Lehrer wünschen sich mehr Kollegen

Von: Madeleine Gullert
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Jeder dritte Lehrer beklagt laut einer Umfrage den Lehrermangel in NRW. Foto: dpa

Aachen. Der Lehrerverband VBE NRW bemängelt, dass Anforderungen an Lehrer und die Ausstattung an Schulen in „keinem gesunden Verhältnis“ zueinander stehen. In einer vom Verband Bildung und Erziehung in Auftrag gegebenen repräsentativen Forsa-Umfrage hatten 41 Prozent der Lehrer angegeben, dass die Umsetzung von Integration und Inklusion das größte Problem an ihrer Schule sei.

Jeder dritte der 500 Befragten beklagte den Lehrermangel. Dabei hatte das Land zuletzt Stellen geschaffen. Laut Schulministerium wurden 2015 und 2016 rund 5800 Lehrer eingestellt. Hintergrund waren steigende Schülerzahlen aufgrund der Flüchtlingswelle. Die neu eingestellten Lehrer kommen allen Kindern zugute.

Lehrer sehen außerdem als Problem: zu große Klassen (12 Prozent), zu alte Gebäude (17), zu viel Arbeit (12). „In maroden Schulbauten, mit schlechter Ausstattung und zu wenig Personal soll jedes Kind optimal gefördert werden. Die Politik muss einsehen, dass das nicht funktionieren kann“, kommentierte der VBE-Vorsitzende in NRW, Udo Beckmann, die am Montag veröffentlichte Umfrage. Die Politik müsse jetzt ihre Hausaufgaben machen.

Das sieht das NRW-Schulministerium ganz anders. „Die Landesregierung investiert so viel wie noch nie in den Schulbereich“, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Der Schuletat steigt demnach 2017 auf fast 17,9 Milliarden Euro, im Vergleich zu 2010 ist das ein Zuwachs von fast vier Milliarden. Darin seien 5000 Stellen für die Inklusion und mehr als 7000 Stellen für die Integration enthalten. NRW bilde auf hohem Niveau aus und habe die Fortbildung deutlich ausgeweitet. Jährlich würden 9000 Referendare eingestellt. „Allein diese Beispiele belegen den hohen Stellenwert der schulischen Bildung in NRW.“

Doch nicht nur die äußeren Gegebenheiten bereiten Lehrern Sorgen, sondern auch das Verhalten der Schüler. Mangelnde Disziplin (14 Prozent) und Verhaltensauffälligkeiten (10) beklagen sie.

Besonders kritisch sieht der VBE, dass 15 Prozent der Lehrer die Eltern als größtes Problem benennen. „Dies führen wir vor allem auf eine fatale Entwicklung zurück: Politik formuliert hohe Anforderungen an die Schulen, lässt sie aber bei der notwendigen Ausstattung im Regen stehen“, sagte Beckmann. Der Frust schlage sich in einer höheren Gewaltbereitschaft nieder. Eine weitere Umfrage hatte ergeben, dass 47 Prozent der befragten Lehrer psychische Gewalt, immerhin acht Prozent körperliche Gewalt von Eltern erlebt haben. Die Landesregierung hatte vor wenigen Wochen bereits angekündigt, dass Straftaten gegen Lehrer deutlich schärfer bestraft werden sollen.

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