Aachen - Leichtsinn der rechtsextremen Dealer brachte Polizei auf ihre Spur

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Leichtsinn der rechtsextremen Dealer brachte Polizei auf ihre Spur

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:
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Abgeführt: Bei der Großrazzia in Aachen Ende Mai 2017 wurden mehrere Männer festgenommen. Sie sollen schwunghaft Handel mit Drogen im „Darknet“ getrieben haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Den Rechtsextremisten, die aus Aachen-Brand einen Drogenhandel über einen anonymen Teil des Internets betrieben haben sollen, wurden Leichtsinn und die Macht der Gewohnheit zum Verhängnis. Ermittler kamen ihnen auch deswegen auf die Schliche, weil sie in einem Discounter ungewöhnlich viele Einweghandschuhe kauften, in die sie die „Ware“ für den Postversand zusätzlich einpackten.

Zudem kaufte wohl einer der Männer sporadisch Guthabenkarten eines Versandhandels – die er dann unter seinem Klarnamen einlöste.

Im Prozess gegen fünf Rechtsextremisten, denen Drogenhandel vorgeworfen wird, wurde am Mittwoch vor dem Landgericht Aachen der Leiter der Ermittlungen beim Bundeskriminalamt (BKA) als Zeuge gehört. Auch wenn das BKA eine Vielzahl an Hinweisen zusammengetragen hat, am Ende wurden auch die Einweghandschuhe und der Lapsus mit den Guthabenkarten zwei Brüdern zum Verhängnis, erläuterte der 26 Jahre alte Kriminalkommissar.

So hätten die mutmaßlichen Dealer häufig zwei Discounter in der Nähe ihrer Wohnung aufgesucht und dort regelmäßig für den Privatgebrauch viel zu große Mengen solcher Handschuhe gekauft. Diese wurden bar bezahlt, so der Ermittler, der Angeklagte Karl M. (30) kaufte aber auch Guthabenkarten, die er auf seinen Namen dann bei einem Online-Versandhändler gegen Versandmaterial einlöste.

Auslöser für die Ermittlungen war das Ausheben einer Verkaufsplattform im anonymisierten Dark­net durch FBI und Europol. Von dort übermittelte Datensätze wiesen auf einen „German Shop“ hin, der von November 2013 bis November 2014 betrieben wurde, so der Beamte. Dieser Shop wurde ausgehoben, jedoch gab es weitere „German Shops“ im Dark­net, die nahezu identisch mit dem offline gegangenen Shop waren.

Die Ermittler tätigten Testbestellungen beim „German Shop“. Der Versand fand unter falschen Absenderangaben statt, etwa von einem „Game Shop“ in Düsseldorf oder einem „Gartenshop Jülich“. Hinweise an die Kunden, dass die Betreiber in der Karnevalszeit pausierten, wiesen zudem auf Betreiber im Rheinland hin. Bei einem Testkauf durch das BKA waren die Drogen in Einweghandschuhen verpackt und wurden per Einschreiben verschickt. Die Einschreibemarken wurden über ein unter falschen Personalien angelegtes Konto bei der Post gekauft, gezahlt wurde über ein ebensolches Konto bei einem legalen Internetdienstleister. Zahlungen der Besteller erfolgten jedoch über die virtuelle Währung Bitcoins.

Die Briefsendungen seien allerdings anhand des Poststempels oder der Codierung im Briefzentrum zurückverfolgbar gewesen, sagt der Beamte. Die Sendung eines Testkaufs kam aus Aachen. Mitte 2016 wurden im Briefzentrum Aachen dann gezielt mehrere hundert Sendungen beschlagnahmt, in denen die Ermittler Waren des „German Shop“ vermuteten. Anhand der so gefundenen Drogen, der Versandart und der Einschreibemarken war das BKA sicher, auf der richtigen Spur zu sein, so der Beamte. Nun war auch die Staatsanwaltschaft Aachen involviert.

Das BKA ermittelte Discounter in Aachen-Brand mit einem ungewöhnlich hohen Umsatz an Einweghandschuhen. Anhand der Käufe war erkennbar, dass diese auffallend oft kurz vor oder genau an den Versandtagen des „German Shops“ getätigt worden waren und dass manchmal zudem Guthabenkarten gekauft wurden. Auf diese Weise wurde Karl M. ermittelt, in Wiesbaden erfuhr man, dass er und sein Bruder Timm (34) zuvor schon wegen politisch rechtsmotivierter Straftaten aufgefallen waren. Eine Hausdurchsuchung brachte überraschend Utensilien für eine Drogenküche zutage.

Die Angebote im „German Shop“ seien mit Panzerbildern geschmückt gewesen, es habe ein militärischer Duktus vorgeherrscht, beworben worden seien Drogen auch als „Panzerspeed“, berichtete der Beamte: „Wir brachten das mit der rechten Ideologie der Brüder in Verbindung.“ Nach all diesen Erkenntnissen erfolgten sodann Observierungs- und Überwachungsmaßnahmen, wozu der BKA-Mann – dessen Vernehmung an Aschermittwoch fortgesetzt werden soll – bislang wenig sagen konnte.

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