Lebenslange Haft für den Mord an der alten Dame

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Mord Düren Renternerin
Die Täter verstricken sich im Prozess in Widersprüche. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Fast zehn Jahre nach dem qualvollen Erstickungstod einer Dürener Geschäftsfrau hat das Aachener Schwurgericht am Donnerstag zwei Männer zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt.

Die 77-Jährige war am Morgen des 21. Februar 2006 bei einem Raub im Einfamilienhaus der Geschäftsleute – sie betrieben damals in Düren ein bekanntes Möbelhaus – von Marian S. (37), Tomasz M. (38) und einem bis heute Unbekannten brutal misshandelt, dann gefesselt und mit Klebeband im Gesicht zurückgelassen worden.

Die drei Täter verschwanden damals über die Grenze. Die beiden nun Verurteilten wurden ermittelt, als ihre DNA im Zusammenhang mit anderen Taten auftauchte. Der dritte Täter ist noch nicht gefunden.

Lange hatte es im Prozess unter Vorsitz von Richter Arno Bormann so ausgesehen, als sei nicht mehr mit einer Verurteilung wegen Mordes zu rechnen. Doch am Ende, betonte der Richter in der Urteilsbegründung, verstrickten die beiden Männer sich mit den von ihren Verteidigern vorgetragenen Einlassungen in diverse Widersprüche. „Ihre Einlassungen waren in Details so fantasievoll, dass sie den am Tatort aufgefundenen Indizien widersprachen“, sagte Bormann. „Das waren reine Schutzbehauptungen“.

Der Richter ging zurück ins Jahr 2006. Damals seien die beiden als Teil einer Einbrecherbande aus Polen ins Ruhrgebiet eingereist. Vermutlich auf Veranlassung eines deutschen Tippgebers habe sich die Bande dann auf die Villa in Düren-Birkesdorf konzentriert. Das Objekt, das bereits im Jahr zuvor Ziel eines Raubüberfalls war, sei ausgespäht worden. So erfuhren die Täter, dass die 77-jährige Ehefrau des Dürener Kaufmannes regelmäßig jeden Morgen kurz nach acht Uhr ihren Mann in das Möbelhaus brachte und dann zurückkehrte.

„Sie wollten ihren Tod“

Da die Täter einen Tresor im Haus vermuteten, brauchte man die Frau zur Umsetzung des Einbruchsplans, um die Lage des Tresors und dessen Code erpressen zu können. Am Morgen des 21. Februar kamen die drei Täter gegen 7.30 Uhr am Haus in Düren-Birkesdorf an und warteten auf die Rückkehr der Frau. Dann drangen sie von hinten in das Haus ein, überfielen die Frau und fesselten sie. An ihrem Pelzmantel fanden sich später Reste von Klebebandstreifen.

Aus Wut, weil kein Tresor da war, wurde sie entweder geschlagen oder die Männer knieten sich „mit großer Kraft auf ihrem Brustkorb“. Das sei später nicht mehr zu unterscheiden gewesen, beschrieb der Richter die Obduktionsergebnisse. Auch ein Bügeleisen spielte eine Rolle, welche genau, sei nicht festzustellen gewesen. Zum Tod der alten Dame führte letztlich die brutale Knebelung von Mund, Nase und Gesicht des Opfers. Sie erstickte am Tatort, der Sohn fand die Mutter mittags tot im Haus.

Es sei kein Exzess eines Einzelnen und kein Unfall gewesen, betonte Bormann: „Sie wollten ihren Tod, sie wollten, dass sie das nicht überlebt“, stellte der Richter fest, die Zeugin sollte später die unmaskierten Männer nicht erkennen können. Von beiden Angeklagten fand man damals DNA-Spuren im Haus.

Marian S. hatte behauptet, er sei nur Fahrer gewesen und habe vor dem Haus in Düren gewartet. Seine DNA am Tatort stamme von Handschuhen, die er einem vierten Mittäter geliehen habe, den außer ihm aber niemand kennt. Tomasz M. behauptete, er habe im Obergeschoss nichts von der Misshandlung der 77-Jährigen mitbekommen. Die Kammer befand, dass beide Erklärungen eine Lüge seien. Die Verteidiger Heinrich Comes und Christin Mertens (beide Köln) wollen Revision einlegen.

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