Lehrer ärgern sich übers Bistum Aachen

Von: Marlon Gego
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Aachen/Geilenkirchen. Dass es wegen der Besetzung der neuen Direktorenstellen einen solchen Ärger geben würde, kann das Bistum Aachen nicht geahnt haben, sonst wären die drei Verfahren möglicherweise etwas anders abgelaufen.

 Nach dem Kollegium des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula in Geilenkirchen ist nun auch das Kollegium der Bischöflichen Marienschule in Mönchengladbach dabei, dem Bistum per Brief gehörig die Meinung zu sagen. Die Rede ist von „Enttäuschung“, „mangelnder Wertschätzung“ und „tiefem Befremden“.

Mit Ablauf des Schuljahres gehen die Leiter dreier Schulen in Ruhestand, deren Träger das Bistum Aachen ist: Matthias Küsters (Geilenkirchen), Wilhelm Oberdörster (Mönchengladbach) und Manfred Meier (Liebfrauenschule Eschweiler). Bereits vergangenen Herbst begann das Bistum mit der Suche nach Nachfolgern. Die Abteilung Erziehung und Schule im Generalvikariat des Bistums bat die Kollegien aller drei Schulen vergangenen Herbst darum, ein Profil für potenzielle neue Schulleiter zu erstellen, die Lehrerkollegien sollten zusammenfassen, was sie von ihrem neuen Direktor erwarten. Die Gymnasien in Geilenkirchen und Mönchengladbach widmeten sich dieser Aufgabe mit großem Ernst.

Ergebnis: Kurz nach Übersendung des jeweiligen Bewerberprofils wurden an beiden Schulen jeweils drei mögliche Kandidaten vorgestellt. Die beiden internen Kandidaten überzeugten die Kollegien jeweils am meisten. Wiederum kurz darauf ernannte das Bistum zwei Kandidaten zu neuen Schulleitern, für die sich die Kollegien jeweils nicht entschieden hatten: Angela Göbel für die Stelle in Mönchengladbach, Jürgen Pallaske für die Stelle in Geilenkirchen. Pallaske kommt vom Gymnasium Haus Overbach in Jülich, beide Kandidaten besitzen keinerlei Erfahrung an Schulen in Trägerschaft des Bistums. In Eschweiler ist das Besetzungsverfahren noch nicht abgeschlossen.

Die Lehrer des Geilenkirchener Gymnasiums wurden von der Entscheidung derart, tja, überrascht, dass sie einen Brief ans Bistum schickten. In dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es unter anderem, dass das Kollegium sich „im Nachhinein die Frage stellt, warum zahlreiche Bewerber in ein aussichtsloses Verfahren geschickt wurden“. Der Eindruck der Lehrer ist, dass die beiden nun ausgewählten Kandidaten von vornherein festgestanden haben, zumal es in dem Schreiben heißt: „Im Dezember teilte“ Bernadette Eberhardt von der Bildungsakademie NRW, die das Besetzungsverfahren im Auftrag des Bistums durchführte, „einem interessierten Bewerber aus unserem Haus mit, dass interne Bewerbungen nicht erwünscht“ seien – obwohl das Bistum noch im Herbst „ein offenes Verfahren“ zugesagt hatte.

„Wir können nicht erkennen“, heißt es weiter, dass das vom Bistum gewünschte Bewerberprofil „bei Ihrer Entscheidung Berücksichtigung fand, zumal die externen Bewerber bei ihrer Vorstellung (...) zu Fragen (...), die das kirchliche Profil unserer Schule betrafen, überzeugende Antworten schuldig blieben“. Das Kollegium habe den Eindruck, „nicht ernst genommen – vielleicht sogar instrumentalisiert worden zu sein“. Ein solches Verfahren „widerspricht unserem christlichen Menschenbild“.

Das Kollegium der Marienschule ist nach Informationen unserer Zeitung dabei, ein Schreiben ähnlichen Inhalts zu verfassen. Das Besetzungsverfahren hat jedenfalls an beiden Schulen für anhaltende Missstimmung gesorgt.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Bistumssprecher Franz Kretschmann, das Bistum treffe „bei Besetzungen von Schulleitungen eine Entscheidung nach einem für alle internen und externen Kandidatinnen und Kandidaten gleichen Verfahren“. Das Votum der Lehrer und das erstellte Bewerberprofil werde bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt. Die endgültige Entscheidung obliege allerdings dem Leiter des Generalvikariats, Manfred von Holtum. Die Frage, ob das Bistum den Ärger der Lehrer in Geilenkirchen und Mönchengladbach nachvollziehen könne, ließ der Bistumssprecher unbeantwortet.

Es ist nicht anzunehmen, dass die Erklärung des Bistums die Angelegenheit befrieden wird.

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