Leerstehendes City Center: Ralf Schumacher investiert Millionen

Von: Rudolf Müller
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Vom Charme der 70er Jahre ist nicht viel geblieben: Das inzwischen völlig leer stehende City Center verfällt zusehends. Foto: Rudolf Müller/Nesseler Grünzig
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Nach sieben Jahren Bemühungen um eine Neugestaltung des Areals hat die Stadt jetzt in Ralf Schumacher und Bernd Pieroth Investoren gefunden, die hier ein ganz neues Stadtquartier bauen. Foto: Rudolf Müller/Nesseler Grünzig
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Investiert Millionen in Eschweiler: Ex-Formel-1-Rennfahrer Ralf Schumacher. Foto: imago/Future Image

Eschweiler. Karstadt, Schlecker, Hertie: die Leerstände haben Namen – und sind ein Alptraum in vielen Innenstädten. Fast überall in der Republik haben Firmenpleiten große Lücken ins Geschäftsgefüge der Städte gerissen. Lücken, die mancherorts bald wieder geschlossen werden konnten. Manchmal aber auch nicht. Wie in Eschweiler.

Dort hat die Pleite von Hertie Dutzende weiterer Geschäfte mit sich gerissen und mitten im Herzen der Stadt eine Wunde hinterlassen, die weitreichendere Folgen für die Einkaufsstadt hatte, als nur geschlossene Ladentüren. Ein Alptraum, der mehr als sieben Jahre auf der Stadt, ihren Bürgern und Verantwortlichen lastete – länger als auf den meisten von Pleiten gebeutelten Kommunen.

Bis Ralf Schumacher die Stadt erlöste. Am Dienstag stellte sein Co-Investor Bernd Pieroth im Eschweiler Rathaus die Pläne vor, die das neue Gesicht der Eschweiler City prägen sollen – und aus einer Geisterstadt ein wiederbelebtes Zentrum machen sollen.

Was bis dato unter „City Center“ firmiert, ist tot. Nur das Parkhaus steht immer voll. Seit vor gut einem Jahr die Schranken an Ein- und Ausfahrt ihren Dienst verweigerten und per Defekt den Nulltarif einführten, boomt es. Bis auf die obere Etage: Die ist abgeriegelt. Von dort hatte man früher direkten Zugang zum Karstadt-Kaufhaus.

Blühende Zeiten sind Geschichte

Ein Kaufhaus im Herzen der Stadt, dessen blühende Zeiten seit Jahren Geschichte sind. Das gilt auch für das City Center, das sich – in unmittelbarer Nähe des Rathauses – an Kauf- und Parkhaus anschloss. In besseren Zeiten waren beide Garanten des weithin guten Rufs Eschweilers als „Einkaufsstadt“. 40 Jahre ist es her, dass das City Center eröffnet wurde: mit 32 Läden. Und dem Karstadt-Kaufhaus. Schon drei Jahre zuvor, im November 1974, hatte Eschweiler keine 150 Meter entfernt die Eröffnung der ersten Fußgängerzone im Kreis Aachen gefeiert.

30 Jahre lang war Karstadt ein wichtiger Ankerpunkt des Geschäftslebens in der Indestadt. Nach der Karstadt-Pleite kam Hertie. Für nicht einmal zwei Jahre. Schon im Juli 2008 meldete Hertie Insolvenz an, nachdem der britische Haupteigentümer Dawnay Day in finanzielle Bedrängnis geraten war. 2009 wurden die letzten 20 Filialen geschlossen. Seither steht das Kaufhaus leer.

Und nach und nach gaben auch die Läden im City Center auf. Das Center verfiel zusehends, wurde zum Treffpunkt von Gestalten, denen viele lieber nicht im Dunkeln begegnen würden. Und lud Vandalen dazu ein, sich dort auszutoben. Inzwischen ist dort die Welt mit Brettern vernagelt und mit Bauzäunen verstellt. Von 32 Läden sind noch zwei geblieben: an der Südseite des Centers, mit Eingang von der Hauptdurchfahrtsstraße her.

Der Rest: eine verfallende Brache, die nicht nur Bürgermeister Rudi Bertram (SPD), der tagtäglich von Bürgern auf den unhaltbaren Zustand angesprochen wurde, jahrelang Magenschmerzen bereitete. Zumal keine Besserung in Sicht war. Die Eigentümer von City Center, Kauf- und Parkhaus: anonyme, unnahbare Gesellschaften, die wenig Interesse zeigten, die Stadt von ihrem Alptraum zu befreien.

Einem Alptraum, dem Eschweiler auf verschiedene Weisen zu trotzen versuchte: Während das rund 18.000 Quadratmeter große Areal am Rathaus in einen Dornröschenschlaf fiel, machte sich die Stadt auf der anderen Seite des Flusses Inde zukunftsfit: Mit Millionenaufwand wurde die Fußgängerzone saniert und modernisiert, ähnliches erfolgte im Anschluss auf der Nordseite des Stadtzentrums, am Markt.

Gleichzeitig setzte die Verwaltungsspitze alle Hebel in Bewegung, um die Brache an den Mann zu bringen. Was fast aussichtslos schien: weil Eigentümer, wenn sie überhaupt einmal auf die Daueranfragen aus dem Eschweiler Rathaus antworteten, Preisvorstellungen äußerten, die laut Stadt weit jenseits von Gut und Böse lagen.

Auch die Besitzverhältnisse sind Teil des städtischen Alptraums: Das City Center wie auch das Parkhaus waren im Besitz der Firma Edinburgh House mit Sitz in London, die die Verwaltung ihrer deutschen Tochter Estama übertragen hatte. Der einstige Karstadt- und spätere Hertie-Bau dagegen gehörte dem ebenfalls in der britischen Metropole beheimateten Unternehmen Dawnay Day.

Das wiederum hatte die einzelnen Hertie-Häuser einer Tochterfirma im niederländischen s‛Hertogenbosch übertragen, bevor diese eine ganze Serie von Pleiten hinlegte und die Deutsche Bank als Hauptgläubigerin ihre Ansprüche an eine dritte Firma verkaufte. Die wiederum beauftragte eine Londoner Anwaltskanzlei mit der Wahrnehmung ihrer Interessen. Und die beauftragte die Berliner Firma CR Invest mit der Vermarktung.

An Interesse auf Käuferseite mangelte es nicht. „Uns haben mindestens 40 Interessenten kontaktiert, um von uns zu erfahren, was hier möglich ist und wer hinter den Immobilien steht“, erklärt Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram. „Ernsthafte Interessenten wie auch Wahnsinnige mit hanebüchenen Vorstellungen, die das Blaue vom Himmel versprachen und den Blausteinsee gleich mit kaufen wollten.“

Jetzt hat der Alptraum ein Ende. In wenigen Tagen rollen die Bagger an, um City Center, Kaufhaus und Parkhaus dem Erdboden gleichzumachen. Auf dem riesigen Filetgrundstück mitten im Zentrum Eschweilers gibt nun der Mann Gas, der sich bislang durch ganz andere Aktivitäten einen Namen gemacht hat: Ralf Schumacher, früherer Formel-1-Pilot und DTM-Fahrer, der allein 180 Formel-1-Rennen absolviert hat und inzwischen unter anderem an einer Fluggesellschaft beteiligt ist. Er hat gemeinsam mit dem Kerpener Investor Bernd Pieroth das Areal erworben und plant dort nun ein völlig neues Stadtviertel.

„Rathaus-Quartier“ nennt sich das Vorhaben, das dem Zentrum neuen Glanz geben soll: mit weit über 12.500 Quadratmetern Fläche für Einzelhandel und Dienstleister, 5000 Quadratmetern für Wohnraum und jeweils 1500 Quadratmetern für eine Kindertagesstätte, Gastronomie und Fitnessangeboten – eingebettet in Grünflächen und ausgestattet mit Tiefgaragen, die über 400 Stellplätze bieten.

Noch im September, davon gehen die Investoren aus, soll mit dem Abriss des alten Komplexes begonnen werden. Und zum Weihnachtsgeschäft 2019 sollen die Läden – vom Vollsortimenter bis zur Boutique – bezogen sein. Dass die Investoren dem Standort Eschweiler einiges zutrauen, zeigt die Tatsache, dass Schumacher und Pieroth treten nicht nur als Bauherren auftreten, sondern das Viertel auch in eigener Regie zu halten versprechen: „Wir sind keine Heuschrecken!“, betont Schumacher.

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