. Juli 2013 mit zwei bislang unbekannten Mittätern eine Filiale der Aachener Bank überfallen und dabei 42.235 Euro erbeutet zu haben.

Der Prozess hat bislang wenig neue Erkenntnisse gebracht, und wenn man sich ein bisschen aus dem Fenster lehnen wollte, könnte man sagen: Es ist schon ziemlich wahrscheinlich, dass Zwanenberg die Anführerin der Bande gewesen ist, die damals die Bank überfallen hat, viele Indizien sprechen dafür. Ob die Summe der Indizien aber ausreicht, um Zwanenberg deswegen zu verurteilen, ist eine ganz andere Frage, die der Vorsitzende Richter Matthias Quarch am Montag, spätestens aber am Donnerstag mit der Urteilsverkündung beantworten wird.

Diese Woche sagte ein Gutachter vom Landeskriminalamt (LKA) aus, dass die DNA-Probe, die an einer der beiden während des Überfalls benutzten Waffen gefunden wurde, eindeutig von Lianne Zwanenberg stammt. Weniger eindeutig ist hingegen, wann genau Zwanenberg die Waffe in der Hand hatte: tatsächlich während des Überfalls? Oder vielleicht schon Wochen davor? Hat eine andere Frau die Waffe mit Zwanenbergs DNA daran während des Überfalls benutzt? Unwahrscheinlich, aber eben nicht ausgeschlossen.

Die Sachverständige Ursula Wittwer-Backofen von der Uni Freiburg erklärte dem Gericht am Donnerstag, dass es schwierig sei, Zwanenberg anhand der Videoaufnahmen, die während des Überfalls entstanden waren, eindeutig als Täterin zu identifizieren. Zum einen, weil die Videoqualität nicht besonders sei, zum anderen, weil eigentlich nur der untere und mittlere Bereich von Zwanenbergs Gesicht mit den vom LKA erstellten Vergleichsfotos auswertbar sei. Während des Überfalls hatte die Täterin eine Perücke und eine Brille getragen, die obere Gesichtshälfte war verdeckt.

Wittwer-Backofen konnte Oberlippe, Unterlippe, Kinn, Unterkieferwinkel und den unteren Teil der Nase auswerten, auch die Körpergröße. Den Auswertungen zufolge kommt Zwanenberg als Täterin in Frage. Dass sie die Täterin ist, lässt sich aus den Untersuchungen jedoch nicht schließen.

In einem Beitrag für ein linksextremes Magazin hat Zwanenberg vergangenen November einen Artikel aus dem Gefängnis heraus verfasst, in dem sie aus ihrer Gesinnung keinen Hehl macht. Sie schreibt unter anderem, dass sie Organe und Bedienstete des deutschen Staates „als meine Feinde begreife“. Am Ende dann heißt es: „Die Bankenenteignung ist nur ein Mittel in einem breiten Feld, das uns zur Verfügung steht, um uns zurück zu nehmen, was uns auf einer täglichen Basis gestohlen wird.“ Mit „Bankenenteignung“ ist „Bankraub“ gemeint.

Wer mag, kann diese Passage als eine Art Geständnis lesen. Doch da Zwanenberg sich vor Gericht nicht äußern mag, bleibt auch dieser Artikel am Ende nicht mehr als eines von vielen Indizien.

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