Lech Walesa nimmt Polonicus-Preis entgegen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Genoss seinen Besuch in Aachen: Leach Walesa forderte eine führende Rolle Deutschlands bei der Einheit Europas und ein Überdenken der Nationalstaaten. Im Rathaus nahm er den Polonicus-Preis entgegen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Lech Walesa wurde am Samstag im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit dem Polonicus – dem Preis der Polonia, Gemeinschaft der Auslandspolen in Europa, für Verdienste an der Einheit Europas – für sein Lebenswerk geehrt.

Der ehemalige Elektriker und Gewerkschaftsführer der „Solidarnosc“ kam und genoss sicht-lich die Aufmerksamkeit, die ihm über alle Generationen hinweg zuteilwurde.

Wiestaw Lewicki, Organisator der achten Polonicus-Preisverleihung im Krönungssaal, der neunten insgesamt, hatte mit Walesa offensichtlich einen „Popstar“ nach Aachen geholt. Einmal dem ersten frei gewählten Staatspräsidenten Polens und Friedensnobelpreisträger nach dem zweiten Weltkrieg die Hand schütteln, ein Bild oder ein Selfie zu machen – das wollten viele bei der Preisverleihung und zuvor schon beim Treffen der jungen Polonia mit Walesa im Ratssaal. Eigentlich waren sie aufgerufen, Walesa Fragen zu stellen. Doch die Ehrfurcht war zu groß.

Walesa hatte kein Problem, die Zeit zu füllen: Eine offene Welt, ein Europa basierend auf Werten einem Grundgesetz, eine führendere Rolle Deutschlands bei der Einheit Europas und ein Überdenken von Nationalstaaten – in Sachen Freiheit und Demokratie bleibt der 73-Jährige seinem revolutionären Geist treu. Und fand hierfür bei den Gala-Gästen am Abend zahlreiche Unterstützer. „Die politische Entwicklung in Polen ist für die Polonia schwer zu verstehen“, sagte Lewicki und forderte stellvertretend für die Auslandspolen in Europa: „Wir wollen ein Polen, das die Demokratie und die Einheit Europas unterstützt.“ 560 000 Menschen mit polnischen Wurzeln leben allein in NRW.

„Gerade jetzt müssen wir für die europäischen Werte streiten“, erklärte Hausherr, Oberbürgermeister Marcel Philipp, und lobte Walesa als einen Mann der politischen Vernunft und des starken Willens, als „Vorbild für europäische Demokraten“. Franz-Josef Lersch-Mense (SPD), NRW-Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien forderte: „Die EU-Kommission muss die Rechtsstaatsdiskussion führen.“ Und Armin Laschet (CDU), Oppositionschef im Landtag, meinte: „Geschichte wie die von Walesa sollte man den Populisten viel öfter erzählen. Wir lassen uns Europa nicht kaputt machen!“

Laudator Thorsten Klute, Staatssekretär im NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales, erinnerte an Walesas Verdienste um die deutsche Einheit und die deutsch-polnische Aussöhnung. „Ihm lag schon immer ganz Europa am Herzen.“

Walesa nahm die Aufregung um ihn mit Humor, hängte seinen Kopfhörer für die Übersetzung an den Polonicus-Engel und tat das, was er am liebsten tut: sprechen. Er erzählte von seinem Treffen mit Genscher und Kohl, bei dem er den Fall der Mauer ankündigte und Erwatungsbestrebungen mancher Machthaber: „Sie wettern über Globalisierung und greifen zu ihrem Mobiltelefon. Sie sollten Brieftauben nutzen!“ Sehr ernst forderte er alle Europäer zum Handeln auf: „Wie viele Beulen müssen wir uns noch holen, bis wir ein funktionierendes System haben?“

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