Letzter Arbeitstag für Verwaltungsgericht-Chef Limpens

Von: Wolfgang Schumacher
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Seit 1991 Präsident des Aachener Verwaltungsgerichtes: Herbert Limpens erzählt gerne Juristengeschichten mit Witz. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wenn die Staatsmacht ärgerliche Dummheiten macht mit ihren Bürgern, oder etwa Beschäftigte im Öffentlichen Dienst ihre vorgesetzte Behörde auf den Mond wünschen, weil sich die Staatsdiener ungerecht behandelt fühlen, dann können sich Rechtsuchende an die Verwaltungsgerichte der Republik wenden.

Das Verwaltungsgericht mit Sitz im Aachener Justizzentrum wird ab Freitagmittag (Achtung, es ist Freitag, der 13.!) um einen juristisch klugen und menschlich hoch geschätzten Kopf ärmer sein.

Dann verabschiedet sich mit 64 Jahren der langjährige Präsident Herbert Limpens ein paar Monate vor seinem ultimativen Pensionsdatum im kommenden Sommer aus seinem Amt. Limpens ist Jahrgang 1949, was man dem heute wie bereits vor vielen Jahren wohltuend quirligen Juristen beileibe nicht ansieht. Bereits 1991 wurde der Stolberger Sohn aus einer ganz normalen Familie, die nichts mit der Juristerei zu tun hatte, Präsident des Gerichtes. Da war er gerade mal knapp über 40.

Zuständig für den Luftverkehr

Heute ist das Aachener Verwaltungsgericht mit seiner Zuständigkeit zwischen Selfkant bis hinunter nach Euskirchen in neun Kammern organisiert, die mit drei Berufsrichtern und jeweils zwei ehrenamtlichen Richtern besetzt sind. Auf den Sachverstand der letzteren, das hebt Limpens regelmäßig gerne hervor, könne man immer sehr verlässlich bauen.

Wenn der freundliche Stolberger, der seit Jahren mit Frau und Hund Farah im schönen Rott bei Roetgen wohnt, über die trockene Gesetzesmaterie berichtet, fallen des Öfteren Anekdoten ab. Als Vorsitzender der 9. Kammer habe er eines Tages die Hoheit über den nach seiner Meinung in der Region wenig spektakulären Sonderthemenbereich „Luftverkehr“ an sich gezogen, Aachen sei schließlich nicht Frankfurt, schmunzelt Limpens noch im Nachhinein. Denn neben geläufigen Gebieten wie Beamtenrecht, Besoldungsfragen oder abgewiesene Asylverfahren sei ihm diese Sonderzuständigkeit völlig nebensächlich und unspektakulär erschienen.

Weit gefehlt. Der kluge Jurist hatte beispielsweise die seit Jahren schwelenden Streitigkeiten rund um die Nato-Airbase Geilenkirchen-Teveren nicht bedacht. Windanlagen-Rotoren sollen dort das Radarbild verzerren, auf der anderen Seite stört der Lärm der Jets die Bürger und das alles kommt auf den Tisch der Verwaltungsrichter.

Doch die Nato mache kaum mehr Arbeit als die unzähligen Probleme und Problemchen mit den zahlreichen in der Region beheimateten Modellflughäfen: „Sie haben ähnliche Streitigkeiten wie die Großen“, schmunzelt Limpens, es gehe um Flugzeiten, Lärm, Einflugschneisen oder den Flugradius, auch die kleinen Flieger also mit großen Problemen.

Doch die skurrilen Fälle sind die Würze im Juristenalltag. So war jüngst zu entscheiden, ob heutzutage ein Polizist mit zahlreichen Tattoos verbeamtet wird oder nicht – der Kläger bekam in Aachen Recht. Oder der schöne Fall, bei dem ein Professor aus Aachen gegen die ausschließlich französischsprachige Autobahnbeschilderung „Liege“ (Lüttich) klagte. Der bekam nicht Recht.

Zum Gerichtsalltag schuf sich Limpens seit 1994 einen intellektuellen Ausgleich als Lehrbeauftragter im Bereich Geo-Wissenschaften an der Hochschule. Hier paukte er öffentliches Recht in die Köpfe der eher technisch ausgerichteten Studenten, so gut, dass er seit 2004 dort Honorarprofessor ist und dies im Ruhestand weiterführen will. Außerdem wird sich Limpens einer Anwaltskanzlei anschließen. Dabei beeilt er sich zu versichern: „Natürlich werde ich keine Fälle am hiesigen Verwaltungsgericht vertreten.“

Friedlich unter einem Dach

Der Umzug des Gerichts 2007 heraus aus der feudalen Behausung des alten Aachener Polizeipräsidiums in das neue Justizzentrum habe das Gericht nie bereut. „Es ist schon einmalig, dass wir hier alle unter einem Dach sind und uns verstehen“, meint Limpens beinahe selber erstaunt, denn Juristen verdienen schließlich ihr Geld überwiegend mit Streitfällen.

So passen die freundlichen Worte des Kollegen Präsidenten am Landgericht, Stefan Weismann, genau ins Bild: „Am positiven Zusammenleben in der WG Justizzentrum hat der Kollege Limpens mit seiner verbindlichen Art großen Anteil“, lobte Weismann und sprach sein Bedauern darüber aus, dass die Aachener Gerichtsbarkeit nun „eine menschlich herausragende Persönlichkeit“ verliert.

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