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Laut gewinnt: Schlechtes Ende für das Pumpspeicherkraftwerk

Ein Kommentar von René Benden

Eifel. Das Pumpspeicherkraftwerk Rursee ist vom Tisch. Vielen Menschen in der Eifel wird ein Stein vom Herzen gefallen sein. Sie müssen jetzt nicht mehr fürchten, dass ihr schöner See zuerst von einer gigantischen Baustelle und anschließend von einem Pumpspeicherkraftwerk verunstaltet wird. Touristen und Badegäste können also auch in den nächsten Jahren ungestört genießen. Alles im Sinne der Nordeifler und ihrer Gäste geregelt, oder?

Nicht ganz. Denn die Entscheidung gegen das Pumpspeicherkraftwerk kommt zu einem schlechten Zeitpunkt. Bis heute gibt es nicht genügend wissenschaftliche Expertisen, um seriös die Frage beantworten zu können, welche Auswirkungen das Pumpspeicherkraftwerk für die Nordeifel, ihre Bürger und die Touristen gehabt hätte. Also hat der Investor eines 700-Millionen-Euro-Projekts unter dem Druck von Stimmungsmache eine Entscheidung gefällt. Das kann mit Blick auf die Zukunft dieser Region nicht richtig sein.

Das Pumpspeicherkraftwerk könnte verheerende Auswirkungen für die Natur haben, es könnte den Tourismus zerstören, es könnte gar nicht mehr wirtschaftlich sein, wenn es erst einmal gebaut ist. Gut möglich, dass die Kritiker mit all diesen Argumenten am Ende sogar Recht behalten hätten. Doch solange sich diese Befürchtungen nicht beweisen lassen, sind sie nichts anderes als Unwissen. Bei der Frage: Pumpspeicherkraftwerk – ja oder nein, haben nun diejenigen, die am lautesten gebrüllt haben, den vorzeitigen Sieg davongetragen. Ein gesellschaftlicher Konsens, der die Interessen vieler wahrt, ist so nicht zu erzielen.

Zurück bleiben viele Verlierer. Beispielsweise die Gemeinde Simmerath, die noch vor wenigen Tagen vom Bund der Steuerzahler öffentlich vorgeführt wurde, weil sie ihren Rathausvorplatz barrierefrei umbauen will, ohne das Geld dafür in der Kasse zu haben. Simmerath hätte die Gewerbesteuer, die das Pumpspeicherkraftwerk abgeworfen hätte, gut gebrauchen können. Vereine, Schulen – sie alle hätten davon profitiert. Hätten.

Nicht die Tatsache, dass das Pumpspeicherkraftwerk gescheitert ist, sondern die Art, wie es gescheitert ist, lässt auch Zweifel aufkommen, ob wir Deutschen das mit der Energiewende ganz richtig verstanden haben. Neue Energie bedeutet nämlich auch, dass man sich sachlich und zielorientiert mit den verbleibenden Ressourcen auseinandersetzen muss. Denn der Strom, der nicht mehr aus Atom- und Kohlekraft gewonnen werden soll, muss ja irgendwo herkommen. Wo solch eine Auseinandersetzung nicht möglich ist, bleibt kein Platz für eine Energiewende. Dort gibt es höchstens Opportunisten, die sich in der Rolle des Heimatschützers gut gefallen. Sie protestieren gegen das Pumpspeicherkraftwerk am Rursee und Windräder im Roetgener Münsterwald. Gleichzeitig zeigen sie den belgischen Nachbarn den Vogel, weil die ihre Uraltmeiler von Tihange wieder hochfahren.

So wird das mit der Energiewende nichts. Weder in der Region, noch in Deutschland.

r.benden@zeitungsverlag-aachen.de

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