Lebenshilfe in Sachen Glück

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
Warum ist Glück nicht das Wic
Warum ist Glück nicht das Wichtigste im Leben? Der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid ging bei den 36. Westdeutschen Therapietagen am Wochenende in Aachen ebenso klug wie vergnüglich dieser Frage nach. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Seit 1976 gibt es die Westdeutschen Psychotherapietage in Aachen, ins Leben gerufen von Professor Dr. Waltraut Kruse, die jetzt nach über drei Jahrzehnten aktiver Beteiligung den Ehrenvorsitz führte. Das diesjährige Thema „Glück” ist ein großes Thema, kaum eingrenzbar, weil es so vielschichtig ist und alles Mögliche bedeuten und umfassen kann.

Bei der Eröffnung der Tagung am Freitag - erstmals im Auditorium Maximum der RWTH Aachen - stellte Professor Dr. phil. Hans-Dieter Hermann seine Sicht von „Glück im/durch/trotz Sport” dem Publikum vor. Vielschichtig, schillernd und oft sogar verwirrend ist das Thema eben, was auch die beiden Referate am Samstag unter Beweis stellten.

Menschenwürde

Die einstige Bundesministerin der Justiz, Professor Dr. Herta Däubler-Gmelin, ist seit langem tätig an der Freien Universität Berlin und unter anderem auch an der Tongji-Universität in Shanghai. „Menschenwürde und Glück - gehören beide zusammen?” war das Thema der versierten Verfassungs-, Rechtstaats- und Menschenrechtsexpertin.

Wer hier einen trockenen Vortrag über juristische Probleme erwartet hatte, staunte über den köstlich-trockenen Humor der 68-Jährigen, verbunden mit herausragendem Intellekt, Sachkenntnis und Menschlichkeit. Ohne Menschenrechte sei eben immer auch die Würde in Gefahr. „Das Streben nach Glück” (Pursuit of Happiness) 1776 in der Unabhängigkeitserklärung des frisch gebackenen Amerika auftauchend, verweise überdies auch auf die Pflicht der „eigenen Lebensgestaltung” und nicht auf ein „Recht auf Glück”.

Ein wenig Kabarett

Fast kabarettistisch mutete zuweilen das fesselnde Referat von Professor Dr. med. Michael Linden aus Berlin an, der fast vergessene Behandlungsansätze bei chronisch Kranken vorstellte. Der Titel „Krank aber glücklich: Die Bedeutung der Salutotherapie” bezog sich auf den Einsatz therapeutischer Strategien und Methoden in der Prävention, Behandlung und Rehabilitation bei körperlichen und psychischen Krankheiten.

Methoden, die vor allem auf die Erhaltung, Wiederherstellung und Stärkung der Gesundheit ausgerichtet sind. „Medizingeschichtlich ein uraltes Konzept, aber sehr wirksam”, sagte Professor Linden, der am Reha-Zentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung (Berlin) und an der Berliner Charité tätig ist. Auch als Schwerkranker könne man wieder „Genießen” lernen, mehr Lebensqualität herstellen und Konfliktbewältigung lernen. Die Erkrankten sollten unter Anleitung „trickreich clevere Kompensation” betreiben. Gut kam auch ein Zitat der Philosophin Jeanne Hersch an: „Gesund ist der Mensch, der fähig ist, Krankheit zu ertragen!”

Einen glänzenden Abschluss bot am Sonntag der Vortrag des Philosophen Wilhelm Schmid, der durch seine Bücher (zum Beispiel „Liebe - Warum sie so schwierig ist und wie sie dennoch gelingt”) auch einem größeren Publikum bekannt ist. Der Berliner Professor, der in Erfurt lehrt, begeisterte das aufgeschlossene Publikum mit seinen ebenso klugen wie vergnüglichen Erkenntnissen zum Thema „Warum ist Glück nicht das Wichtigste im Leben?”

Auf der Jagd nach dem Glück kann man schnell sehr unglücklich werden, das war die Quintessenz des humorvollen Referats, das die Bedeutung von Sinn und Sinnfindung hervorhob. „Niemand kann ständig glücklich sein”, aber man könne das Zufallsglück nutzen und sogar „kitzeln”. Zu wissen, was uns wirklich wohl tut, sei schon ein erster Schritt. Aus akzeptierten Misserfolgen entstehe of ein großer Erfolg, Unzufriedenheit sei „die Hefe der Entwicklung”.

Beglückt

Mit Charme und Witz verwies der Philosoph auf etliche Wege, dem Unglücklichsein e in Schnippchen zu schlagen. Das zahlreich erschienene Publikum war ganz beglückt von dem reichhaltigen Angebot an „exzellenten Vorträgen mit Lebenshilfe-Faktor” und fühlte sich am neuen Tagungsort mit 900 Plätzen „gut aufgehoben”. Und das noch: Ein Getränkeangebot würde 2014 im übrigen viele „sehr glücklich machen”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert