Leiche im Koffer: Fesselspiele vor der Tat

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Foto: Ralf Roeger

Aachen. Im Prozess um die Tötung der Ehefrau ging es am Donnerstag vor dem Aachener Schwurgericht unter anderem um das Eheleben des Aachener Paares - und dessen sexuelle Vorlieben. Werner K. (54) hatte seine Frau nach einem heftigen Streit am 25. August in ihrer Aachener Wohnung erwürgt. Anschließend hatte er die Leiche in einen Rollkoffer gepackt und diesen in Maastricht in der Maas versenkt.

Das Gericht nahm dabei Bezug auf die erste Vernehmung des Angeklagten. Dieser hatte nach seiner Festnahme am 1. September 2015 erwähnt, dass das Paar am Tattag nach dem Frühstück noch Sex gehabt hatte. Dabei interessierten das Gericht vor allem zwei Dinge: Warum K. dies bei der Polizei und vor der Haftrichterin so deutlich hervorgehoben habe, und ob das Paar sexuelle Vorlieben habe.

Dieser Hintergrund hat durchaus Tatbezug: Ein Seil, mit dem der Leichenkoffer zugeschnürt wurde, war laut Aussage des Angeklagten ein Sex-Utensil des Paares. Am Tatmorgen hätten er und seine Frau das noch benutzt, erklärte Werner K.

Die Sexpraktiken seien über Jahre „einvernehmlich“ gewesen, sagte der Angeklagte am Donnerstag bei seiner Schilderung. Im Spind am Arbeitsplatz des Hausmeisters hatte man noch mehr „Spielzeug“ für den Sex gefunden – Handschellen, eine Gesichtsmaske und Latexkleidung.

Das Gericht forscht in diese Richtung so intensiv, weil das Verletzungsbild des Opfers „nicht eindeutig mit Ihren Angaben in Einklang zu bringen ist“. Das sagte der Vorsitzende Richter Arno Bormann am Donnerstag an die Adresse des Angeklagten. Bormann bezog sich dabei auf die Feststellungen der niederländischen Rechtsmedizinerin, die am Mittwoch klar ausgesagt hatte, dass alle Verletzungen – die drei Rippenbrüche sowie die Blutergüsse an den Oberschenkeln – dem Opfer „vor dem Todeseintritt“ zugefügt wurden.

„Wie erklären Sie sich das?“, fragte Bormann den Angeklagten. Der wiederholte seine Schilderung: wie er nach der durch heftigen Streit ausgelösten Rangelei „auf seine auf dem Rücken liegende Frau gefallen“ sei. Die habe dann begonnen, ihn zu schlagen, er schlug zwar zurück, jedoch mit der flachen Hand und nicht mit der Faust. Er habe sie angefleht, doch aufzuhören „und das alles in Ruhe zu besprechen“. Doch sie hörte nicht auf, da hielt er ihr zunächst den Mund zu und würgte sie, bis sie nicht mehr „strampelte“. So hatte sich K. bereit bei der Polizei eingelassen. Woher also die Rippenbrüche stammen, bleibt nach wie vor offen.

Eine langjährige Freundin des Opfers beschrieb, wie sich Elke K. in den letzten Jahren verändert habe, so sehr, dass sie als gute Freundin ihr das deutlich ins Gesicht habe sagen müssen. Elke K. habe daraufhin sofort die Beziehung zu ihr abgebrochen. „Sie beklagte sich über ihre Arbeit, über die Schwiegereltern, über ihren Mann“, eigentlich über alles und das wiederholt. Der Prozess wird am 9. März fortgesetzt.

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