Legionellenbefall im Kraftwerk Weisweiler explodiert

Von: Claudia Schweda und Patrick Nowicki
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Kraftwerk Weisweiler rwe
RWE will nach eigener Aussage die derzeitige Stilllegung des Kraftwerksblocks dazu nutzen, weiter nach der Ursache für die hohen Legionellenwerte zu suchen. Foto: dpa

Eschweiler. Der mit Legionellen belastete Block F im Kraftwerk Weisweiler ist nach einer erneuten explosionsartigen Vermehrung der Keime wieder vom Netz genommen worden. In den jüngsten Probenergebnissen von voriger Woche ist ein Spitzenwert von 275.000 Legionellenkolonien pro 100 Milliliter gefunden worden, teilte das Landesumweltministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Der RWE-Konzern bestätigte die hohe Legionellenbelastung. Allerdings habe die Abschaltung nichts mit den aktuellen Erregerkonzentrationen zu tun, sondern sei langfristig wegen einer technischen Umrüstung des Blockes geplant gewesen, teilte RWE-Sprecher Manfred Lang mit. Geplant sei, die Arbeiten Ende der Woche abzuschließen und die Anlage Anfang nächster Woche wieder anzufahren.

Der Wert von 275.000 Legionellenkolonien stellt fast die fünffache Höhe dessen dar, weswegen der Block im Oktober schon einmal heruntergefahren worden ist. Damals war im Rahmen von Kon­trollen nach einer Legionellosen-Welle im Raum Jülich eine Belastung des Kühlturms mit 61.500 Legionellenkolonien festgestellt worden. Da eine mechanische Reinigung nicht den erhofften Erfolg gezeigt hatte, ordnete die Bezirksregierung in der Folge eine Desinfektion mit Bioziden an, die Ende Oktober erfolgte.

„Der aktuelle Wert zeigt, dass die Biozidbehandlung nachhaltig nicht gewirkt hat“, sagte Wilhelm Deitermann, Sprecher des NRW-Umweltministers. Dabei sei die Belastung nach der Behandlung zunächst niedrig gewesen, dann aber wieder angestiegen. Bis Mittwoch in der vorigen Woche lagen die Messwerte, die unserer Zeitung vorliegen, meist unter 10.000 Legionellenkolonien.

Im Ministerium habe niemand eine Erklärung dafür, wie es nur einen Tag später zu der extrem hohen Belastung kommen konnte, die das Ministerium dazu veranlasste, RWE mitzuteilen, „dass eine Außerbetriebnahme erforderlich sei“. RWE wurde aufgefordert, der Bezirksregierung Köln ein Konzept vorzulegen, mit dem die Legionellenbelastungen verringert werden können.

„Der Block F darf erst wieder in Betrieb genommen werden, wenn mit hinreichender Sicherheit davon auszugehen ist, dass die Legionellenbelastung unter 50.000 Kolonien pro 100 Milliliter liegt“, teilte der Ministeriumssprecher mit. Kurzfristig müsse der von Bundesseite aus vorgeschlagene Wert von maximal 10.000 Legionelleneinheiten erreicht werden.

RWE will nach eigener Aussage die derzeitige Stilllegung des Kraftwerksblocks dazu nutzen, weiter nach der Ursache für die hohen Legionellenwerte zu suchen. Man sei in enger Verbindung zu den Aufsichtsbehörden, hieß es am Dienstag.

Der Legionellose-Ausbruch in Jülich ist mit 39 Fällen der drittgrößte in Deutschland nach Warstein 2013 mit 165 Erkrankten und Ulm vor vier Jahren mit 65 Patienten. Die Legionellen des sogenannten Serotyps 5, der die Lungenentzündungen in Jülich ausgelöst hat, konnten in Weisweiler bislang nicht nachgewiesen werden.

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