Letzter Weihnachtsmarkt in den Grotten von Valkenburg?

Letzter Weihnachtsmarkt in den Grotten von Valkenburg?

Von: Ulrich Simons
Letzte Aktualisierung:
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Der Weihnachtsmarkt in der Valkenburger Gemeindegrotte im Cauberg ist nach Veranstalterangaben der größte und älteste unterirdische Weihnachtsmarkt in Europa. Zu Spitzenzeiten schieben sich mehr als 1000 Besucher durch die engen Gänge.. Foto: Gemeinde Valkenburg.

Valkenburg. Der Weihnachtsmarkt in der Gemeindegrotte von Valkenburg ist ein Publikumsmagnet. Fast 200.000 Besucher lassen sich jedes Jahr von der stimmungsvollen Atmosphäre unter dem Cauberg einfangen und schlendern stundenlang durch die kilometerlange unterirdische Wunderwelt.

Am Samstag geht das festliche Treiben für dieses Jahr zu Ende. Und wenn es nach den Sicherheitsexperten Ira Helsloot und Fred Vos geht, war der 32. Markt auch der letzte. Beide fordern: „Sofort schließen! Dieser Weihnachtsmarkt ist lebensgefährlich!“

Enge, lange, niedrige Gänge

„Wenn dort ein Feuer ausbricht, wird es viele Tote geben”, sagt Prof. Ira Helsloot. „Die Grotten sind sehr eng und niedrig. Durch den Rauch, der bei einem Brand entsteht, werden zahllose Menschen schnell bewusstlos, weil sie durch die langen Gänge nicht rechtzeitig nach draußen kommen.“ Und der ehemalige Feuerwehrmann Fred Vos ergänzt: „Das ist genau das Szenario, um eine große Anzahl von Menschen in Gefahr zu bringen.“

Jan Schrijen (65), seit 1. März Bürgermeister von Valkenburg, sieht die Lage nicht so dramatisch. Die Tageszeitung „De Limburger“ zitiert ihn mit den Worten: „Meiner Ansicht nach sind die Besucher in den Grotten sicher.“ Allerdings könne man niemandem und nirgendwo 100-prozentige Sicherheit bieten.

In der vergangenen Woche hatten die Brandschutzexperten Helsloot und Vos die Genehmigungen der Gemeinde Valkenburg für den nach Veranstalterangaben „größten, ältesten und meistbesuchten unterirdischen Weihnachtsmarkt in Europa“ unter die Lupe genommen und festgestellt, dass mehrfach über Empfehlungen der Feuerwehr hinweggegangen worden war.

So empfiehlt die Feuerwehr, höchstens 866 Menschen gleichzeitig in die Grotten zu lassen. Die Gemeinde sieht die kritische Grenze bei 1035 Personen. Prof. Helsloot: „Selbst, wenn man nur 200 Menschen in die Grotte lässt, entsteht bereits eine unsichere Situation.“ Dies auch, weil die Notausgänge nach Ansicht der Feuerwehr viel zu eng bemessen sind. Die Vorgabe der Feuerwehr für die Evakuierung der Grotte im Brandfall liegt bei dreieinhalb Minuten – ein Wert, der nach Ansicht der Experten nicht annähernd erreicht werden kann.

Für den Brandexperten und ehemaligen Feuerwehrkommandanten Fred Vos ist ein gefährlicheres Szenario kaum vorstellbar: „Ich kenne alle Brandkatastrophen der zurückliegenden 40 Jahre. Es gibt keine, bei der die Ausgangslage ähnlich brisant gewesen wäre.” Nicht einmal in Enschede habe vor dem Inferno ein derart hohes Brandrisiko bestanden. Dort waren im Mai 2000 bei der Explosion einer Feuerwerksfabrik 23 Menschen ums Leben gekommen. 947 wurden verletzt und ein ganzes Stadtviertel verwüstet.

Dass es in den vergangenen 32 Jahren in Valkenburg nicht zur Katastrophe gekommen ist, ist nach Ansicht von Vos einfach nur Glück. „Es ist eine Mausefalle“, wird der Ex-Feuerwehrkommandant im „De Limburger“ zitiert.

Beim Aufbau des Weihnachtsmarktes 2008 war durch einen Kurzschluss in einer Lichterkette ein Feuer entstanden. Die halbe Grotte war anschließend verrraucht. Beim Weihnachtsmarkt mit Publikumsverkehr sorgen hunderte Meter dieser Lichterketten für stimmungsvolle Beleuchtung. Menschenmassen schieben sich durch die Grotten, unter ihnen Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollatoren und Familien mit Kinderwagen. Wenn hier eine Panik ausbricht ...

Die Gemeinde Valkenburg hält aufgrund der jahrelangen Erfahrung und der Zusammenarbeit mit der Feuerwehr die Sicherheit in den Grotten für ausreichend. Ständig werde zudem versucht, die Sicherheitsstandards zu erhöhen, zum Beispiel durch Sicherheitspersonal, Brandwachen und Feuerlöscher an jedem Stand.

Sicher seien auch in den kommenden Jahren weitere Verbesserungen möglich, allerdings müsse man dabei mit Augenmaß vorgehen, um den einzigartigen Charakter des Weihnachtsmarktes zu bewahren.

Die Gemeinde lässt die Vorwürfe nun prüfen, die Ergebnisse sollen im Februar 2018 vorliegen.

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