Leiche an A44: Angeklagter verschwunden

Von: Marlon Gego
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Die A44 am 15. Mai 2014: In diesem Gebüsch nach der Abafhrt Aachen-Brand fanden Straßenarbeiter die Leiche von Enid A. Die genauen Umstände ihres Todes sind bis heute nicht klar, der Prozess gegen einen Verdächtigen ist gerade geplatzt. Foto: Archiv/Ralf Roeger

Aachen. Der Tod von Enid A. hat seit seiner Entdeckung viele Rätsel aufgegeben. Erst konnten die Ermittler die Identität der Toten nicht klären, die am 15. Mai 2014 auf der Autobahn 44 in der Nähe der Ausfahrt Aachen-Brand in einem Gebüsch gefunden wurde.

Dann konnte die Todesursache nicht festgestellt werden, weil die Leiche stark verwest war. Als Ende Juli per Zufall ein Verdächtiger ermittelt werden konnte, sah es so aus, als hätte die Aachener Staatsanwaltschaft den Mörder gefunden. Doch jetzt ist der Prozess gegen den Mann geplatzt, der Enid A. vor ihrem Tod getötet oder zumindest schwer verletzt haben soll.

Schläge mit dem Wasserkocher

Enid A. war 30, als sie Ende April 2014 starb, vor ihrem Tod hielt sie sich oft im Aachener Kaiserplatz-Milieu auf. Am Abend des 24. April 2014 verkaufte sie einem damals 34 Jahre alten Mann aus Aachen Kokain. Beide gingen in den Keller eines leerstehenden Hauses in der Aachener Innenstadt und konsumierten dort einen Teil des Kokains.

Aus nicht geklärter Ursache kam es in dem Keller zu einem Streit, in dessen Verlauf der 34-Jährige mit einem Wasserkocher auf Brust und Hals von Enid A. einschlug. Danach ließ er Enid A. in diesem Keller liegen und ging davon. Als er einige Tage später wiederkam, fand er Enid A. tot im Keller. Anschließend legte er ihre Leiche in einem Gebüsch auf der A44 ab. So jedenfalls hatte es die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Da die Todesursache nicht mehr zweifelsfrei festzustellen war, erhoben die Ermittler keine Anklage wegen Mordes, sondern nur wegen versuchten Mordes. Der 34-Jährige habe billigend in Kauf genommen, dass Enid A. an den Verletzungen, die er ihr mit dem Wasserkocher zugefügt hatte, sterben würde, als er sie im Keller liegen ließ, unterstellten die Staatsanwälte.

Doch die für Kapitaldelikte zuständige Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht ließ die Anklage wegen versuchten Mordes nicht zu. Der Hauptgrund war die nicht festgestellte Todesursache. Immerhin war es auch möglich, dass Enid A. an einer Überdosis Kokain gestorben war, an Unterkühlung, einer Krankheit oder an etwas anderem. In Betracht komme allenfalls eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung, erklärten die Richter, der Haftbefehl gegen den heute 35-Jährigen wurde aufgehoben.

Also änderte die Staatsanwaltschaft die Anklage, nun wurde dem Aachener nur noch gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Weil dies im Gegensatz zu versuchtem Mord kein Kapitaldelikt ist, wurde keine neuer Haftbefehl gegen den 35-Jährigen erlassen. Fluchtgefahr bestand nach Auffassung der Ermittler nicht, obwohl er laut Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Diebstahls, Betruges und Körperverletzung vorbestraft war. Er blieb auf freiem Fuß.

Der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung sollte am Donnerstag vor dem nun zuständigen Aachener Amtsgericht beginnen, doch dazu kam es nicht: Die Ladung zum Prozess konnte von der Post nicht zugestellt werden, der 35-Jährige ist verschwunden.

Und jetzt?

Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel erklärte am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Aachener Staatsanwaltschaft vom Verschwinden des Angeklagten überrascht sei. Im Moment werde versucht, seinen Aufenthaltsort festzustellen. Zugleich wolle man prüfen, ob gegen den Mann nicht doch wieder ein Haftbefehl erlassen werden müsse, sagte Muckel.

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