Legionellose in Jülich: Drittgrößter Ausbruch in Deutschland

Von: Volker Uerlings
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St. Elisabeth Krankenhaus Jülich Legionellen
Bei dem Fall Jülich handelt es sich um den drittgrößter Legionellose-Ausbruch in Deutschland. Foto: ZVA

Jülich. Die Zahl der legionellenbedingten Lungenentzündungen in Jülich ist auf 24 Patienten gestiegen. In Summe handelt es sich nun um den drittgrößten Legionellen-Ausbruch in Deutschland nach Warstein 2013 mit 165 Erkrankten und Ulm vor vier Jahren mit 65 Patienten.

Diese Einordnung bestätigte der Experte Professor Martin Exner am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung: „Die Einschätzung ist für Deutschland richtig.“ Er leitet das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Uni Bonn.

Bei den 24 Patienten handelt es sich nicht um Neuerkrankungen, sondern um 24 bestätigte Alt-Verdachtsfälle, Anfang der Woche waren es erst neun. Diese Zahl der Legionellose-Nachweise dürfte noch leicht steigen: Täglich treffen in Jülich Ergebnisse von Nachuntersuchungen der im August erkrankten Menschen ein. Bei 30 von 70 Verdachtsfällen konnte die Diagnose Legionellose ausgeschlossen werden. Es stehen also noch Laborergebnisse aus. Das bestätigte Norbert Schnitzler, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, unserer Zeitung.

Inzwischen ist auch klar, dass die gesamte Stadt Jülich mit fast allen Ortsteilen von der Welle betroffen ist. Legionellose-Patienten gibt es über den kompletten Stadtkern verteilt sowie auch in Koslar, Selgersdorf, Welldorf, Broich, Lich-Steinstraß, Mersch, Pattern und Altenburg, wie Norbert Schnitzler informiert. Die Zahl der Verdachtsfälle ist gestiegen. Sie werden verstärkt über das Bürgertelefon des Kreises und niedergelassene Ärzte gemeldet.

Der Infekt kann nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Auch Trinkwasser sei unbedenklich, unterstreicht Gesundheitsamtschef Norbert Schnitzler. Erreger werden über die Atemwege aufgenommen. Sie befinden sich in kleinsten Wassertröpfchen in der Luft. Im Rahmen der Quellensuche sind nächste Woche erste Ergebnisse zu erwarten. Schnitzler: „Die Verteilung der Fälle weist darauf hin, dass es eine bestimmte Quelle gibt. Und die Gemeinsamkeit der Fälle heißt Jülich.“

Hygiene-Experte Martin Exner hält die Erregerverbreitung über Rückkühlanlagen „für den Weg, den man in allererster Linie abklären muss“.

Er bedauert, dass in Deutschland auch nach dem Ausbruch in Warstein keine „Registrierungspflicht für Rückkühlwerke existiert – anders als in vielen europäischen Ländern“. Legionellose sei bei entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen eine „vollständig verhütbare Infektion“.

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